Gründerszene

Die App Wastelesslife will Konsumierenden helfen, weniger Plastik beim Einkauf zu verbrauchen

Lisa Göllert

Lebensmittel ohne Plastikverpackung kaufen? Gar nicht so einfach. Zwei Freiburger haben die App Wastelesslife mitentwickelt, mit der die Nutzer den Plastikverbrauch ihres Einkaufs tracken können. Ein Interview mit Larissa Eck und Simon Straub.

Das Produkt

Wastelesslife ist eine App, die auf einer Einkaufsliste basiert. Man trägt ein, was man einkaufen möchte und wie viel. Dann geht man mit der App in den Supermarkt und hakt ab, ob das Produkt verpackt oder unverpackt gekauft wurde oder ob man noch eine Plastiktüte an der Kasse dazugekauft hat. Wenn der Einkauf erledigt ist, erstellt die App eine Statistik, wie viel Plastik man denn pro Produkt und insgesamt pro Monat verbraucht hat.

Wie hoch der Plastikanteil am Gewicht eines Produktes ist, wird in der App ungefähr in Prozent auf 100 Gramm errechnet. Außerdem zeigt die App an, ob das Produkt saisonal ist oder welche Produkte aktuell in Saison sind. Mit dem eigenen Plastikverbrauch kann man dann noch in der App gegen Freunde antreten und Punkte und Medaillen sammeln. Aktuell hat die App 24 Downloads und ist seit dem 31. Oktober 2019 auf dem Markt für IOS zu erhalten.

Die Gründer

Vier Studierende unterschiedlichster Fachrichtungen haben die App Wastelesslife zusammen gegründet. Larissa Eck, 24 Jahre alt, und Hannah Schieber, 23, kennen sich noch aus der Schule. Das Beziehungsgeflecht geht weiter, denn auch mit dabei ist Fabian Deuser. Hannah, die Informatik in Aalen studiert hat, lernte den 26-jährigen Fabian während des Studiums kennen und holte ihn mit ins Boot. Larissa, die Bildungswissenschaften und Bildungsmanagement in Freiburg studiert, ist schon länger in der Start-Up-Szene aktiv. Da die drei noch nach jemandem auf der Suche waren, der sich mit Nachhaltigkeitsfragen beschäftigt, gab ihr jemand den Kontakt von Simon Straub. Der 26-jährige Lehramtsstudent der Fächer Politik, Wirtschaft und Geschichte ist jetzt seit ein paar Monaten mit dabei und kümmert sich um Kooperationspartner. Larissa ist verantwortlich für Inhalt und Ideen der App und sozialer Kanäle. Und wie könnte es anders sein, Hannah und Fabian kümmern sich um die Technik. Letztes Teammitglied ist Stella, die 18-jährige Schülerin macht das Grafikdesign.

Die Idee

Hannah hatte die Idee für die App, als sie im Urlaub feststellte, wie viel Plastik die Umwelt verschmutzt. Das Thema Nachhaltigkeit dann mit einer App zu verbinden, hatte die Informatik-Studentin schon lange gereizt. Larissa erfuhr von Hannahs Idee und war sofort dabei. "Ich war schon immer ein kleiner Öko, also war mein Einstieg recht naheliegend", meint Larissa. Seit dem Frühjahr 2019 arbeiten Hannah, Fabian und Larissa an dem Projekt, ein halbes Jahr dauerte es also von der Idee bis zur fertigen App.

Ihre Motivation zieht die Gruppe daraus, dass Konsumentinnen und Konsumenten ein größeres Bewusstsein für den eigenen Plastikverbrauch und die daraus resultierende Umweltbelastung bekommen sollen. "Wir erhoffen uns, dass die Leute für ihren täglichen Plastikverbrauch sensibilisiert werden", sagt Simon. "Denn man sieht gar nicht den Plastikberg, den man im Alltag mit sich herumträgt." Die Gruppe will informieren und zum Handeln anregen, aber niemanden überfordern, eine einwandfreie Ökobilanz zu haben. "Es kann auch hart sein, zu sehen, wie viel Plastik ein einziger Einkauf verbraucht hat, aber dadurch, dass ich mich mit den anderen in der App vergleichen kann, sehe ich, dass es für die anderen vielleicht auch schwer ist und verliere dadurch nicht die Motivation", so Larissa. Es gehe nicht darum, dass man sofort komplett nachhaltig einkauft. "Es ist auch gar nicht möglich, perfekt zu handeln. Es geht darum, dass jeder das Mögliche macht", fügt sie hinzu.

Die Finanzierung

Die App ist bisher nicht kommerziell betrieben, Daten werden weder verkauft noch wird Werbung geschaltet. 500 Euro haben sie bisher aus eigener Tasche investiert. Ein Business-Modell haben sie deshalb auch nicht. "Wir wollen mit der App ja nicht reich werden, sondern unterstützen", argumentiert Larissa. Da so ein Projekt doch Geld braucht, stellen sie ihr Nachhaltigkeitskonzept aber mittlerweile auch in Schulen vor. Außerdem bewerben sie sich jetzt für ein Fördergeld von 4000 Euro der Ökostation Freiburg. "Es geht uns vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln. Wie es ist, mit anderen nachhaltigen Akteuren zusammen zu arbeiten oder wie man sich auf Fördergelder bewirbt", sagt Simon.

Tipps für andere Gründer

Auch wenn sich die Gruppe bisher selbst nicht als Gründer sieht, hat sie bereits Tipps für andere und ist froh mit ihrer Idee in Freiburg begonnen zu haben. "Freiburg ist der ideale Standort, um anzufangen, weil die Leute hier schon ein Nachhaltigkeitsbewusstsein haben", so Larissa. Gerade, dass Freiburg kleiner ist, sei ein Pluspunkt. "Die Dichte an Ansprechpartnern ist einfach total hoch und es gibt hier eine große Offenheit für das Thema. Man ist einfach näher an den Leuten dran", ergänzt Simon.

Am Anfang einer Idee sollte man vor allem keine Angst haben. "Probiert es einfach", meint Larissa. "Wenn man wenig Geld investiert, kann man nur Erfahrungen gewinnen." Vor allem sei es wichtig, dass jeder seine Talente nutzt und vor allem Spaß hat. Simon fügt hinzu: "Ich hatte eine grobe Idee, aber ich wusste nicht wie. Es ist echt wichtig, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, die sich in dem Bereich bereits gut auskennen."

Zukunftspläne

"Die allerbeste Vision wäre natürlich, die App überflüssig zu machen", lacht Larissa. Davon sei die Gesellschaft aber noch weit entfernt. Bisher gibt es die App nur für IOS. Eine Version für Android ist in Planung und soll bis Ende Dezember 2019 auf den Markt kommen. Für die Zukunft erhofft sich die Gruppe, den Plastikanteil eines Produktes genauer darstellen zu können. Dafür arbeiten die Studierenden auch an einer Datenbank, um Daten über den Plastikanteil einer genauen Produktsorte sammeln zu können. Geplant ist außerdem, dass die App bald anzeigt, ob das Produkt vegan oder vegetarisch ist.

Simon könnte sich für seine persönliche Zukunft auch vorstellen, halbtags als Lehrer zu arbeiten und nachmittags das Nachhaltigkeitsprojekt voranzutreiben. "Ich fände es super cool, wenn wir hier in Freiburg ein richtiges Nachhaltigkeitsnetzwerk aufbauen", meint Simon.
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