Die Berglämmle vom Schauinsland

Anna Germek

Blauer Himmel, Sonnenschein, zottelige Schafe stehen auf grünen Wiesen – und liegen bald schon als Lammrücken oder Rippchen auf Freiburger Tellern. Fudder-Autorin Anna Germek hat den idyllischen Liesenhof von Moriz Vohrer im Münstertal besucht.

Der Liesenhof liegt am Westhang des Schauinsland mit Blick in die Rheinebene. Grillen zirpen, Kuhglocken läuten, Bienen summen – das ist die romantische Vorstellung eines Lebens auf dem Bauernhof.


Die 20 Heidschnucken von Moriz Vohrer dösen im Schatten der Bäume. In wenigen Wochen werden sie allerdings zum Metzger gebracht. Denn "Berglämmle" hat einen einfachen Hintergedanken: iss ein Lamm, das Du als Lammpate unterstützt hast. Man sucht sich über die Website per Bild oder auch persönlich das Lamm aus.

"So sieht das Schaf aus, das ihr esst. Ihr könnt es euch aussuchen, ihr könnt es euch auch anschauen."Moriz Vohrer
Die Idee dazu hatte Moriz Vohrer, 34, der seine Heidschnucken liebt und voller Elan an seinem Hof arbeitet. "Ich mit meinen paar Schäfchen habe gesagt: Wir gehen ins Extreme. Wir wollen den Kunden wirklich zeigen: So sieht das Schaf aus, das ihr esst. Ihr könnt es euch aussuchen, ihr könnt es euch auch anschauen."

Moriz habe gemerkt, dass man mit diesem "Schau mir in die Augen" an Grenzen stößt. Er ist Quereinsteiger und studierter Forst- und Umweltwissenschaftler. Auf dem übernommenen Hof seiner Eltern hält er nun Schafe, mit der Hilfe seines Nachbar – einem passionierten Heidschnuckenhalter. "Da kommt jetzt noch vieles auf mich zu: Schafe scheren oder auch mal metzgern. Ich habe einen Metzgerkurs gemacht. Dann werde ich selbst einmal Leberwurst herstellen", sagt Moriz.

Im November werden die Lämmer zum Bio-Metzger gebracht, der sie betäubt, tötet und zerlegt. Der genaue Zeitpunkt ist wetterabhängig, da darauf geachtet werde, dass die Tiere ruhig und trocken seien. In der Kühlbox kommt das Fleisch direkt zum Kunden. Ein ganzes Lamm kostet 340 Euro, ein halbes 175 Euro. Wer sich zusätzlich das Fell wünscht, kann das für 70 Euro bekommen. Die Lammpaten sollen auch auf dem Hof aktiv werden, wenn sie wollen. "Fell scheren, Maulwurfshügel ebnen, das können sie gerne übernehmen", sagt Moriz.

Woher kommt das Fleisch? Antworten wie "Aus Deutschland" oder "Aus der Kühltruhe" reichen Moriz nicht

Einen eigenen Hof zu unterhalten, ist nicht einfach und mit vielen Widrigkeiten verbunden. Doch Moriz hat einen Antrieb: Er will zeigen, wo das Fleisch auf dem Teller herkommt. "Ich weiß nicht, in wie vielen Supermärkten ich nachgefragt habe: Woher kommt Ihr Fleisch? Antworten wie 'Aus Deutschland' oder 'Aus der Kühltruhe' reichen mir nicht. Meine Begierde danach, die Herkunft des Fleischs zu kennen, war und ist groß. Und dann selbst zu entscheiden, ob ich es letztendlich esse", sagt Moriz.

Der Einzelhandel, so ist sich Moriz sicher, habe kein Interesse daran, Transparenz zu zeigen. Er lehnt sich an Online-Händler wie "Bio mit Gesicht", "MyCow" oder "Meine kleine Farm" an, die Handel mit Fleisch betreiben. Auch dort werde Transparenz und Qualität groß geschrieben.

Alle Lämmer kommen im Frühjahr zur Welt. Die Schafe sind eigentlich das ganze Jahr draußen. Sie können sich aber aussuchen, ob sie draußen oder drinnen sein möchten. Das Heu kommt von dem Teil der Wiese, den die Tiere im Frühjahr nicht als Weide nutzen. Dünger und Kraftfutter wird nicht verfüttert. "Sie haben hier so viel Platz, können hoch und runter rennen. Ich kann gut damit leben, wenn sie im November weggebracht werden. Weil ich weiß, dass es ihnen gut ging", erklärt Moriz Frau Anne. Und auch Moriz werde es relativ leicht fallen: "Es sind keine Haustiere. Aber man hat schon immer ein Auge auf sie und wenn man mal eines wieder aufgepäppelt hat, hängt man schon daran", sagt er.

"Ich kann gut damit leben, wenn sie im November weggebracht werden. Weil ich weiß, dass es ihnen gut ging."Moriz Vohrer
Natürliche Tierhaltung ist ihm wichtig: "Tiere sind für mich die, die frei laufen können. Und sich Schutz suchen können, wenn sie Schutz brauchen. Schafe können draußen bleiben, dort sind sie glücklich. Man muss nur darauf achten, dass sie geschoren werden, bevor es ihnen zu warm wird." Bio-zertifiziert ist Moriz’ Fleisch allerdings nicht, denn seine Schafe bleiben in einer Herde mit Tieren der Nachbarn auf unterscheidlichen Wiesen zusammen. Um sich Bio nennen zu können, müssten sich alle Nachbarn zertifizieren lassen.

Letztlich geht es Moriz um das große Ganze. Er will nicht nur seine Lämmer verkaufen, sondern die kleinbäuerliche Landwirtschaft am Leben erhalten. "Landwirte halten die Landschaft offen und das ist seit hunderten von Jahren Kulturgut", sagt er. Das sei schwer: "Man bekommt zwar Subventionen, aber damit kann ich einmal die Messer schleifen lassen. Man hat derzeit keine ökonomische, nachhaltige Grundlage hier zu arbeiten."

Ideen hat er genug. "Ich kann nur ein Beispiel setzen und hoffen, dass die Stadt sagt: Wir machen zum Beispiel eine Onlineplattform, um im Kollektiv zu vermarkten, damit wir Stadt und Land besser verbinden", sagt Moriz Vohrer. Allein, wenn Landwirte auch einen Mindestlohn erhalten müssten, sei das eine große Erleichterung. "Dann müssten die Preise der Lebensmittel so hoch angesiedelt werden, damit es funktioniert. Das wäre schön."
  • Website: berglaemmle.de
  • Telefon: 0178/3488717
  • Adresse: Stohren 5, 79244 Münstertal/Schauinsland