Die bedrückende Geschichte eines Stalking-Opfers

Paula Scheidt

Eine junge Frau stalkt ihren Ex-Freund und bombardiert ihn mit Beleidigungen. Einmal erhält er von ihr 72 SMS in drei Stunden. Der Mann wird systematisch in den Wahnsinn getrieben.



Er starrt auf sein Telefon, aber nichts passiert. Es vibriert nicht, es klingelt nicht, es leuchtet nicht auf, ins Emailfach rutschen keine zwanzig neuen Nachrichten wie sonst, wenn er seinen Posteingang aktualisiert. Leblos liegt das iPhone vor ihm auf dem Tisch, wie ein totes Tier. Er hat es erlegt. Es ist plötzlich so still. Er kann sich gar nicht mehr erinnern, wann es zuletzt so still war in seinem Leben. Es muss viele Monate her sein, länger als ein Jahr.


Es war Sommer, als sie sich kennenlernten. Sommer 2012. Bei einer Party in einem besetzten Haus in Zürich. Wie man sich halt so kennenlernt. Komm, gib mir deine Nummer. Lass uns mal wiedersehen. Nach zwei Wochen waren sie ein Paar. Sie war so anders als die Frauen, die er kannte. Mit ihrem gebrochenen Deutsch, den verträumten Bildern, die sie malte in Öl und Acryl, Plakatgröße A1 oder A3, Skizzen in Tusche.

Auf einer Reise durch Finnland fing alles an

Sie war 33, zwei Jahre jünger als er. Stundenlang schaute sie Märchenfilme auf Youtube. Hatte eine Wohnung, ziemlich heruntergekommen, zwei Zimmer für 1000 Franken, etwa 922 Euro. Sie wollte ihn ständig sehen, und anfangs fand er das schmeichelhaft. Sie kochte Gemüsegulasch für ihn, Kaiserschmarrn, Strudel. Sie selbst trank Wasser und aß einen Apfel.

Nach vier Wochen fährt er in den Urlaub. Mit seinem Volvo hoch in den Norden. Seit zwei Jahren hatte er die Reise geplant. Zwei Monate will er unterwegs sein. Vor der Abreise sagt er: Komm doch nach, ich zahle dir den Flug nach Stockholm und dann reist du ein, zwei Wochen mit mir mit, kannst ja von Helsinki zurückfliegen.

Nein, ich kann nicht weg, du musst mir das nicht zahlen, das will ich nicht, sagt sie. Er fährt alleine los, erst nach Hamburg, dann mit der Fähre nach Kopenhagen, weiter nach Oslo, von dort nach Stockholm. In Helsinki ist er mit seiner besten Freundin verabredet, deren Eltern in der finnischen Wildnis ein Ferienhaus haben. Dort will er eine Woche bleiben, angeln, lesen, wandern.

Ein paar Tage, bevor er in Helsinki ankommt, treffen die ersten Nachrichten von ihr auf Facebook ein. "Wer ist diese Schlampe, diese blonde Fotze, was läuft da? Hattest du Sex mit ihr?" Aha, denkt er. Tagsüber sitzt er dann wieder im Auto und fährt Hunderte von Kilometern. Ohne Internet. Abends, wenn er in einer Hotel ankommt, loggt er sich ein und liest, was sie schreibt.



Er erklärt ihr am Telefon, dass es sich um eine platonische Freundschaft handelt. Schau her, das ist eine Kollegin, wir kennen uns seit vielen Jahren. Wir haben zusammen in meiner ersten WG gewohnt. Ich will nur mit dir zusammen sein.



Er erklärt und erklärt, rechtfertigt sich. Das kostet Energie, bald hat er keine mehr, zu absurd sind die Vorwürfe. Er will seine Ferien genießen und nicht jede Stunde telefonieren. Irgendwann antwortet er nicht mehr auf die Nachrichten, nimmt ihre Anrufe nicht mehr entgegen.

"Tut mir Leid! War nicht so gemeint!" - dann verprügelt sie ihn

Als er von Lettland nach Berlin reist, um dort Kollegen zu besuchen, denkt er, das halte ich nicht aus, es muss vorbei sein. Er will die Beziehung beenden. Als er wieder nach Hause kommt, steht sie vor der Tür. "Tut mir leid! War nicht so gemeint!" Er gibt nach. Zu schön waren die ersten gemeinsamen Wochen. Nun will sie noch mehr Zeit mit ihm verbringen.

