Die 11 besten Begründungen für nicht gegenderte Uni-Wahl-Listen

Konstantin Görlich

Mehr als die Hälfte der Studierenden der Uni Freiburg ist weiblich. Trotzdem schafften es 21 Gruppen nicht, gegenderte Listen zur Uniwahl aufzustellen - obwohl sie das laut Wahlordnung sollen. Hier sind die 11 unterhaltsamsten Begründungen:



Listen zur Uniwahl sollen gegendert werden. Das will § 11 Absatz 4 der Wahl- und Abstimmungsordnung, wo es heißt:


Die Wahlvorschläge sollen immer abwechselnd weibliche* und männliche* Kandidat*innen enthalten. Wird hiervon abgewichen, so ist dies gegenüber der WSSK schriftlich zu begründen. Die Begründung wird von der WSSK veröffentlicht.

21 Listen sind davon in diesem Jahr abgewichen - aus den unterschiedlichsten Gründen und obwohl es mit 13159 weiblichen von insgesamt 24802 Studierenden ausreichend Potential gegeben hätte. Die Begründungen finden sich in der Anlage zur Bekanntmachung der Wahlvorschläge (pdf).

An und für sich handelt es sich bei der Bestimmung um ein durchaus ernst gemeintes Unterfangen, das zu mehr Gleichstellung in politischen Gremien führen soll. Diese 11 Begründungen (oder Formularausfüllunfälle) zeigen, wie unterschiedlich ernst das ganze genommen wird:

1. Fachbereich Politik

Der Fachbereich Politik spricht sich gegen eine patriarchale Gesellschaft aus. Um den momentan noch herrschenden patriarchalen Strukturen entgegen zu wirken, haben wir uns entschieden mehr Frauen als Männer auf den Wahlvorschlag des Fachbereichs Politik für die Wahl zu den Organen der Verfassten Studierendenschaft am 30. Juni 2015 zu bennenen.

2. Initiative Bierrechte Uni FR (BUF)

Trotz Freibierversprechungen ist es und leider nicht gelungen eine weitere Frau von einer Kandidatur zu überzeugen. Da wir aber eine Quotierungsregelung absolut befürworten, haben wir eine Frau auf Platz 1 gesetzt und konnten deshalb die alternierende Listenaufstellung nicht einhalten.

3. Fachbereich Mathematik

Für den Fall, dass die auftretenden Personen* sich nicht abwechselnden Geschlechts identifizieren, sei gesagt: die unterstützenden Frauen* sind so weit oben, wie möglich.

4. Fachbereich Geographie

Fachschaft Geographie
Werthmannstraße 4
D-79085 Freiburg I.Br.

5. Fachbereich Medizin

Unsere Kandidaten wurden nach Motivation gereiht.

6. Initiative RCDS Freiburg

In dieser Form ergibt die Listenaufstellung für den RCDS Freiburg am meisten Sinn. Sie wurde von allen Kandidaten einstimmig bestätigt. Auch ohne eine abwechselnde Reihenfolge befinden sich genügend Frauen auf der Liste.

7. Initiative Die Linke.SDS

Unsere Gruppenverhältnisse ließen dies leider nicht zu.

8. Initiative AgD (Alternative gegen Deutschland)

Frauen* sind nicht in der patriachialen Gesellschaft stimmrechtlich benachteiligt und diskriminiert. Um dem noch deutlicher entgegen zu wirken sind wir eine reine Frauen* Liste. Still loving Feminism! Dem Patriarchat aufs Maul! Fight Sexism!

9. Initiative Liberale Hochschulgruppe

Aufgrund der geringen Anzahl “weiblicher*” Mitglieder kann die Liberale Hochschulgruppe die hier geforderte “alternierende Aufstellung der Kandidat*innen” nicht vornehmen. Die Liberale Hochschulgruppe Freiburg würde sich über mehr “weibliche*” Mitglieder freuen und lädt insbesondere Frauen dazu ein, die Liberale Hochschulgruppe bei ihren regelmäßigen Sitzungen kennenzulernen. Die Aufforderung, “Wahlvorschläge sollen immer abwechselnde weibliche* und männliche* Kandidat*innen enthalten” (Punkt 5/ Anlage 2/ Amtliche Bekanntmachung Nr.5 der VS vom 19.05.2015), hält die Liberale Hochschulgruppe für in sich widersprüchlich und irreführend.

Die Verwendung des Gendersternchens (*) hat das Ziel Menschen zu berücksichtigen, die sich keinem der beiden Geschlechter eindeutig zuordnen können oder möchten. Somit ist der Gebrauch des Gendersternchens wie bei “Kandidat*innen” sinnvoll und richtig. Das Benutzen des Zeichens bei “weiblich*” und “männlich*” läuft jedoch dem Ziel des Gebrauchs des Gendersternchens zuwider; denn beide Adjektive artikulieren ein eindeutiges Geschlecht. Welche Bedeutung soll den Bezeichnungen “weiblich*” und “männlich*” zukommen? Tendenziell weiblich und tendenziell männlich? Steht diese Subsumierung von Menschen, die sich keinem der beiden Geschlechter zuordnen können, unter die Begriffe “weiblich” und “männlich” nicht der Idee des Gendersternchens entgegen?

Aufgrund dieser Überlegungen und der liberalen Intention Menschen ihre sexuelle Orientierung nicht vorschreiben zu wollen, verzichtet die Liberale Hochschulgruppe Freiburg auf die Verwendung des Oxymora “weiblich*” und “männlich*”. Folglich lehnt sie auch die alternierende Aufstellung der Kandidat*innen unter den Kategorien “weiblich*” und “männlich*” ab. Denn diese Form der Aufstellung der Kandidat*innen widerspricht der grundlegenden Idee der Verwendung des Gendersternchens, kategorisiert die menschliche Identität schlussendlich in “männlich” und “weiblich” und schränkt die Kandidat*innen in ihrer freien Wahl des Listenplatzes ein. Somit ist die alternierende Aufstellung der Kandidat*innen unter den Kategorien “weilbich*” und “männlich*” ein gegenüber ihrer Intention der Gleichberechtigung fehlgeschlagen, normierendes Vorhaben, das der Idee von Toleranz und Freiheit entgegensteht.

10. Initiative Asoziales Netzwerk

Zunächst einmal ist die Einteilung in weibliche* und männliche* Kandidat*innen noch immer eine zutiefst bürgerliche Kategorie und als solche entschieden abzulehnen. Für mehr Leute auf Listen haben wir uns für die Umarmung unserer “männlichen*” (sic!) Kandidat*innen entschieden.

11. Fachbereich TF (Technische Fakultät)

Wir sind die TF.

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