Albert-Ludwigs-Universtität

Die ersten 50 Absolventen des University College Freiburg haben ihren Abschluss gemacht

Elisa Miebach

Erst seit 2012 gibt’s das University College Freiburg, wo Studierende einen Bachelor in "Liberal Arts and Sciences" machen können. Jetzt feierten die ersten Absolventen des ungewöhnlichen Studiengangs ihren Abschluss.

Aphrodite, Lampenfieber, Klimawandel, Lawinensicherheit, Milchquote – das sind nur einige der Themen, die die erste Generation der Freiburger "Liberal Arts and Sciences"-Absolventen in ihren Bachelorarbeiten behandelten.


Vor vier Jahren kamen die ersten Studenten aus der ganzen Welt an das neue "University College Freiburg" (UCF) der Albert-Ludwigs-Universität. Am Samstag erlebten die ersten 50 Absolventinnen und Absolventen ihre feierliche Zeugnisübergabe.

"LAS lehrt nicht, was man denken soll, sondern wie man denken kann." Veronika Datzer, Studierende
"2012 wussten wir nicht, ob sich überhaupt jemand für den Studiengang anmeldet und wenn, dann nicht, wer", sagt Nicholas Eschenbruch, der zur Gründung akademischer Direktor des UCF war: "Dann kamen die ersten Studenten an, und wir wussten, sie sind wunderbar." Veronika Datzer, selbst Studentin im dritten Jahr, schmunzelt wie viele, als sie das hört. In ihrer Rede an den graduierenden Jahrgang über ihr sagt sie: "Ihr habt es geschafft! Ihr habt es geschafft, einige Herausforderungen zu meistern – auch diejenige, zu erklären, was ihr eigentlich studiert." Sie fügt hinzu, sie habe sich aus einer Vorlesung eines Professors folgenden Satz über den Studiengang gemerkt: "LAS lehrt nicht, was man denken soll, sondern wie man denken kann."

Einzigartiger Studiengang in Deutschland

Der Name des Studiengangs "Liberal Arts and Sciences" – kurz LAS – heißt übersetzt "freie Geistes- und Naturwissenschaften". Er ist der erste dieser Art in Deutschland. Im ersten Jahr, dem Grundjahr, setzen sich die Studierenden mit Philosophie und Statistik, aber auch mit globalen Problemen und ihren eigenen Vorurteilen und Glaubenssätzen auseinander. Sie belegen Einführungen in drei der vier Schwerpunkt-Bereiche des Studiengangs. Im zweiten Jahr entscheiden sie sich dann für einen Schwerpunkt, den "Major". Im Bereich "Life Sciences", der sich viel mit Humanbiologie, Neurologie und Psychologie beschäftigt, und im Bereich "Earth and Environmental Sciences", der etwa Umweltprobleme geologisch, biologisch und physikalisch behandelt, schließen die Studenten mit einem Bachelor of Science ab. Im Bereich "Governance", der sich mit Politik, Wirtschaft und Recht auseinandersetzt, und im geisteswissenschaftlichen Bereich "Culture and History" gibt es am Ende einen Bachelor of Arts.

Daneben belegen alle Studierende Kurse im Kernbereich, in dem sie sich mit der Wissenschaft an sich, aber auch mit Kommunikation und Verantwortung auseinandersetzen. In einem Wahlpflichtbereich kann aus dem gesamten Vorlesungsangebot der Uni gewählt werden. Der Studiengang ist auf Englisch, und es wird erwartet, dass noch eine weitere Fremdsprache erlernt wird.

"2012 war es nur ein Projekt, dass auch hätte fehlschlagen können", sagt Professor Wolfgang Freitag, der Studiendekan: "Jetzt bin ich stolz auf unsere Absolventen, die alle mit erkennbarem Erfolg abgeschlossen haben." Bei den Masterbewerbungen der Studenten hätte es keine Schwierigkeiten mit der Akzeptanz des Programms gegeben, so Freitag. Gleich mehrere Absolventen gehen nun für ihren Master nach Oxford, ein anderer an die Berliner Charité, wieder andere streben einen Masterabschluss parallel in gleich zwei Ländern an. Viele der Absolventinnen und Absolventen sind noch im Praktikum, etwa beim Goethe-Institut oder bei internationalen Menschenrechtsorganisationen.

Für viele geht’s jetzt ins Ausland

Viele der Studenten gehen noch einmal ins Ausland, für andere ist Deutschland Ausland. Rund 20 Prozent jedes Jahrgangs sind internationale Studenten. So auch Shyam Neupane aus Nepal: "Es war spannend, in Deutschland diesen neuen Studiengang anzufangen. Ich freue mich, dass ich Teil eines so motivierenden und inspirierenden Programms sein konnte", sagt er. Shyam Neupane wird auch für seinen Master in Biologie in Freiburg bleiben.

"Für mich war es am Anfang, sehr schwer zu begreifen, was mein Sohn studiert und was er dann damit wird. Es ist ja keine konkrete Ausbildung für einen bestimmten Beruf", sagt Helmut Müller, Handwerksmeister und Vater eines Absolventen: "Doch jetzt glaube ich, dass es für ihn das Richtige war und dass er das Wissen erlangt hat, das er braucht, um seinen Lebensweg zu bestreiten."

Mehr zum Thema: