Die Beete vor dem Stadttheater sind leer – Fazit nach der großen Ausgrabaktion

Paula Kühn

Am Montag konnten sich alle Freiburgerinnen und Freiburger Pflanzen aus dem großen Beet vor dem Stadttheater holen. Jetzt ist es leer und das Urban-Gardening-Projekt offiziell beendet.

Ein Projekt auf Zeit

Nun ist es vorbei mit dem Urban Gardening vor dem Theater. Barbara Mundel, seit 2006 Intendantin des Theater Freiburg, legt ihr Amt dort nieder und damit wechselt auch das künstlerische Team. Auch Graham Smith hat dann keine Zeit mehr, sich um die Gärten zu kümmern. Am 1. Mai war die letzte große Ausgrabaktion. Jeder, der wollte, konnte mithelfen und sich Pflanzen mitnehmen.

Einen Tag später steht Smith allein im wie leer gefegt wirkenden Beet, hinter ihm nur noch ein kleines grünes Topfpflänzchen. "Menschen stellen aus Sentimentalität Kreuze auf. Hätten sie sich mal lieber um die Beete gekümmert." Er hakt durch die braune Erde vor dem Freiburger Stadttheater und wirft tote Pflanzen auf einen Haufen.

Aber wirklich traurig ist Smith nicht: "Jetzt machen das wieder Architekten. Die können das sicher besser als ich." Besser als er? War er denn allein? Schließlich sollten es doch Gemeinschaftsgärten sein. "Seit zwei Jahren hab ich mich eigentlich fast alleine um die Beete gekümmert", sagt Smith.

Zwischennutzungserlaubnis für brachliegende Flächen

Seit 2013 konnte vor dem Freiburger Stadttheater urban gegärtnert werden. Im Zuge der Umgestaltung des Platzes bekam der Choreograph und Künstlerische Leiter des Jungen Theaters Tanz, Graham Smith, eine Zwischennutzungserlaubnis für die brachliegenden Flächen vor dem Theater und rief das Projekt "Bambis Garten" ins Leben.

Ein Team von anfangs bis zu 60 urbanen Gärtnern pflanzte, hakte und erntete hier und schuf einen grünen und unkommerziellen Platz zum Verweilen in Mitten des Stadttrubels.

Beete vor UB und der Straßenbahnstation bleiben bestehen

Jetzt graben die Leute aus Protest tote Pflanzen ein – und Smith muss wieder aufräumen. Statt sentimental zu sein, so Smith, sollte man sich doch lieber um die noch vorhandenen Beete vor der Uni-Bibliothek und der Straßenbahnstation kümmern. Diese Beete bleiben nämlich bis auf Weiteres noch bestehen.

Es war ein Projekt auf Zeit, das sich erfreulich lange gehalten hat. Und das, obwohl die bisweilen eher von Unkraut übersäten Beete in der Bevölkerung auch für Unmut sorgten. Nun wird etwas Neues entstehen, meint Smith. Rasen wird gesät und schon bald werden auf den neu entstandenen Grünflächen wieder Leute sitzen, lesen, sonnenbaden und ein bisschen Ruhe in Mitten des städtischen Chaos' am Platz der Alten Synagoge genießen.

Und Bambis Beet? "Hat Zukunft", schließlich sind seine Pflanzen über die Stadt verteilt oder sicher in privaten Haushalten untergebracht. Und wer weiß: Vielleicht wird sich der ein oder andere der Beete erinnern, neue urbane Gärten anlegen oder sich um die noch vorhandenen Beete am Theater kümmern.
Hintergrund
Es begann in den frühen 70ern in New York: Bürgerinnen und Bürger der Stadt wollten sich den Verfall verlassener Viertel nicht mehr gefallen lassen und begrünten in Nacht- und Nebelaktionen brachliegende Flächen. Mitten in der Stadt und ohne Genehmigung. Der Trend breitete sich aus und erreichte andere Metropolen. In London gruben am 1. Mai 2000 Umweltaktivisten am helllichten Tag den Parliament Square um. Und in Deutschland rufen bis heute die Gartenpiraten zum Urban Gardening auf. Gärtnern am Rande der Legalität wurde bekannt unter dem Begriff Guerilla Gardening: eine Art des stillen zivilen Ungehorsams und die Möglichkeit der Stadtbewohner sich den urbanen Raum zu erobern.