Die Audimax-Besetzung: Fragen & Antworten

Robert Hotop

Seit drei Tagen und Nächten ist das Audimax jetzt, je nach Tages- und Nachtzeit, von durchschnittlich bis zu 800 Studierenden besetzt. Trotzdem wissen viele nicht genau, wer eigentlich dahinter steht, wie sie abläuft, was konkret gefordert wird - und was die Unileitung zu dieser Protestform meint. fudder hat die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Besetzung.



Wer organisiert die Besetzung?

Die Besetzung des Audimax wurde in der Vollversammlung am vergangenen Montag von mehr als 100 der anwesenden Studierenden beschlossen. Es gibt keine "Organisatoren“ im Sinne einer Führung, die Besetzer sind basisdemokratisch organisiert.

Wo können sich die Studierenden informieren und beteiligen?

Über aktuelle Aktionen und Termine können sich die Studierenden im Foyer des KG II an Stellwänden der verschiedenen Arbeitskreise informieren. Außerdem werden ständig aktualisierte Informationen per Beamer im Audimax zur Verfügung gestellt. "Bei den Arbeitskreisen ist jeder willkommen," betont Clemens Weingart, der schon bei der Rektoratsbesetzung 2005 dabei war.

Wer entscheidet über die Forderungen und wie werden Beschlüsse gefasst?

Die Forderungen werden basisdemokratisch vom Plenum, das im Audimax tagt, von allen teilnehmenden Studierenden formuliert und beschlossen.

Genau das ist allerdings ein Problem: Da es sehr viele verschiedene Vorstellungen gibt, dauert es auch entsprechend lange, bis Formulierungen und Beschlüsse tatsächlich stehen: „Wir diskutieren hier teilweise jede einzelne Klammer, jeder kleine Einwand wird ausdiskutiert. Es dauert einfach zu lange, bis wirklich Inhalte formuliert werden“, meint Physik-Student Fabian während einer Raucherpause.

In der kleinen Gruppe verteidigt nur KFH-Studentin Maritta den zähen Verlauf de Debatte: „Es ist wichtig, dass sich unsere Art der basisdemokratischen Auseinandersetzung von der durchhierarchisierten Diskussionskultur an der Universität unterscheidet, auch wenn dann alles etwas länger dauert.“

Auch der AK-Organisation sieht noch Verbesserungsmöglichkeiten: „Wir arbeiten daran, die Diskussion effizienter zu gestalten und gleichzeitig unsere basisdemokratischen Prinzipien beizubehalten. Wahrscheinlich werden Beschlüsse stärker als bisher in den Arbeitskreisen vorbereitet, um das Plenum zu entlasten.“



Welche Forderungen stellen die Besetzerinnen und Besetzer des Audimax?

Schon am Dienstag hatte das Plenum, die Vollversammlung der Besetzer, beschlossen, die sogenannten Leipziger Forderungen zu übernehmen.

An der Formulierung eigener "Freiburger Forderungen" wird buchstäblich Tag und Nacht gearbeitet, in den frühen Morgenstunden einigten sich etwa 350 Besetzerinnen und Besetzer auf „erste Grundsatzforderungen“, die allerdings, wie im Beschluss formuliert wird, „der Prozesshaftigkeit unterliegen und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben“.

Darin verlangen die Besetzer
  • gerechte Anerkennung von Studienleistungen
  • eine freiheitliche Gestaltung der Studiengänge,
  • die vollständige Finanzierung der Hochschulen,
  • die Abschaffung von Bildungsgebühren und
  • die Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft.

Wer führt die Verhandlungen?

Wie schon erwähnt gibt es keine Organisatoren. Das erschwert allerdings die Verhandlungen mit der Universitätsleitung. Zur Beilegung des Konflikts um eine Jura-Klausur, die ursprünglich am Dienstag im besetzten Audimax geschrieben werden sollte, wurde daher ein „Dialogteam“ gewählt, um direkt mit dem Rektorat verhandeln zu können.

So wollen die Besetzer in ähnlichen Fällen auch weiterhin verfahren. Die Verhandlungen auf Seiten der Universitätsleitung führt Prorektor Heiner Schanz, der heute im Gespräch mit fudder noch einmal die Dialogbereitschaft der Uni betonte. Schanz beklagte aber die unzureichende Kommunikation von Seiten der Studenten: „Von dem Entwurf der Grundsatzforderungen haben wir erst von fudder erfahren und ihn dann auch im Internet gefunden.“

Dabei seien Rektor Hans-Jochen Schiewer er selbst jederzeit gesprächsbereit und würden sich auch einer Podiumsdiskussion stellen.

Was passiert mit Vorlesungen und Veranstaltungen, die im Audimax stattfinden sollten?

Schanz betont noch einmal sein Unverständnis für die Weigerung der Besetzer, auf den angebotenen zweitgrößten Hörsaal direkt gegenüber dem Audimax auszuweichen: „Wir geben dem Protest Raum“.

Die Besetzung gerade des Audimax als größtem Hörsaal der Universität verursache aber große Schwierigkeiten, da täglich eine ganze Reihe von Veranstaltungen verschoben werden müssten. Man könne auch nur tagesaktuell planen, da unklar sei, wie lange die Besetzung noch dauern wird.

Die Raumänderungen werden auf der Website der Universität bekanntgegeben.

Was sagt die Uni zur Besetzung des Audimax?

„Ich verstehe die Symbolkraft, die in der Besetzung des Audimax liegt, aber so wird der Universitätsbetrieb gestört", sagt Heiner Schanz. "Studierende und Unileitung sind aber für die meisten Mißstände, die von den Besetzern beklagt werden, nicht der richtige Adressat. Die Protestform darf sich daher nicht nur an der Symbolik orientieren. Für uns wäre es wichtig, wenn die konkreten Forderungen an die Hochschulleitung möglichst bald auf den Tisch kämen.“

Was sagt die Unileitung zu den vorläufigen Forderungen?

„Wir müssen zunächst wissen, wie die Forderungen der Besetzer an die Universität überhaupt lauten. Viele Forderungen, auch berechtigte, die im Vorfeld laut geworden sind, können wir schon deswegen nicht erfüllen, weil wir als Universität nicht der richtige Adressat sind.“

Klare Worte findet Heiner Schanz aber dennoch bereits für einige Begehren der Besetzer: Den "Master für alle" hält er für eine "ideologische Forderung". Auch die Proteste gegen den engen Zeitrahmen kann der Prorektor nur teilweise nachvollziehen, denn: „Niemand wird gezwungen, 3+2 zu studieren, es handelt sich vielmehr um ein Angebot.“

Auch 500 Euro Studiengebühren pro Semester hält Schanz für "moderat": „Soziale Selektion findet längst vor der Uni statt, Studiengebühren sind in dieser Hinsicht kaum relevant, eine belastbare Studie geht von 3,6 Prozent Abiturienten aus, die wegen der Studiengebühren auf ein Studium verzichten.“

Schanz kritisiert allerdings die zu hohen Zinsen für Studiendarlehen. "Außerdem sind 2 Prozent Stipendien viel zu wenig." Ergänzend verweist er auf die schon veröffentlichten "5 Antworten auf 5 Fragen von Rektor Hans-Jochen Schiewer zur aktuellen Diskussion um Studienbedingungen“.

Wann wird das Audimax geräumt?

Die Universitätsleitung hofft, dass es nicht dazu kommt. Allerdings warnt der Prorektor: „Wir halten aufgrund der Raumproblematik nicht ewig durch.“