Die akustischen Gitarren waren nur der Anfang: Die Band Common Tongues im Interview

Ines Tondar

Die Band Common Tongues hat gerade ihr Debütalbum aufgenommen und tourt jetzt durch Europa. Am Mittwoch spielt sie im Ruefetto. Ines Tondar hat mit Tom Anderson und Oli Hinkins gesprochen – über die Liebe zum Meer und Geigenexperimente.

Vor sechs Jahren zog es die beiden von Cambridge an die Südküste Englands. In Brighton lernten Tom Anderson und Oli Hinkins den Rest ihrer Band kennen und experimentieren seitdem mit Geigen und Mandolinen. Ihre Musik ist ein Spagat zwischen elektronischen Rhythmen und traditionellen Instrumenten. Wie schwierig es ist, sich zwischen den unzähligen Bands zu behaupten und wie sich ihr Sound im Laufe der Zeit entwickelt hat erzählen sie im Interview.


Brighton ist ein Mekka für Musiker. Was ist so besonders an der Stadt im Süden Englands? Was hat Brighton, was andere Städte nicht haben?

Oli Hinkins: Das Meer. Das Meer so nah zu haben, ist ein wichtiger Grund. Außerdem lebt hier ein
großer Pool an kreativen Menschen, die sich gegenseitig inspirieren und motivieren.
Tom Anderson: Es gibt viele Künstler in Brighton, das ist der Grund. Brighton ist einer der Orte, die
"hip" wurden, weil sich hier Künstler niedergelassen haben. Es ist ein Melting Pot vieler Künstler, sei es in Musik, Kunst oder Film.

Wie schwer ist es für Newcomer in Brighton Fuß zu fassen?

Tom Anderson: Es ist gar nicht so einfach an einem Ort wie Brighton. Es gibt eine riesige Auswahl an Konzerten. Jeder hat für einen Abend drei Einladungen zu unterschiedlichen Gigs. Es hat aber auch seine guten Seiten. Wenn es Bands gibt, die richtig gut sind, ist man selbst auch motiviert und möchte vorankommen. Fifty-fifty. Wo wir herkommen gibt es nicht viel Musik, deswegen zog es uns nach Brighton und hier ist es als Band natürlich immer noch besser als dort.

Gibt es viel Austausch zwischen den Bands und Musikern in Brighton?

Oli Hinkins: Manchmal. Es ist aber schwierig, gerade weil es so viele gibt. Die Zeit, bis man wirklich wahrgenommen wird, ist sehr hart. Wir spornen uns gegenseitig eher an.
Tom Anderson: Es gibt hier eine sehr große Musikszene. Alle gehen zu jedem Gig und kennen auch alle fünf Bands, die an diesem Abend spielen. Und sie wollen wirklich alle fünf Bands sehen und nicht nur eine davon. Das ist das Gute an den vielen Bands.

Ihr sagt, dass eure Musik von der Plattensammlung eurer Väter beeinflusst wurde. Welche Bands oder Aufnahmen genau haben euch geprägt?

Oli Hinkins: Viel Beatles und Beach Boys. Aber auch Deep Purple und Led Zeppelin, mehr rockiges Zeug.
Tom Anderson: Mein Vater ist ein großer Pink Floyd Fan. Als ich noch klein war, haben wir uns auch viele Pink Floyd-Cover Bands angeschaut. Und ich weiß, dass Andis Vater der größte Van Morrison Fan ist. All dieses Künstler haben unseren Musikgeschmack geprägt. Ich zeige meinem Vater im Gegenzug aktuelle Musiker wie Bon Iver oder Fleet Foxes und mache ihm ab und zu ein Mixtape.

Ihr beschreibt einen Teil eurer Musik als Progressive Folk. Seht ihr euch in der Tradition von großen Folk Musikern wie Bob Dylan?

Tom Anderson: Ich denke es ist eine andere Art des Folks. Bob Dylan war ein sehr politischer Sänger. Er ist Literaturnobelpreisträger und legte seinem Verleger dreihundert Songs pro Jahr vor, das ist was ganz anderes. Wir fingen als Folk Band mit akustischen Gitarren und einer Violine an. Nachdem wir etwas Geld verdient hatten, kauften wir elektrische Instrumente. Jetzt versuchen wir die Geige in diese zu neue Musik zu integrieren. Wir sind keine Folk-Band mehr. Die akustischen Gitarren waren nur der Anfang, dann wurde es zu diesem dichteren elektronischen Sound. Aber wir sind auch keine reine elektronische Band, irgendwas zwischen drin.

Wie ist eure Bandbesetzung?