Sie hat keinen Job, sitzt den ganzen Tag auf dem Sofa und dreht Joints. Sie raucht starkes Zeug, manchmal, bis sie die Augen verdreht. Auf der Staffelei in ihrem Zimmer steht noch immer das gleiche Bild wie vor seiner Abreise. "Ich kann nicht mehr malen wegen dir!" schreit sie. "Meine Kunst ist weg wegen dir!" Wenn er gehen will, klammert sie sich an ihn. "Nein, geh nicht!", "Komm sofort nach der Arbeit wieder!" Er verbringt jedes Wochenende und jede freie Stunde bei ihr.

Inzwischen ist Dezember, manchmal backt sie ihm einen Kuchen, beteuert ihm ihre Liebe, will einen Hasen aus Schnee mit ihm bauen. Dann wieder sperrt sie ihn in der Wohnung ein und versteckt den Schlüssel. Er wird wütend. Er muss zur Arbeit! Sie wiegt nur vierzig Kilo, aber in ihrem Wahn ist ihre Kraft enorm. Sie wirft ihn auf den Boden, prügelt auf ihn ein, schlägt ihm ein Stück Zahn aus, bohrt ihre Fingernägel in seine Haut. Er schlägt zurück, mit der flachen Hand. Zwei Stunden zu spät kommt er ins Büro.

Über Weihnachten verreist er für ein paar Tage zu seinen Eltern und schaltet das Telefon aus.




Er denkt, man muss doch vernünftig mit ihr reden können, man muss ihr das doch erklären können, hör zu, ich betrüge dich nicht. Das musst du mir glauben, anders funktioniert es nicht. Die meisten Nachrichten schreibt sie über Facebook, denn sie hat kein Geld und das ist gratis.

Wenn er bei ihr ist, kann er dem Stress entgehen. Die meiste Zeit sitzen sie in ihrer Wohnung, schauen Serien, jeder tippt auf seinem Handy herum, ab und zu ruft sie "Komm ins Bett, ich will mit dir schlafen!" Sonst reden sie kaum noch miteinander. Ist er mal einen Tag nicht bei ihr, geht es los, SMS, Anrufe, Messages.



Anfang März vereinbart er einen Termin bei der Zentralstelle für Ehe- und Familienberatung. Er will von ihr loskommen. Eigentlich geht man da zu zweit hin, aber es ist die einzige Anlaufstelle, die er auf Anhieb im Internet findet. Eine Sitzung kostet umgerechnet fast 70 Euro. Er erzählt dem Psychologen von den Selbstmorddrohungen.

Der Psychologe beruhigt ihn: "Sie haben keine Verantwortung, falls sie sich etwas antun sollte, trifft Sie keine Schuld. Es gibt nur eine Lösung: Von heute auf morgen keinen Kontakt mehr. Keine Nachrichten mehr, nicht mehr das Telefon abnehmen, nicht bei ihr aufkreuzen, die Haustüre nicht öffnen. Er sperrt sie auf Facebook. Das ist einfach.

72 Nachrichten in drei Stunden

Mit einem Klick sind alle Nachrichten gelöscht, er ist für sie auf diesem Weg nicht mehr zu erreichen. Jetzt kommen die Nachrichten nur noch per SMS, dafür immer öfter. 72 Nachrichten innerhalb von drei Stunden. Er ruft bei seinem Telefonanbieter an und fragt: Können Sie eine Nummer sperren?

Aber der Kundendienst lehnt ab. Wenn das so einfach wäre, würde jeder es machen, sobald er Beziehungsstress hat. Soll er die Nummer wechseln? Das bringt nichts, wird ihm später ein Psychologe bestätigen. Sie würde sie herausfinden. Über Freunde, Arbeitskollegen.

Er stellt sein Telefon jetzt tagsüber aus. Seine Freunde können ihn nicht mehr erreichen. Er kommuniziert nur noch über den Computer per E-Mail und Apples iMessage. Schaltet er das Handy kurz ein, rollt eine Lawine von SMS und unbeantworteten Anrufen auf ihn ein. Ihre Energie ist endlos, er selbst fühlt sich immer leerer.

Schläfst du schon, du Wichser?

