Asyl

Die Ametovics sind wieder in Freiburg – im "Bürgerasyl"

Simone Lutz

2015 wurde Sadbera Ametovic mit ihren sechs Kindern abgeschoben. Jetzt lebt die Roma-Familie wieder in Freiburg – versteckt im illegalen "Bürgerasyl". Unterstützer appellieren an die Landesregierung.

Die serbische Roma-Familie Ametovic – Mutter Sadbera und ihre sechs Kinder – lebt wieder in Freiburg, und zwar in einem Versteck. Mit diesem "Bürgerasyl" widersetze man sich aktiv der drohenden Abschiebung, gaben am Dienstag das "Freiburger Forum aktiv gegen Ausgrenzung" und zahlreiche Unterzeichner einer Erklärung bekannt. Die Ametovics sollen versteckt bleiben, bis die Landesregierung Ende September oder Anfang Oktober aufgrund einer Petition entscheidet, ob Mutter und Kinder bleiben dürfen oder nicht.


Das "Bürgerasyl" soll die Abschiebung verhindern

Wo die Familie in Freiburg lebt, ist geheim. Auch, wer sie nach Freiburg zurückgeholt hat. Denn sie halten sich illegal in Deutschland auf. Mit einem "Bürgerasyl" soll jetzt erstmal verhindert werden, dass die Mutter und ihre sechs Kinder wieder nach Serbien abgeschoben werden.

"Solange eine Abschiebung droht und die Landesregierung kein Bleiberecht gewährt, werden wir die Kinder und Frau Ametovic durch ein Bürgerasyl zu schützen versuchen", heißt es in einer Erklärung des "Freiburger Forums aktiv gegen Ausgrenzung", die am Dienstag veröffentlicht und von zahlreichen Personen unterzeichnet wurde. Dabei sind unter anderem der Friedensaktivist Jürgen Grässlin, die Kirchenhistorikerin Barbara Henze, die Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae und Gemeinderäte wie Michael Moos (Unabhängige Listen), Monika Stein (Grüne Alternative Freiburg) oder Timothy Simms (Grüne). "Wenn Appelle und Demonstrationen nicht ausreichen, ist ziviler Ungehorsam geboten", sagen die Unterstützer. Sie fordern den Verzicht auf Abschiebeversuche bis zum Entscheid über die Petition und fordern von der Landesregierung, sie solle ein humanitäres Bleiberecht gewähren.

Das Schicksal der Familie Ametovic hat zahlreiche Freiburgerinnen und Freiburger bewegt. Die Roma-Familie war am 20. Januar 2015 in ihr Heimatland Serbien abgeschoben worden. Im Roma-Lager der südserbischen Stadt Niš lebte sie unter elenden Bedingungen, wovon sich Mitarbeiterinnen des Freiburger Jugendhilfswerks persönlich überzeugten: schimmlige Räume in einer Baracke, kein fließendes Wasser, keine Heizung, Roma-feindliche Nachbarn. Die Mutter war überfordert, der Vater gewalttätig.



Auch ein Häuschen, das das Jugendhilfswerk von Spenden in einem benachbarten Ort kaufte und in das Mutter und Kinder zogen, konnte die Lage nicht verbessern. Vor allem den Kindern, die in Freiburg dank medizinischer und pädagogischer Hilfe aufgeblüht waren, ging es schlecht.

Im April 2015 stellte Sadbera Ametovic einen Antrag auf Wiedereinreise nach Deutschland für sich und ihre Kinder. In Freiburg hatte sich der Gemeinderat aus humanitären Gründen für ein Bleiberecht ausgesprochen, eine Petition liegt dem Petitionsausschuss des Landtags vor.

Im Februar kam die Familie nach Deutschland zurück

Offenbar sind Mutter und Kinder im Februar diesen Jahres als Balkanflüchtlinge wieder nach Deutschland gekommen. In der zentralen Anlaufstelle Karlsruhe stellte die Mutter einen Asylfolgeantrag und kam dann nach Mannheim, wo sie erfuhr, dass der Antrag abschlägig beschieden wurde. Mit Hilfe eines Unterstützernetzwerks klagte Sadbera Ametovic und stellte einen Rechtsschutzantrag. Vor etwa vier Wochen soll es trotzdem einen – gescheiterten – Abschiebeversuch in Mannheim gegeben haben.

Daraufhin habe man sich entschlossen, Mutter und Kindern in Freiburg "Bürgerasyl" zu gewähren, heißt es aus dem Kreis der Unterstützer. Dieses soll bis zum Petitionsentscheid andauern. "Es gibt die Hoffnung, dass die Ametovics dann hierbleiben können", sagt Soziologe Albert Scherr, einer der Unterzeichner. "Uns geht es ums Kindeswohl", versichert Walter Schlecht vom Freiburger Forum. "Wenn das deutsche Kinder wären, hätte das Jugendamt sofort eingegriffen." Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach sagte am Dienstag: "Damals wie heute ist es für uns nicht nachvollziehbar, warum gerade eine Mutter mit sechs Kindern einer Abschiebung zugeführt werden soll. An dieser Haltung hat sich nichts geändert." Allerdings habe die Stadtverwaltung keine eigene Prüfungs- und Entscheidungskompetenz in dieser Sache.

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