SC Freiburg

Die 18-jährige Giulia Gwinn ist Stammspielerin beim SC

Eyüp Ertan

Auf der rechten Außenbahn fühlt sich Giulia Gwinn wohl, wegen ihrer Geschwindigkeit hat sie den Spitznamen "Speedy". Die erst 18-Jährige ist Stammkraft bei den SC-Frauen.

Es läuft die 13. Minute in der Partie des Sportclubs gegen den Aufsteiger aus Bremen: Eine Flanke von rechts wird abgefälscht, ehe Giulia Gwinn im Bremer Strafraum zu einem Kopfball ansetzt. Der Ball fliegt eine Bogenlampe, fast in Zeitlupe senkt sich die Kugel über die Werder-Torhüterin und findet, über den Umweg Lattenunterkante, den Weg ins Tor – 1:0 für den SC.


"Eigentlich müsste ich den Mannschaftskolleginnen einen ausgeben", meint Gwinn lachend über ihren dritten Saisontreffer. Denn: Die Außenbahnspielerin hat in ihrem fußballerischen Repertoire viel zu bieten, Kopfballtore zu erzielen zählte sie – auch aufgrund ihrer Größe – bislang noch nicht dazu. Ihrem persönlichen Ziel, mehr Treffer als in der vergangenen Saison zu erzielen, ist sie schon ein Stück näher gekommen; in der letzten Spielzeit waren es fünf Tore.

Auf der rechten Außenbahn fühlt sich Gwinn wohl, in der Mannschaft wurde ihr wegen ihrer Geschwindigkeit der Spitzname "speedy" gegeben. Anfang September, im Auftaktspiel gegen Duisburg, hatten die Zuschauer im Möslestadion ihre Stärke sehen können. Nach einer gegnerischen Ecke machte sich Gwinn aus der eigenen Hälfte in Richtung Duisburger Tor auf – ehe die Partie von der Unparteiischen zur Halbzeit gepfiffen wurde. "Ärgerlich", sagt Gwinn rückblickend, zu den Schiedsrichterinnen in der Frauen-Bundesliga möchte sie sich aber dann lieber doch nicht weiter äußern.

Ihre Zeit beim Sportclub liest sich wie ein Paradebeispiel der Freiburger Philosophie: Mit 15 kam Gwinn vom SV Weingarten nach Freiburg, mit 16 debütierte sie bereits in der ersten Mannschaft. In den darauffolgenden zwei Jahren sollte es für sie nur aufwärts gehen: Inzwischen ist die Jugendnationalspielerin zur festen Stammkraft bei den Erstliga-Fußballerinnen avanciert. Mit der U17 des DFB gewann sie im vergangen Jahr zudem nach einem Elfmeterschießen gegen Spanien den Europameistertitel.

Ein Höhenflug ist Giulia Gwinn deswegen aber nicht anzumerken. Bodenständig wirkt sie, hungrig nach neuen Aufgaben und gewillt sich ständig weiterzuentwickeln. "Meinen Platz in der Mannschaft musste ich mir erarbeiten, sich jetzt auszuruhen wäre sinnlos", meint die 18-jährige zur ihrer aktuellen Situation. Auch neben dem Platz spürt man, mit wie viel Freude Gwinn ihrer Arbeit nachgeht: "Das ist ein Luxus, das können nicht alle von sich behaupten."

Wenn sie sich einen Blick in die Zukunft, neben all den klassischen "wir-schauen-von-Spiel-zu-Spiel"-Phrasen, erlaubt, dann wünscht sie sich vor allem eines: Erneut ein großes Endspiel bestreiten zu dürfen, national oder international. Über den ewigen Halbfinal-Gegner Wolfsburg möchte sie keine großen Worte verlieren: "Am letzten Spieltag (2:0-Heimsieg gegen Wolfsburg, Anm. d. Red.) haben wir gemerkt, dass es klappen kann." Zunächst aber wartet Hoffenheim. "Ein schwieriger Gegner, bei dem wir immer 120 Prozent geben müssen – wir können es aber schaffen", meint Giulia Gwinn abschließend.