Die Bärenjägerin

Adrian Hoffmann

Petra Kaczensky aus Freiburg ist eigentlich Wildbiologin. Aber in den vergangenen Tagen war sie vor allem als Bärenjägerin aktiv, sie gehört zur Österreichischen Bäreneingreiftruppe. Die 40-jährige wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Wildökologie und Wildtiermanagement der Uni Freiburg ist mit ihrem Kollegen Felix Knauer vergangene Woche in der Nähe von Garmisch auf den Spuren des alles fressenden Streuners gewesen, der Deutschlands Schlagzeilen dominiert ? ohne Erfolg.

Mit einer so genannten Kastenfalle hat Petra Kaczensky versucht, den Bären zu bändigen. Das ist ein großer Aluminiumkäfig, in den er gelockt hätte werden sollen. Mit einem extra Anhänger ist sie deshalb zusammen wie auch ein paar ihrer österreichischen Kollegen nach Bayern gefahren. Die Mühe war leider vergeblich. Kaczensky vermutet, dass der Bär ziemlich ausgefuchst ist. Möglicherweise ist er eines der Jungen der Bärin Jurka, die in den vergangenen Jahren ihr Unwesen im norditalienischen Trentino getrieben hat. Denn diese kam auch nie an die Stelle zurück, an der sie schon einmal Beute fasste."Es muss etwas getan werden", sagt Petra Kaczensky. Und da Umerziehungsmaßnahmen bei diesem Bären wohl kaum noch greifen würden, riet sie dem Bayrischen Umweltminister den Bären zum Abschuss freizugeben. "Ich hätte mir den ersten Bären in Bayern auch anders gewünscht", sagt sie. "Aber wir befürchten, dass sich das Problem nicht von alleine löst. Durch sein wiederholtes Eindringen in den Siedlungsraum und das Aufbrechen von Ställen, beschwört dieser Bär einen Zusammenstoß mit Menschen heraus, der leicht ins Auge gehen kann." Er geht den leichten Weg und räubert in Bauernhöfen, und sein Verhalten festigt sich bei jedem neuen Erfolg. Und Kaczensky spricht da aus Erfahrung: Sie beschäftigt sich schon lange mit Bären, hat in Kanada Braun- und Schwarzbären studiert, und ist zwar vor eineinhalb Jahren aus München nach Freiburg gezogen, aber noch immer Mitglied in der Österreichischen Bäreneingreiftruppe. Diese Organisation wurde 1994 gegründet, nachdem zwei Bären in Österreich viel Schaden angerichtet hatten, ein Bär in Notwehr erschossen und ein weiterer per Abschussbescheid erlegt wurde.

Warum es eigentlich so schwer ist, diesen Bären zu orten, kann Petra Kaczensky leicht erklären: Er legt in einer Nacht im Schnitt immerhin 20 Kilometer zurück. Also bleibt einem nichts anderes, als es so zu machen wie sie letzte Woche: Zirkel stecken und Radius ziehen. Und dann wird es natürlich schwierig. Dabei muss es jetzt schnell gehen. Je länger der Bär Schaden anrichtet, desto schlechter wird das allgemeine Bild von Bären in der Öffentlichkeit. Dieser eine Bär sei in einer Hinsicht anders als die anderen in Österreich, sagt Kaczensky.Es sei ungewöhnlich, dass ein Bär aus dem Wald komme, und eben diese Nähe zu Dörfern und zu Menschen macht die Sache so problematisch. Ein Beispiel von Petra Kaczensky: Was, wenn der Bauer nachts ein Rumpeln im Stall hört und nachschauen geht? Dann versperrt er dem Bären den einzigen Weg nach draußen. In dieser Situation muss es womöglich nicht einmal mehr zum Kampf kommen. "Der Bauer wird überrannt, das reicht schon."Ob Petra Kaczensky demnächst nochmals nach Bayern fahren muss, ist unklar. Der Bär ist wieder in Österreich unterwegs. Sollte er aber unerwartet kehrt machen, werden sie und ihre Kollegen von der Österreichischen Bäreneingreiftruppe erneut versuchen, ihn zu erwischen. Nach ihrer Einschätzung ist es eine Frage der Zeit, bis der Bär erlegt wird. "So auffällig wie er ist, wird er wohl in den nächsten Wochen aus dem Verkehr gezogen." Und die Menschen, die im tiefen Schwarzwald leben, kann Kaczensky auch beruhigen: "Bis hier ein Bär ankommt, wird es wohl noch einige Zeit dauern."