Festival Between the Beats

Die Auftritte von Public Service Broadcasting sind wie ein Feuerwerk

Dora Schöls

Die Gruppe "Public Service Broadcasting" bringt aus London zum Auftritt am Freitag im Lörracher Burghof elektronische Musik mit politischem Hintergrund mit.

Einfach nur Musik machen, das reicht den Jungs von Public Service Broadcasting nicht. Das Londoner Indie-Trio kombiniert seine elektronischen Klänge mit alten Videoausschnitten. Neben dem künstlerischen Anspruch steht bei ihnen immer auch eine politische Botschaft. Sie wollen "die Lehren der Vergangenheit durch die Musik der Zukunft" ihrem Publikum näher bringen. Am Freitag spielen sie beim Between the Beats Festival im Burghof. Ein Auftritt der Band ist ein Feuerwerk aus Effekten in Sound und Show, eine Symbiose aus Bild und Ton. Die historischen Filmaufnahmen, manchmal auch unterlegt mit Tonaufnahmen von Nachrichtensprechern aus der jeweiligen Zeit, begleiten Public Service Broadcasting mit elektronischer Musik. Manchmal klingt sie sphärisch, manchmal türmen sich die Gitarrenwände auf, aber immer fängt die Musik die Emotionen der Bilder ein, nimmt sie auf und gibt sie musikalisch wieder. J. Willgoose Esq. an der Gitarre und Wrigglesworth am Schlagzeug machen seit 2009 gemeinsam Musik, JF Abraham ist als Multi-Instrumentalist erst seit Kurzem dabei.




Einem Stück geht bei dieser Band eine lange und aufwendige Recherche voraus. Die Musiker suchen in Archiven nach Aufnahmen, einige Samples stammen etwa aus dem British Film Institute. Daraus entstehen dann Alben, die einem thematischen Überbau folgen und die oft eine politische Botschaft tragen. Erste Besteigungen des Mount Everest, der Zweite Weltkrieg oder das Wettrüsten zwischen Russland und den USA im Kalten Krieg: Die Themen der ersten beiden Alben der Band sind ebenso politisch wie grundsätzlich. Mit ihrem dritten Album, veröffentlicht 2017, werden die drei aber konkreter. "Every Valley" erzählt die Geschichte des Kohlebergbaus im südlichen Wales: Die Begeisterung über den wirtschaftlichen und technischen Fortschritt, das harte Leben der Arbeiter unter Tage, aber eben auch die Wut und Trauer über den Untergang dieser Industrie.

Musik über den EU-Austritt Großbritanniens

Der Name des Albums lässt erahnen, dass die erzählte und gezeigte Geschichte zwar an einem konkreten Ort spielt, in den walisischen Tälern, dass sie so aber auch für viele andere Regionen gilt, in denen die Menschen sich abgehängt fühlen. Und so bauen die Musiker auch eine Brücke von den historischen Filmaufnahmen über die elektronische Musik bis in unsere heutige Zeit. Denn in Wales, wo einst Kohle-, Eisen- und Stahlindustrie den Menschen zu Wohlstand verhalfen, stimmte 2016 eine Mehrheit für den Brexit. Public Service Broadcasting zeigen die Frustration der Menschen, machen sie mit Bild und Ton erlebbar. Damit bringen die Musiker politische Themen wie den Ausstieg Großbritanniens aus der EU auf die Indie-Bühne – und wecken so vielleicht bei dem einen oder anderen jungen Menschen im Publikum Interesse für Politik. In einer Zeit, in der Schüler und Schülerinnen jeden Freitag mit einem politischen Anliegen auf die Straße gehen, wäre das nicht verwunderlich.
Public Service Broadcasting spielen am Freitag, 12. April, um 23.15 Uhr im Burghof. Infos und Tickets zu allen Konzerten des Festivals gibt es auf www.bz-ticket.de sowie beim BZ-Kartenservice unter Tel. 0761/496-8888) und bei allen BZ-Geschäftsstellen.