Die Buben im Pelz im Räng Teng Teng: "Der Party-Eskapismus ist vorbei!"

Bernhard Amelung

Wienerlied trifft Rock’n’Roll der sechziger Jahre: Mit ihrem Debütalbum "Die Buben im Pelz & Freundinnen" haben David Pfister und Christian Fuchs "The Velvet Underground & Nico" nach Wien und ins Wienerische übertragen. Das stellen sie am Donnerstag im Great Räng Teng Teng in Freiburg vor. Bernhard Amelung hat mit Band-Gründer David Pfister über Wien, New York und eine kaputte Welt gesprochen.



David, deine Lieder handeln von Drogen, Prostituierten und zerbrochenen Seelen. Was für eine Welt beschreibst du?

David Pfister: Christian (Fuchs, die Red.) und ich singen über die Stadt Wien im 21. Jahrhundert. Über eine Stadt, die eigentlich viel zu groß ist für das kleine Österreich. Außerhalb von Wien ist Österreich Provinz, und in Wien gibt es die großen Probleme, die Weltstädte haben. Drogen zum Beispiel sind seit Jahrzehnten ein großes Thema. Heroin ist immer noch sehr populär. Wenn ich zum Einkaufen oder ins Fitnessstudio gehe, belagern zahlreiche Obdachlose und Abhängige den Eingang zum Bahnhof. Das ist die traurige Seite einer sonst wunderschönen Stadt.

Ein Gegenbild zu der Touristenidylle.

Wien ist aber tatsächlich so. Wer in Wien lebt, wird allzeit mit solchen Gegenbildern konfrontiert. Das ist auch eine der Parallelen zum New York der Sechzigerjahre. Die Zeit von Velvet Underground, Andy Warhol und der Factory war das große Vorbild für unser Album. Daran haben wir uns abgearbeitet.

Ist der Vergleich mit New York nicht ein wenig hochgegriffen?

Wir haben uns intensiv mit dieser Zeit beschäftigt. Und wenn ich Parallele sage, meine ich einen Zeitgeist, der damals vorherrschte. Nach dem Wirtschaftsaufschwung und gesellschaftlichen Eskapismus der Fünfzigerjahre herrschte so etwas wie eine Depression. Bürgerrechtsbewegungen kamen auf, die Menschen protestierten gegen den Krieg in Vietnam. Das war eine Zeit der Erschöpfung. Diese totale Erschöpfung stelle ich auch heute fest. Die Welt ist auf dem harten Boden der Realität aufgeschlagen. Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft. Der Partyeskapismus der Neunziger- und Nullerjahre ist vorbei!

Hat dich dieses Gefühl auch zu der Songzeile "Die Welt geht am Arsch" verleitet?

Ja. Absolut. In diesem Lied haben wir versucht, Lou Reeds "European Son" zu übersetzen. Was er mit diesem Song wirklich gemeint hat, kann man allerdings nur schwer rekapitulieren. Wir haben uns dafür entschieden, die dumme und garstige Haltung vieler EU-Skeptiker abgebildet. Die deckt sich aber nicht mit unserer Einstellung. Die Personen und Sichtweisen, die wir in unseren Liedern behandeln, sind nicht immer unsere. Wir spielen verschiedene Rollen.

Wie kommt man überhaupt auf die Idee, das erste Velvet Underground-Album zu covern?

Christian und ich sind wahnsinnig leidenschaftliche Velvet Underground-Fans. Lou Reed war so ein fantastischer Geschichtenerzähler. Seine Songs sind voller abgründiger Charaktere, skurriler Außenseiter und bizarrer Welten. Er stellt Archetypen einer Gesellschaft am Rande des Kollaps vor. Diese wollten wir nachzeichnen. Deshalb haben wir geschaut, dass wir gültige Gegenstücke in Wien und Umgebung finden.


(David Pfister und Christian Fischer / Pro)

Die Lexington Avenue von Reeds "I'm Waiting For The Man" zum Beispiel wird bei euch zum Schwedenplatz.

Jedem Ort haftet etwas Sinnbildhaftes an. Das haben wir aufgespürt, offen gelegt und nach Orten in Wien gesucht, die diese Stimmung wiedergeben.

Dann ist "Buben im Pelz & Freundinnen" eine typisch wienerisches Album?

Vom Sounddesign her hätten wir die Platte auch in Australien produzieren können. Da waren neben Velvet Underground auch Giganten wie Nick Cave die großen Vorbilder. Bis auf die Sprache und Schauplätze, an denen unsere Songs stattfinden, ist da eigentlich nichts spezifisch Wienerisches dabei. Wir liefern kein Wien-Lexikon ab.

Spricht man denn so in Wien?

Nein, nein. Wir gehen da schon sehr in die Tiefe des Dialekts und schöpfen das volle Spektrum aus, das die Sprache bietet. Diesbezüglich war zum Beispiel Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten ein großes Vorbild für uns. Sein meisterhafter Umfang mit der deutschen Sprache hat uns sehr inspiriert. Mit Wörtern wie "fesche Funsn" kratzen wir schon sehr am Sexismus. Andererseits kann man dieses Velvet Underground-Album nicht politisch korrekt covern. Auf "There She Goes Again" singt Lou Reed über eine Prostituierte. Das haben wir auch mit der Bekanntgabe des Bandnamen zu spüren bekommen.

Was ist da passiert?

Es hagelte Kritik aus der Veganerecke. Die kamen auf das Wort "Pelz" nicht klar. Dabei ist das doch ein Wortspiel. Wir haben hin und her überlegt, wie man das Velvet Underground-Album auch in unserem Bandnamen widerspiegeln könne. Und zu "Venus in furs" gibt es ja die Verbindung nach Österreich, zum gleichnamigen Roman von Sacher-Masoch. Auf einer Zugfahrt habe ich mich dann versprochen. Ich war gedankenabwesend und habe "Buben im Pelz" statt "Venus im Pelz" gesagt. So kamen wir zu unserem Namen.

Die Buben im Pelz - Femme Fatale

Quelle: YouTube


Mehr dazu:

Was: Konzert w/ Buben im Pelz
Wann: Donnerstag, 25. Februar 2016, 21 Uhr
Wo: The Great Räng Teng Teng [Fotos: Buben im Pelz/Pro]