Die Ausschreibung für den Popbeauftragten ist da

Felix Klingel

Er soll die Probleme in der Freiburger Nacht- und Musikszene angehen: Die Stelle des Popbeauftragten ist nun ausgeschrieben. Am Mittwoch diskutierte die IG Subkultur noch mit Kulturschaffenden, was der Popbeauftragte eigentlich leisten kann.

Die IG Subkultur hat sich für den Popbeauftragten eingesetzt, nun ist die Stellenausschreibung online. Damit legt die Freiburg Wirtschaft Touristik GmbH (FWTM) fest, welche Ziele und Anforderungen sie an die Stelle hat. Der Popbeauftragte ist bei der FWTM in der Abteilung Wirtschaftsförderung, Cluster Kultur- und Kreativwirtschaft angesiedelt. Zum 1. Oktober will die FWTM die Stelle besetzen.


Was sind die Aufgaben des Popbeauftragten?

Nach der Stellenausschreibung soll der Popbeauftragte vernetzen und eine Schnittstelle zwischen Popkultur und Verwaltung, Politik sowie Wirtschaft sein. Außerdem soll er Fördermittel akquirieren und Räume beschaffen. Gefordert werden eine Berufsausbildung, vorzugsweise im Kultur- und Eventmanagement, oder mehrjährige Berufserfahrung in ähnlichen Feldern. Außerdem: "Sehr gute Kenntnisse über die Musik- und Popkulturszene in Freiburg".

Am Mittwochnachmittag fand eine Runde mit FWTM, Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach und Kulturschaffenden statt. Dabei wurde über die Stelle gesprochen. Die FWTM will über die Besprechung keine Auskünfte erteilen. Auch anwesende Kulturschaffende bleiben vage. Doch das Treffen sei gut verlaufen: "Wir sind weggegangen mit dem Gefühl, dass uns zugehört wurde", sagt Peter James vom Popbüro Stuttgart.

Wer entscheidet über die Stelle?

Wer die Stelle bekommt, das entscheidet schlussendlich die FWTM selbst. Nur "falls notwendig werden wir noch Externe hinzuziehen", teilt Annika Reinke, Pressesprecherin der FWTM mit. Die Stellenausschreibung deutet allerdings schon auf einen Kandidaten aus Freiburg hin – was auch den Wünschen aus der Szene entspricht. Einige Bewerber hat es schon vor der Ausschreibung gegeben.

IG Subkultur diskutiert über die Anforderungen

Am vergangenen Mittwochabend fand außerdem eine Podiumsdiskussion der IG Subkultur im Peterhofkeller statt. Dort ging es um die Frage, was der Popbeauftragte überhaupt leisten kann. Denn: Die Liste der Wünsche ist lang. Der Popbeauftragte hat dafür nur eine Halbtagsstelle, und die ist auf zwei Jahre begrenzt.

Ben Krahl, Musiker bei der Freiburger Band Äl Jawala, sieht das nicht unbedingt als Problem. Er fordert, dass der Popbeauftragte sich nach einer gewissen Zeit eigentlich selbst abschaffen muss. "Er sollte wie ein Unternehmensberater für das Produkt Kreativität bei der Stadt arbeiten", sagt Krahl. Also: Einen Prozess begleiten, an dessen Ende sich Stadt und Kulturschaffende besser verstehen.

"Pop ist nicht verwaltbar" Harald Kimmig, Musiker


In diese Richtung argumentierte auch Harald Kimmig, Musiker beim Freiburger Forum für improvisierte Musik. "Pop ist nicht verwaltbar", sagt Kimmig und weist damit auf Schwierigkeiten der Stelle hin. Denn der Popbeauftragte stehe zwischen Verwaltungsstrukturen und der Anarchie einer Kulturszene. "Dazwischen kann er leicht zerrieben werden", so Kimmig.

"Das muss er aushalten", kontert Martin Wiedemann, Geschäftsführer im Freiburger Vorderhaus. Für ihn soll der Popbeauftragte Rahmenbedingungen für Kultur schaffen und außerdem in gleichen Teilen die Stadt als auch die Kulturschaffenden vertreten und beraten. Wie so eine Beratung aussehen könnte, ergänzt Ben Krahl von Äl Jawala: "Er könnte eine Art Kulturwhistleblower sein, also etwa Fördermöglichkeiten sichtbar machen." Außerdem solle er helfen, Anträge zu schreiben.

Eine Szene muss sich auch selbst organisieren

Peter James vom Popbüro Stuttgart weist anschließend darauf hin, dass sich eine Szene auch selbst organisieren muss. "Das kann nicht die Aufgabe des Popbeauftraten der Stadt sein", sagt James. Gleichzeitig sei es aber ein gute Zeichen der Stadt, die Stelle einzurichten: "Wenn eine Stadt Musik haben möchte, muss sie dafür was tun", so James.

Dass der Popbeauftragte nun bei der FWTM sitzt, und nicht im Kulturamt, daran stören sich die Teilnehmer der Diskussion nicht: "Keine Angst vor der Wirtschaft", sagt Martin Wiedemann. Man solle nicht unterschätzen, wie eng die Bahnen bei der Stadt sind. Jule Landenberger ergänzt: "Der Popbeauftragte kann sich ja trotzdem mit dem Kulturamt vernetzen".

Vernetzen heißt das Schlagwort

Die Liste der Anforderungen ist also lang. Am Ende der Podiumsdiskussion bittet Moderatorin Jule Landenberger die Teilnehmer noch einmal um drei Schlagworte für den Popbeauftragen. Eines wird dann besonders häufig genannt: Der Popbeauftragte muss vernetzen. Das sieht auch die FWTM so: Das Netzwerken steht an erster Stelle in der Stellenbeschreibung.

Mehr zum Thema