Es ist abends um elf, er will gerade ins Bett gehen, als seine Mitbewohnerin von unten ruft. "Sie", sagt sie, "steht vor der Tür und hämmert gegen das Holz." Als er öffnet, um mit ihr zu reden, schiebt sie ihren Fuß in den Spalt. "Du Arschloch, wieso meldest du dich nicht!" Sie drückt ihn an die Wand, schlägt ihm die Brille aus dem Gesicht.

Die Gläser zerbrechen auf dem Boden. "Nein, ich geh nicht! Ich bleib jetzt hier!" Er schafft es nicht, sie durch die Tür zu schieben. Sie schlägt um sich, wie im Wahn. Er denkt: Soll ich die Polizei rufen? Wegen eines Mädchens, das vierzig Kilo wiegt? Er legt sich ins Bett.

Sie prügelt auf ihn ein: "Schläfst du schon, du Wichser! Wach auf! Küss mich!" Er greift nach ihrer Kehle und drückt sie weg, um den Schlägen zu entgehen. Er schnappt seine Klamotten und legt sich im Wohnzimmer aufs Sofa. Sie rennt ihm hinterher. Morgens um fünf, als sie erschöpft in den Schlaf gesunken ist, flüchtet er ins Büro.

Er hat schon lange keine Frauen mehr kennengelernt. Jedes Gespräch, das er führt, dreht sich früher oder später um sie, keine Frau will das hören.

Er betrinkt sich immer öfter, um ihre Nachrichten, ihren Telefonterror für ein paar Stunden zu vergessen. Einmal stürzt er auf dem Rückweg mit dem Fahrrad über einen Bordstein. Ein dumpfer Schmerz, alles dreht sich, er fährt heim, legt sich ins Bett, mittags steht er auf und bemerkt, dass ein Knochen an seiner Schulter absteht. Erst gegen acht Uhr abends schafft er es, sich ins Krankenhaus zu schleppen. Die Schulter ist gebrochen. Eine Woche später wird er operiert.

Müll verstreut, Auto zerkratzt, Scheibenwischer abgebrochen

Seine Freunde hören ihm ratlos zu. Manche fragen: "Was ist nur mit der los, warum tickt die so aus?" Frauen, die er kennt, haben über Facebook Beschimpfungen von ihr erhalten. Sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen und erzählen ihm erst später davon.

Er kommt abends nach Hause und sieht: Seine Haustür ist verkratzt. Der Inhalt des Müllsacks, der vor der Tür gestanden hatte, ist über die Wiese verteilt. Plastiktüten, leere Joghurtbecher, Essensreste. Die Beifahrertür seines alten, schwarzen Volvos ist verkratzt. Die Scheibenwischer abgebrochen. Die Tomatenpflanzen aus der Erde gerissen und im Garten verstreut.

Er geht mit Bauchschmerzen zum Arzt, der diagnostiziert eine Blinddarmentzündung. Bei der Ultraschalluntersuchung stellen die Spezialisten fest, dass da noch was ist, Differentialdiagnose Tumor. Er muss im Krankenhaus bleiben, wird für vier Tage an einen Tropf angeschlossen, Antibiotika-Therapie.

Nach drei Wochen geht er zur Darmspiegelung. Der Arzt wundert sich, es sei alles in Ordnung, nur eine Überreaktion des Darms, die auch den Blinddarm angegriffen hat. Psychosomatisch bedingt.

Bei der Polizei

Irgendwann passiert noch was, denkt er. Irgendwann schlage ich sie bewusstlos. Er überwindet sich und geht zur Polizei. Lange hatte er mit sich gerungen. Wer geht schon gern zur Polizei? Die Beamten machen gerade Feierabend. Er soll am nächsten Tag wiederkommen. Es vergehen ein paar Tage, bis er sich erneut aufrafft. Der Beamte hört ihm zu und sagt: Hier sind Sie falsch, Sie müssen zur Abteilung für Stalking gehen.

In der Fachstelle für Gewaltdelikte der Stadtpolizei Zürich soll er ein Formular ausfüllen. Wo wohnt er? Wer wird beschuldigt? Was ist vorgefallen? Er schreibt: Ich werde gestalkt. Die Beamten versuchen, ihn zu beruhigen. Das gehört dazu, wenn Beziehungen auseinandergehen. Dann schreibt man sich solche SMS. Weil es so einfach ist. Das hört wieder auf. Ihm wird eine Broschüre überreicht, er soll warten, ein Beamter werde sich bei ihm melden.

