Die allerersten Bemaler des Holbeinpferds

Kerstin

Keine Ahnung, wie viele verschiedene Farbschichten auf dem Holbeinpferd drauf sind - denn schließlich wird die Pferdeskulptur in der Holbeinstraße bei gutem Wetter fast täglich von unbekannten Künstlern neu gestaltet. Die allerersten Pferdle-Maler waren Peter und Niels. Sie waren 15, als sie im Januar 1981 das Holbeinpferd in ein Zebra verwandelten. Kerstin hat die beiden für fudder interviewt:



Ihr wart die ersten, die das Holbeinpferd angemalt haben. Wann war das?

Niels: 1981, in der Nacht auf Dreikönig. Wir waren beide um die 15.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Niels: Das Pferd wurde von einem Pensionisten aus den umliegenden Häusern weiß angestrichen –nachdem es in meiner Kindheit zuerst grau, Beton-‚Natur’, wahrscheinlich, und dann terrakottafarben war. Das fand ich langweilig und dachte mir: Da geht noch was!

Wie sah die Planung und Umsetzung aus?

Niels: Dass man aus einem weißen Pferd mit relativ wenig Aufwand ein Zebra machen kann, liegt auf der Hand. Aber es sollte auch echt aussehen, damit es richtig gut wird. Also bin ich ans elterliche Bücherregal gegangen und habe mir dort den ‚Farbigen Brehm’ herausgefischt. Ich dachte mir: In so einer ernsthaften Tierenzyklopädie würde man sicher fündig werden, was den genauen Streifenverlauf eines Zebras betrifft.

Da ich das Buch nicht als Spickzettel mitnehmen konnte – zu umständlich, unnötiger Ballast –, zeichnete ich mir das Zebra als Seitenansicht schematisch ab. Ich hab dann noch einige Zeit herumüberlegt und hatte Bammel, die Sache alleine zu machen. Bin dann aber trotzdem in den Kaufhof gegangen und habe zwei Dosen schwarzen Herberts-Lack und zwei Rundpinsel gekauft. Sprühdosen lehnte ich damals aufgrund des Ozonfressers FCKW kategorisch ab. Auf dem Heimweg entschied ich mich dazu, meinen Cousin Peter einzuweihen.

Peter: Ich war zu einem Ferienbesuch in Freiburg, und Niels erzählte mir von der Idee, die ich klasse und ziemlich spannend fand. Ich fühlte mich geehrt, dass Niels mich mit einbeziehen wollte. Wir haben uns dann noch ein, zwei Tage lang intensiv auf die Aktion vorbereitet, indem wir weitere Tierbücher nach Zebrabildern durchsuchten, was ziemlich mühselig war, da wir ja alle Seiten eines Zebras abbilden mussten. Wir fanden nur wenige Aufnahmen, die Zebras von hinten oder oben zeigten – damals gab es ja noch kein Internet!

Niels fertigte dann aber 1-A-Skizzen an. Niels: Wir haben uns dann nachts aus dem Haus geschlichen, jeder mit einer Lackdose, einem Pinsel und einer Zebra-Streifen-Skizze. Wir hatten uns überlegt, dass wir uns die Arbeit aufteilen, um schneller fertig zu werden. Jeder eine Seite.



Wurdet ihr erwischt?


Niels
(Bild oben rechts): Nein. Ab und zu haben wir uns wegen herannahender Autos hinter dem Pferdchen flach auf den Boden gelegt, um nicht entdeckt zu werden. Für jedes vorbeifahrende Auto gab es unten am Sockel einen schwarzen Punkt mit dem Pinsel. Zum Schluss waren es sieben – oder neun? Peter schien der Coolere zu sein. Ich dagegen war wahnsinnig nervös und habe mich vorne auf der linken Seite prompt bei einem Strich vertan, was mich später bei jedem Vorbeifahren gefuchst hat.

Peter (Bild oben links): Niels war dafür der künstlerisch Begabte. Natürlich war ich auch nervös aber ich musste mich aufs Malen konzentrieren, deshalb hatte ich weniger Angst erwischt zu werden als vielmehr, die Arbeit zu versauen, da ich nicht so versiert im Malen war.
Ein witziges Detail war noch, dass an der nordwestlichen Seite des Platzes eine Party oder so was ähnliches zugange war und wir vom Balkon aus beobachtet und -wenn ich mich recht erinnere- von dort aus auch vor herannahenden Autos gewarnt wurden.

Nach getaner Arbeit haben wir den Sockel noch mit 'P N' signiert und sind durch die Schrebergärten nach Hause geradelt. Ich war mächtig stolz auf unsere Tat und habe noch jahrelang ein Handtuch besessen, das einen schwarzen Farbfleck von der Aktion übrigbehalten hatte.

Wie ging es weiter, wie lange blieb Euer Zebra erhalten?

Peter: Es gab circa ein halbes oder ein ganzes Jahr später einen Artikel in der Konstanzer Ausgabe des Südkurier, der unser Werk zeigte. Hier war die Rede von 'unbekannten Schwarzmalern'.

Niels: Das Bild im Südkurier ist das einzige mir bekannte Foto des Holbein-Pferdchens als Zebra. Nicht allzu lange danach wurde es, wahrscheinlich vom bereits erwähnten Pensionisten, wiederum weiß übermalt. Das war aber nur Leimfarbe, die dann von unseren Geschwistern Katja und Tilman im noch feuchten Zustand umgehend wieder abgeschrubbt wurde.

Das Zebra blieb, abgesehen von dieser kurzen Unterbrechung, insgesamt circa zweieinhalb Jahre erhalten und war eine ziemliche Attraktion, vor allem für die Kleinen. Die dann folgenden Motive füllen Kalender und Postkartenserien.

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[Bild 1: fudder-Archiv; Bild 2: Privat]