Die Decker Garage wird zur Versuchsbrauerei und setzt auf Crowdfunding

Gina Kutkat

Es gibt Neuigkeiten aus der Decker Garage: Freiburgs "Werkstatt für handgemachtes Bier" beherbergt seit März eine Nano-Versuchsbrauerei. Was hat sich sonst noch getan?

Erst haben sie handgemachtes Bier von Kleinstbrauern aus dem Umland ausgeschenkt, dann gemeinsam mit den Brauern eigenes Bier entwickelt – und jetzt den Traum von ihrer eigenen kleinen Brauerei verwirklicht: Die drei Freiburger David Schneider, Daniel Johari und Markus Gut von der Decker Garage haben in ihren Räumen in der Haslacher Straße eine Mini-Brauerei installiert, die durch Crowdfunding finanziert werden soll.


Seit ihrer Gründung haben die Decker-Betreiber mehrere Ziele verfolgt: die Bierkultur in Freiburg fördern, Aufmerksamkeit auf lokale Brauereien lenken und ihr Netzwerk vorantreiben, das den Ideenaustausch forciert. Neun Biere gibt es bisher im Sortiment, die von Hand und mit natürlichen Zutaten gebraut werden: kaltgehopftes Pils etwa, ein Amber Lager oder El Hobo – ein Chocolate Malt Porter. Das Decker-Bier läuft zwar unter dem hypebesetzten Namen Craftbeer, im Angebot gibt’s jedoch traditionelle Sorten wie Pils, Weizen oder Helles. Pale Ales und IPAs, normalerweise Inbegriff der Craftbiere, gibt es nicht.

Die Nano-Versuchsbrauerei etablieren

"Freiburgs Werkstatt für handgemachtes Bier" – so lautet der Slogan von Decker Bier seit der Eröffnung im Mai 2015. Mit ihrem nächsten Schritt, Freiburgs erste Nano-Versuchsbrauerei zu etablieren und diese durch den gegründeten Craftklub für Laien und Fortgeschrittene zu öffnen, verwirklichen sie ihr ursprüngliches Konzept. Auf 2x50-Liter-Anlagen kann jeder Interessierte brauen – jeden Monat sollen so neue, experimentelle Bierkreationen entstehen. Sudpfanne, Läuterbottich, Malzmühle, diverse Lagertanks: Das Equipment stammt teilweise aus dem Keller des Sommeliers Andreas Fischer, teilweise haben die Decker-Betreiber es vorfinanziert.

"Wir bieten Bier zum Mitmachen und zum Anfassen", sagt David Schneider, einer der Geschäftsführer von Decker. Ob Einsteiger, Fortgeschrittener oder erfahrener Heimbrauer: Jeder darf in der Decker Garage unter Anleitung Bier brauen und experimentieren. So entstehe eine Art Hobbybrauerei, die es Quereinsteigern wie Querdenkern ermögliche, sich auszuprobieren. "Einige Homebrewer aus England und Kamerun haben sich schon angekündigt. Das wird sehr interessant und abwechslungsreich werden", sagt Schneider.

Der Clou: Finanziert wird die Mini-Brauerei durch Crowdfunding-Pakete, die ab dem 1. April über den Online-Shop erworben werden können. "Ab 25 Euro geht’s los", so Schneider weiter. Es wird zwei verschiedene Pakete geben: Reine Bierpakete, die als Gegenleistung eine bestimmte Flaschenanzahl der Garagenbiere enthalten. So gibt es für 100 Euro 8 mal 1-Liter-Flaschen. Außerdem angeboten werden Veranstaltungspakete, "diese Pakte gehen ab 500 Euro los, und man bekommt dafür Bier und dazu spezielle Events", so Schneider.

Tastings und Braukurse

Schon seit Anfang 2016 können Interessierte im sogenannten Craftklub einmal pro Monat an Tastings und Braukursen teilnehmen, die vom erfahrenen Sommelier Andreas Fischer geleitet werden. Dort lernen die Teilnehmer, wie man von Hand gutes Bier brauen kann. Vom Einmaischen übers Brauen bis hin zum Läutern und Vergären: Am Ende des Kurses steht ein individuelles Bier. "Das Angebot ist so beliebt, dass die Kurse bis zum Sommer ausgebucht sind", sagt Markus Gut, ebenfalls Geschäftsführer von Decker.

Der Ort, an dem alles zusammenläuft, ist die Decker Garage in der Haslacher Straße: Eine Mischung aus Bierbar und Direktverkauf, die aber auch Anlaufstelle für die Szene sein soll. Wichtig ist den drei Betreibern, dass weder Konsum noch die Marke Decker im Vordergrund stehen. "Wir sind ein Netzwerk, zu dem jeder dazustoßen kann", so Schneider. Wichtig bleibt weiterhin die Zusammenarbeit mit Brauern aus der Region – etwa Dorfbräu in Köndringen, Brauerei Rogg in Lenzkirch oder Löwenbräu in Elzach.

Ebenfalls Netzwerk-Charakter hat das jährlich stattfindende Craftival: Ein Bierfestival, das lokale Brauereien, Künstler, Hobbybrauer und Biertrinker zusammenbringt. Die nächste Ausgabe soll im September steigen, schon im Frühsommer wird es eine kleinere Version auf dem Decker-Hof geben.

Den Biermarkt demokratisieren

Mit ihrer neuen Ausrichtung als Versuchsbrauerei möchten Schneider, Johari und Gut den Biermarkt demokratisieren. Die jüngste Bierbewegung, die sogenannte Craftbeer Revolution, hilft ihnen dabei: Selbstgemachtes Bier ist hip: In Freiburg gibt es nicht nur die Decker-Jungs, das BrauKollektiv oder Malt & Hops– immer mehr Selfmade-Brauer experimentieren in ihren eigenen vier Wänden. "Diese Leute möchten wir erreichen und zum Austausch zu uns einladen", sagt David Schneider.

Zur neuen Ausrichtung gibt es auch ein neues Bier namens Hendrix: ein naturtrübes Pale Lager mit Hopfen- und Malzsorten aus biologischem Anbau.
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