Deutschrock mit Seele: Jupiter Jones in Herbolzheim

Sebastian Klaus

Vor mit 130 Zuschauern restlos ausverkauften Haus spielten Jupiter Jones am Samstagabend um 20 Uhr ein tolles Konzert im Herbolzheimer Salmen. Im Rahmen des Festivals "Acoustic Summer Sounds" gab es eine ausgeschlafene Band und Deutschrock vom Feinsten.



Ausgeschlafen
seien sie, versichert Sänger und Gitarrist Nicholas Müller gleich zu Beginn der Show: „Bis vor einer Stunde haben wir noch gepennt.“ Und dann der Zusatz: „Um uns in die richtige Stimmung für so ein Akustik-Konzert zu bringen.“

Und ausgeruht klingen Jupiter Jones von Anfang bis Ende des Konzerts, vom ersten bis zum letzten Akkord. Schon der Opener „Stück vom Weg“ gibt klar an, wohin die musikalische Richtung an diesem Abend gehen wird: schöner, ehrlicher Poprock – manchmal ein wenig balladesk („Hier Oben...Jupp“, „Oh, hätt' ich dich verloren“), manchmal ein bisschen, soweit man davon bei einem Akustik-Konzert sprechen kann, punkig („Unter uns Darwinfinken“, „Endorphinbatterie“). Irgendwie erinnert der Sänger an einen tätowierten Hape Kerkeling und die Musik an die Provinzversion von Tomte oder Kettcar – alles nett und sympathisch und sicherlich gutes Entertainment.

Gegen Mitte des Konzerts erreicht die Show ihren eigentlichen Höhepunkt. „Kopf hoch und Arsch in dem Sattel“ klingt es von der Bühne und im Publikum bewegen sich wie auf Kommando Köpfe und Ärsche. Über das Radiotaugliche „Wir sind ja schließlich nicht Metallica“, in der vom Frontmann betitelten „Michael Bolton-Version“, geht es zum Durchbruchsong „Still“, der sicherlich für viele Zuhörer der Hauptgrund fürs Kommen gewesen sein dürfte. Obwohl sich bei dem Lied die Pärchen im Publikum immer näher aneinanderkuscheln, ist der Song dabei kein Liebeslied im herkömmlichen Sinne; vielmehr ist er der kürzlich verstorbene Mutter des Sängers gewidmet. So heißt es im Text: „So still, obwohl ich dich mit jedem Tag vermiss' und wo immer du auch gerade bist, du zeigst mir, dass Stille jetzt dein Freund geworden ist.“ Die Stille im Text überträgt sich auf die Menge.

Bei „Immer für Immer“ wird es dann wieder lauter. Im wahrscheinlich schwächsten Lied des Abends rechnet die Band mit der katholischen Kirche ab. Im ersten selbst komponierten Stück der Band „Auf das Leben“ kommt dann allerdings wieder die tolle Stimme des Frontmanns zur Geltung.

Gecovert wird auch an diesem Abend: Zum Banjostimmen spielt die Band „Oh! Susanna“. Nach dieser kleinen Abwechslung folgt die obligatorische Mitsing-Aktion. Bei der Antihymne auf „Berlin“ macht das Publikum die Backgroundmusik, „Oh,oh,oh“ klingt es aus 100 Kehlen. Schön!

Zur Zugabe lässt sich Sänger Nicholas Müller dann nicht lange bitten. Solo spielt er „Jupp“ und verbreitet noch einmal Gänsehaut. Zum Abschied spielt die Band dann „Endorphinbatterie“ und die Masse feiert noch ein letztes Mal ab und freut sich über einen tollen Abend mit Deutschrock und Seele.

Mehr dazu:

 

Foto-Galerie: bildgetreu.de

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.