Sie droht ihm: "Du hast mich gewürgt, ich war beim Arzt und ich werde dich anzeigen." Was, wenn sie behauptet, er hätte sie vergewaltigt? Es stünde Aussage gegen Aussage. Er denkt: Jetzt macht doch mal was!

Beim nächsten Mal nimmt der Polizist ein fünfseitiges Protokoll auf. Als er es unterzeichnet hat und das Revier verlässt, ist es 14 Uhr an einem Freitag. Er ist mit einem Freund auf ein Glas Bier verabredet. Im Minutentakt treffen die Nachrichten auf seinem Handy ein.



Er sitzt in der Sonne und erzählt seinem Kollegen von dem Besuch bei der Polizei. Da klingelt das Telefon. Es ist weder ihre Handynummer, noch eine Telefonzelle. Das weiß er, denn er hat sie sperren lassen, nachdem sie anfing, von Telefonzellen aus anzurufen, weil er ihre Anrufe nicht mehr entgegennahm. Am Telefon ist der Kriminalbeamte von der Abteilung für Stalking. Er hat sie vorgeladen, sie war bereits bei ihm. "Sie war einsichtig, gibt alles zu und wird Sie künftig in Ruhe lassen."

Monatelang hatte er rund um die Uhr Anrufe, SMS, Facebook-Nachrichten bekommen. Nun ist es still. Er hatte sich daran gewöhnt, mit dem Gedanken ins Bett zu gehen: Ich muss das Handy ausschalten, sonst weckt sie mich auf. Morgens fragte er sich als erstes: Was hat sie heute geschickt?

Auf Nachrichtenentzug

Die Nachrichten gehörten zu seinem Leben, sie strukturierten seinen Alltag. Sie gaben ihm auf eine verhängnisvolle Weise das Gefühl, gebraucht zu werden. Nun fühlt er sich wie auf Entzug. Er beginnt, sich Sorgen zu machen: Was ist passiert? Wurde sie aus der Wohnung geschmissen? Ist sie verhungert? Hat sie sich umgebracht?

Und dann macht er einen Fehler. Er ruft sie an. Weißt du, ich muss raus aus der Wohnung, ich hab dich immer noch lieb, ich brauch Geld, jammert sie. Sein zweiter Fehler: Er überweist ihr 2500 Euro. Mitleid? Gewohnheit? Er weiß es selbst nicht.

Manchmal sieht er sie irgendwo aus der Ferne, bei einem Konzert, auf einer Party. Dann geht er sofort nach Hause. Immer wieder steht sie vor seiner Tür. Er ruft die Polizei, aber bis der Streifenwagen vor seiner Tür steht, ist sie weg. Er leidet unter Verfolgungswahn, kann nicht mehr schlafen.

Der Polizist rät ihm, ein Annäherungsverbot für zwei Wochen zu beantragen. Er erhält eine ausgedruckte Karte, auf der eine Linie eingezeichnet ist, die gleiche Karte wird ihr zugeschickt.

Sie darf sich seiner Arbeitsstelle und seinem Wohnort nur noch in einem bestimmten Umkreis nähern. Er hat die Möglichkeit, das Annäherungsverbot um drei Monate zu verlängern, aber dann verpasst er die Frist. Das kommt nicht ganz von ungefähr, wird der Psychologe später zu ihm sagen. An dem Tag, an dem das Verbot abläuft, trifft ihre erste Nachricht ein.

Er wünscht sich, sie würde mit einem Messer auf ihn losgehen. Dann könnte man sie verhaften und es wäre endlich vorbei.

"... ist bei der Polizei als Sadist, Frauenschläger ... vornotiert"

Am 12. November 2013 kommt das neue Betriebssystem iOS 7 von Apple auf den Markt. Nun kann man Anrufe, die auf dem iPhone eintreffen, blockieren. Endlich kann er sein Handy wieder einschalten, endlich ist er für Kollegen wieder erreichbar. Sie findet ein anderes Ventil für ihre Energie und beginnt, E-Mails zu schreiben. Es ist einfach, sich vor ihnen zu schützen, Mails kann man direkt in den Spam-Order umleiten. Aber inzwischen denkt er anders. Er will die Nachrichten nicht mehr möglichst schnell vergessen – er hat angefangen, sie zu dokumentieren. Er sammelt Beweise.

