Modelleben

Die Baslerin Vanessa Hartog ist auf Lagerfelds letzter Chanel-Show gelaufen

Cristina Morales

Das Dreiländereck ist neben den Freiburger Models Anna Ewers und Sophia Ahrens um ein neues Gesicht am Modelolymp reicher: Vanessa Hartog kommt aus Basel und ist jetzt auf der Chanel-Show in Paris gelaufen.

Auf dem Weg

Die 18-jährige Vanessa Hartog sitzt im TGV nach Paris und lernt für Klausuren. Ihre langen dunkelblonden Haare fallen ihr dabei locker in ihr mädchenhaftes Gesicht, die blauen Augen blicken konzentriert auf ihre Notizen.

Vanessa fährt nicht nach Paris, um wie ihre Klassenkameradinnen Urlaub zu machen. Sie ist auf dem Weg zur Arbeit. Denn in Paris ist zurzeit Fashion Week und Vanessa ist ein gefragtes High-Fashion-Model. Sie hat alles, was ein Laufstegmodel braucht: lange Beine bei einer Körpergröße von 1,79 Metern und Topmaße von 79-58-84. Neben einem Besuch in ihrer französischen Modelagentur stehen für sie zahlreiche Castings an.

Wie alles begann

Vanessa ist Tochter einer polnischen Mutter und eines holländischen Vaters. Sie ist in Basel geboren und zog kurz darauf mit ihrer Familie nach Warschau. Dort wurde sie als sehr junger Teenie von einem Modelscout entdeckt, entschied sich aber zu warten bis sie 17 Jahre alt war. 2015 kehrte sie wieder nach Basel zurück. Das Interesse am Modeln verlor sie nicht und sie bewarb sich bei dem Freiburger Modelmanager Enzio Maggiore. Der war von Vanessa begeistert, lud sie und ihre Eltern in seine Agentur ein und platzierte sie, nach deren Einverständnis, bei internationalen Agenturen in Paris und Mailand.

Ihren bisher größten Erfolg landete sie gleich am Anfang ihrer Karriere: Einen Runwayjob für Chanel. Die große Modenschau Chanel Métiers d'Art fand unter der Leitung von Karl Lagerfeld in der Hamburger Elbphilharmonie statt. Die Location war kein typischer Catwalk, sondern die Treppen und Emporen der Ränge wurden zum Laufsteg umfunktioniert. Zudem durfte Vanessa auch für die letzte Chanel Show von Karl Lagerfeld auf der Pariser Modewoche laufen: Am Dienstagmorgen präsentierte Vanessa zusammen mit anderen Topmodels wie Cara Delevigne und der Schauspielerin Pénelope Cruz die letzte von Karl Lagerfeld designte Herbst/ Winter-Kollektion in Paris.



Neben den Aufträgen in Paris ist sie auch auf den Mailänder Laufstegen unterwegs. Außerdem stand sie schon für die spanische Modemarke Zara vor der Kamera. Für ihr junges Alter wirkt Vanessa sehr selbstbewusst und willensstark. Nachwuchsmodels empfiehlt sie: "Ich würde mit dem Modeln nicht zu jung anfangen, aber man lernt definitiv, selbstständig zu sein." Und sie reflektiert die Schattenseiten des Traumjobs:"Nichts ist sicher in der Modelwelt und alles ist Last Minute."

Modelalltag

Heute werden neue Polaroidfotos für Vanessas Modelbook gemacht. Die Bilder sollen das Model möglichst natürlich zeigen, daher ist sie ungeschminkt und schlicht gekleidet. Die weiße Bluse und Jeansschlaghose umschmeicheln ihre Silhouette. Wenig später sind die Fotos auf der Agenturseite zu sehen und geben Kunden aus aller Welt einen ersten Eindruck.



Vanessa Hartog ist wie viele Models auf Instagram aktiv. Sie nimmt ihre Follower mit nach Paris und berichtet zwischen den Castings von ihrem Alltag und zeigt Familienbilder.

Zwischen Schulbank und Laufsteg

Wenn Vanessa nicht gerade für Marken wie Dior, Chanel oder Givenchy modelt, besucht sie ein Gymnasium in Basel. Bis zum Abitur bleiben ihr daher hauptsächlich die Schulferien, um ihren Modeljobs nachzugehen. Und welchen Einfluss hat ihr Job auf ihre Kleiderwahl? "Mein Stil hat sich seit dem Modeln komplett verändert. Ich traue mich, Dinge anzuziehen, die anders und etwas gewagter sind."

Unvergessliche Begegnungen

Besonders mag sie am Modeln, dass sie mit Menschen arbeitet, die sie schon immer kennenlernen wollte und dass sie so viel Reisen kann. "Die größte Ehre war es, Karl Lagerfeld beim Fitting zu sehen. Er hatte diese besondere Sicht auf die Kleider. Man merkte, dass die Mode sein Leben war. Umso mehr denke ich, dass er für immer eine Modeikone bleiben wird," sagt Vanessa über den erst kürzlich verstorbenen Designer von Chanel und Fendi.

Visionen

Nach dem Abitur kann sie sich vorstellen, als Vollzeitmodel anzufangen und dafür nach Paris zu ziehen. "Mein größter Traum wäre natürlich mal eine Kampagne oder ein Covershooting für die Vogue zu bekommen. Vielleicht passiert das irgendwann", sagt Vanessa. Im Gespräch mit Vanessa fällt ihre Bodenständigkeit auf. Bei allem was sie in der Modewelt erleben darf, scheint ihr bewusst zu sein, dass sie einem besondern Job hat, der jederzeit vorbei sein kann."Irgendwann möchte ich studieren, da der Job nicht für immer ist," sagt Vanessa.

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