Oli Hinkins: Wir sind zu fünft. Tom und ich, Andi spielt Geige, Mandoline, Keyboard und Gitarre. Er spielt quasi alles, was man sich vorstellen kann. Und natürlich haben wir auch einen Bassisten und einen Drummer. Eigentlich wie eine traditionelle Gitarrenband.

Wie habt ihr zusammengefunden?

Oli Hinkins: Tom und ich schreiben schon seit etwa sieben Jahre zusammen Songs. In Brighton gingen wir dann auf die Musikhochschule. Hier fanden wir den Rest unserer Band. Einige kamen und sind aus den unterschiedlichsten Gründen wieder gegangen. Also eigentlich waren es immer Tom und ich mit anderen Musikern um uns herum. Jetzt kam Andi noch als festeres Mitglied zu uns.

Welche Geschichte steckt hinter eurem Namen "Common Tongues"?

Tom Anderson: Wir haben ewig nach einem passenden Namen gesucht. In einem Song stolperten wir über die Worte "Common Tongue". Das ist uns geblieben und wir dachten, dass es Potential für einen Bandnamen hat. Ich weiß gar nicht mehr, ob wir davor überhaupt einen richtigen Namen hatten.

Oli Hinkins: Ich denke es ist die Hoffnung, dass jeder unsere Musik versteht. Ich hoffe, wir können Sprachbarrieren überwinden und auch Menschen, die nicht unsere Sprache sprechen, begreifen, was wir versuchen zu sagen.

Seid ihr alle hauptberuflich Musiker?

Tom Anderson: Ich arbeite nebenher für ein kleines Geschäft in Brighton, das lokale Lebensmittel verkauft.
Oli Hinkins: Wir haben alle Nebenjobs. Die anderen Jungs geben zum Beispiel Musikunterricht.

Euer erstes Album "Divisions" habt ihr durch Crowdfunding finanziert. Ihr habt euer Finanzierungsziel um 20% übertroffen. Wir lange habt ihr dafür gearbeitet?

Tom Anderson: Wir haben viel mehr erreicht, als wir zu Beginn dachten. Jetzt haben wir genügend Geld, um das Album aufzunehmen und auf Tour zu gehen. Es ist schön zu sehen, dass wir von so vielen Menschen unterstützt werden.
Oli Hinkins: Wir arbeiten jetzt seit zwei Jahren daran. Zwei Jahre schreiben und etwa ein Jahr aufnehmen.

Wie habt ihr die Songs für das neue Album ausgesucht?

Tom Anderson: Natürlich haben wir schon mehrere EPs davor gemacht. Viele haben gefragt, wieso wir nicht die alten Songs auf das neue Album packen. Aber für uns markiert das Album definitiv eine bestimmte Zeitspanne, in der wir die Lieder geschrieben haben. Komischerweise sind nur neun Tracks auf dem Album, aber diese sind wie ein Foto von dieser bestimmten Zeit.

Wenn ihr einen neuen Song aufnehmt. Wie sieht das aus?

Tom Anderson: Das hängt von den Songs ab. Es gibt Lieder, die sehr schnell fertig sind und andere, an denen wir ewig arbeiten. Wir hatten viele Versionen von den jetzigen Aufnahmen. Aus zwei Songs wurde beispielsweise einer. Es gibt nicht den einen Weg, Songs zu schreiben. Das hängt auch immer damit zusammen, wie du dich gerade fühlst.

Wer schreibt bei euch die Songs?

Oli Hinkins: Es sind normalerweise Tom und ich, die mit einer Idee ankommen. Wir haben dann schon eine grobe Vorstellung davon, wie die Melodie klingen soll und wie der Text aussieht. Dann gehen wir damit zu den anderen und sie fügen noch ihre eigenen Teile dazu. Die Struktur verändert sich also ständig. Tom und ich machen ca. 80% und der Rest ergibt sich zusammen mit den anderen Jungs.
Tom Anderson: Dieses Album war eine Zusammenarbeit zwischen Oli, Andi und mir. Da gibt es persönliche Lieder von jedem und andere, die nichts Persönliches haben, sondern von Themen wie Krieg handeln.

Was sind eure Pläne für das nächste Jahr?

Oli Hinkins: Wenn das Album fertig produziert ist, arbeiten wir weiter an neuen Songs. Wir müssen noch entscheiden, ob wir bald ein Single veröffentlichen oder noch etwas warten und auf ein neues Album zusteuern. Und natürlich gehen wir auf Tour.


  • Was: Common Tongues live
  • Wann: Mittwoch, 9. November 2016, 20 Uhr
  • Wo: Ruefetto, Granatgässle 3, 79102 Freiburg
  • Eintritt: Frei (mit Hut)