Als er am 6. November 2013 morgens ins Büro kommt, zitieren seine Chefs ihn ins Sitzungszimmer. Sie legen ihm eine ausgedruckte E-Mail vor, die sie erhalten haben. Das krude formulierte Schreiben beginnt mit seinem vollen Namen und seiner privaten Adresse:


Seine Chefs schauen ihn fragend an. Er versucht, sich zu erklären. In den folgenden Tagen bekommt er Anfragen von Systemadministratoren anderer Firmen, die ihre Büros im gleichen Gebäude haben. Sie hätten seltsame Mails bekommen. Ob er davon wisse? Ähnliche Nachrichten verschickt sie am 7. November um 9.33 Uhr, am 28. November um 6.15 Uhr und am 10. März 2014 um 8.23 – an alle Personen, die im gleichen Bürogebäude arbeiten, es sind mehr als zehn Firmen.

"Brich den Kontakt einfach ab!"

Er ringt sich durch, endlich einen Psychologen aufzusuchen. 150 Euro pro Sitzung. Lange hat er darüber nachgedacht und immer gefunden: Sie ist krank, nicht ich. Warum soll ich da hingegen? Nun zahlt er das Geld gerne. Der Therapeut sagt im ersten Gespräch: Da gibt es nur eins, von heute auf morgen den Kontakt abbrechen.

Nicht eine einzige Nachricht. Ihr habt keine Kinder, keine Eigentumswohnung, ihr seid nicht verheiratet. Du kannst die Beziehung einfach beenden, von heute auf morgen bis du da raus. Bisher hatte er immer noch alle zwei, drei Wochen geschrieben: Hey, lass mich in Ruhe. Das bringt doch nichts mehr. Es ist aus, versteh das endlich. Diesmal bleibt er eisern. Er geht jede Woche in die Therapie. Der Psychologe rät ihm, bei der Polizei eine Anzeige zu machen.

Am 21. Mai 2014 schreibt sie diese Mail, es wird die letzte sein. "Betreff: Man kann bei jemanden die Ehre nicht verletzten, wenn es nie existiert hatte. Und wie geht es mit der Schwesterfickerei, Hurensöhnchen? Hast du sie tüchtig zusammengeschlagen und gefickt?" Es ist der Tag, an dem sie zur Befragung bei der Staatsanwaltschaft vorgeladen wird. Er weiß das, weil er nun regelmäßig dort anruft, um sich nach den Fortschritten des Verfahrens zu erkundigen.

mehrfache Nötigung, mehrfacher Missbrauch einer Fernmeldeanlage, mehrfache üble Nachrede, mehrfache Verleumdung, mehrfache Beschimpfung

Am 3. September 2014 erhält er ein Schreiben von der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat. Der Straftatbestand: mehrfache Nötigung, mehrfacher Missbrauch einer Fernmeldeanlage, mehrfache üble Nachrede, mehrfache Verleumdung, mehrfache Beschimpfung. Anders als in Deutschland, wo eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren droht, ist Stalking in der Schweiz nicht strafbar.

Die Begleitumstände aber schon. Die SMS und E-Mails, die er gesammelt hat, dienen als Beweise. Eine Geldstrafe von 4500 Franken (knapp 4130 Euro) auf Bewährung wird über die Frau verhängt. Die Verfahrenskosten übernimmt die Stadt, weil sie kein Geld hat. Die Staatsanwältin rät ihr, sich psychologisch behandeln zu lassen, was sie jedoch ablehnt.

Seit sieben Monaten hat er nun Ruhe. Er hat noch einmal bei der Staatsanwaltschaft angerufen und gefragt: Was, wenn sie wieder anfängt? Wenn alles wieder von vorne beginnt? Was soll ich dann tun? Dann müsse er wieder zur Polizei gehen. Eine banale Beschimpfung sei zu wenig. Eine verleumdende Mail an die Arbeitskollegen reiche aber ganz sicher.

Sie hat ihn unterdessen auch angezeigt, aber die Anzeige wurde fallengelassen. Seither bekommt er von ihr keine Stalking-Mails mehr. Die kriegt jetzt die Staatsanwältin.

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[Foto: ZWEISAM (photocase.de)/Montage: Nils Oettlin]