Die Band Tonbandgerät spielt im Waldsee: "Im Süden gehen die Leute mehr ab"

Gina Kutkat

Sie leben den Traum, den wohl jede Schülerband hat: Die Hamburger Band Tonbandgerät hat es aus dem muffigen Vorstadt-Proberaum auf die ganz großen Bühnen geschafft. Anfang des Jahres tourten sie noch durch Amerika und am morgigen Freitag kannst Du sie live im Waldsee sehen:



Irgendwie anders. Heute ist für immer. Alles geht. Für immer da. Man kann es nicht verleugnen: den Texten der Band Tonbandgerät hängt etwas Verträumtes und zugleich Motivierendes an. Und auch musikalisch bieten die Songs der Hamburger Band jede Menge Wohlfühlfaktor: Lupenreiner Deutschpop ist das, was Ole Specht und seine drei Bandkollegen da machen. Schnell könnte der Eindruck entstehen, hier habe eine Plattenfirma vier junge, gutaussehende Menschen zusammengecastet, die auf den Zug der gerade angesagten Indie-Popbands aufspringen.


Nix da: Tonbandgerät machen schon seit über fünf Jahren gemeinsam Musik, begannen als Schülerband und spielten jedes erdenkliche Konzert im Umkreis von Hamburg. "Wir sind mit einem alten Auto von Gig zu Gig gefahren und haben unendlich viel gespielt", sagt Ole Specht am Telefon. Zusammen mit den Schwestern Isa und Sophia hat er die Band 2007 gegründet. Zu damaliger Zeit entstand auch ihr Bandname: "Da der CD-Spieler im Auto kaputt war, kam ein Tonbandgerät zum Einsatz", so Specht. Ein Name, der passt: Deutschsprachig, klar und analog. 

Was in den Jahren danach passierte, ist das, wovon wohl jede Schülerband im Keller ihrer Eltern träumt: Ein Vertrag mit Universal, Touren als Vorband für Bosse und Kettcar und die Auszeichnung mit dem New Music Award. 2013 folgt das Debütalbum "Heute ist für immer" und 2014 ein Auftritt auf der Bühne des Bundesvision Songcontest: Tonbandgerät vertreten Schleswig-Holstein mit dem Titel "Alles geht". Und weil sie gerade einen Lauf hatten, kam kurz darauf eine Einladung nach Amerika: "Auf Einladung des Goethe-Instituts tourten wir einen Monat durch Amerika und gaben unzählige Autogramme in amerikanischen Schulen. Es war verrückt", sagt Specht.

Der Tonbandgerät-Effekt

Ein Auftritt ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: "Wir spielten in einer christlichen Schule und hatten deswegen schon Sorgen. Alle Schüler saßen brav beisammen und haben unbeteiligt geguckt." Was dann folgte, nennt man wohl den "Tonbandgerät-Effekt": Innerhalb kürzester Zeit sprangen die jungen Amerikaner auf, rannten vor die Bühne und tanzten wie wild. "Die Lehrer tun mir heute noch leid." Ist es die Girlpower auf der Bühne, Isa und Sophia spielen Bass und Gitarre, oder der sympathische Sänger Ole? Sicher ist, dass Tonbandgerät bei ihren jungen Fans einen Nerv treffen.

Und politisch engagiert sind sie auch: Gerade drehten sie in Hamburg in einer Erstaufnahmestelle ein Video mit Flüchtlingen. "Ich komm jetzt heim" heißt der Song, mit dem Tonbandgerät ihre Stimme gegen die Hetzer im Netz und im ganzen Land erheben. "Wir wollten kein Video über Flüchtlinge machen, sondern mit ihnen. Weil es ihr Thema ist und es uns wichtig ist mit ihnen zu reden anstatt über sie", schreibt die Band in ihrem Tourblog. Die Einnahmen ihre Benefizkonzerts in Hamburg im Dezember spenden sie dann an Pro Asyl.

Vorher haben die vier aber noch einen Pflichttermin in Freiburg: Am Freitag spielen sie im Waldsee und stellen ihr aktuelles Album "Wenn das Feuerwerk landet" vor. Ole und seine Bandkollegen freuen sich schon: "Man merkt einen Unterschied, ob man im Norden oder Süden ein Konzert gibt. Die Leute im Süden gehen auf jeden Fall mehr ab."

Video: Tonbandgerät - Ich komm jetzt heim



Mehr dazu:

Was: Tonbandgerät
Wann: Freitag, 20. November, 19.30 Uhr
Wo: Waldsee Freiburg
[Foto: Alex Bach/Promo]