Devastations: Wider den Minimalismus

Carolin Buchheim

Devastations-Sänger Conrad Standish ging es gar nicht gut: Akute Tour-Grippe. Doch der Australier hustete tapfer vom Mikro weg und spielte mit seiner Band in der Wodanhalle gestern Abend ein beeindruckendes Konzert.



Devastations ist eine Band in Minimalbesetzung: Gitarre, Bass und Drums, mehr brauchen Sänger und Bassist Conrad Standish, Drummer Hugo Cran und Gitarrist Tom Carlyon nicht, um Musik zu machen, die alles ist, aber nicht minimal.


"Die Musik der Band entzieht sich üblichen Genre-Schubladen". Das ist ein doofer Standard-Musikkritik-Satz, den man bei Devastations aber tatsächlich einmal schreiben muss: Ist das Blues? Post Rock? Warum wummert da so Ambient-Kram? Und das was die Rhythmus-Gruppe macht, ist das nicht beinahe Drum and Bass?

Egal.

Das was Devastations gestern Abend in der Wodanhalle, dem veranstalterisch ja immer mal wieder arg vernachlässigten Juwel der Freiburger Konzert-Locations, machten, war großartig.

Das Songs des aktuellen Album Yes, U standen im Mittelpunkt des ordentlich besuchten Gigs. Die Elektro-Spielereien, neues Element im Sound der Band, fügten sich faszinierend selbstverständlich in den Auftritt ein: Drummer Hugo drückte unaufgeregt mit der linken Hand die Tasten des Synthies, während er mit der rechten Hand auf die Drums eindrosch, und Gitarrist Tom kniete auch mal, die Gitarre noch umhängend, vor dem E-Piano.

Alle Erwartungen, die man bezüglich eines Devastations-Gig haben kann, wurden voll und ganz erfüllt: Es war richtig ordentlich laut, es war richtig schön dröhnig und ausgefeilt, es gab alle alten und neuen Lieblingslieder und zum Abschluß ein unfassbar großartiges, ungefähr viertelstündiges Stück (oder war es eine Improvisation?), das nicht nur die Gitarrenlehrer im Publikum hypnotisierte.

Erst nach dem Gig, während er am Merchandise-Stand stand, bemerkte man, wie krank Sänger Conrad tatsächlich war. Andere hätten in vergleichbaren Zustand nur die Minimalleistung erbracht. Aber minimal, das gibt es bei Devastations nun mal nicht.