Aprilscherz

Deutschlands erster WhatsApp-Blitzer steht in Freiburg

Konstantin Görlich

Nur schnell aufs Handy geguckt: Unfall. Darum hat Freiburg jetzt einen Blitzer, der Smartphone-Nutzer am Steuer erkennt. Noch ist es nur ein Pilotversuch, doch die Bußgelder sind bereits echt.

Dies war unser Aprilscherz 2019. Vielen Dank an alle, die so unterhaltsam darauf reingefallen sind. Hier kommt die Auflösung: Es gibt keinen WhatsApp-Blitzer – auch nicht in Freiburg.

Geschwindigkeit, Abstand, Durchfahrtsverbote: Bisher waren die Grenzen technischer Überwachung und Ahndung von Verkehrsverstößen auf wenige Delikte beschränkt. Doch mit einem Pilotversuch des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in Zusammenarbeit mit dem Freiburger Ordnungsamt ändert sich das jetzt: Die Forscher haben einen alten Blitzerkasten an der Basler Straße in Freiburg mit experimenteller Technik aufgerüstet, die erkennen kann, ob ein Autofahrer ein Handy während der Fahrt benutzt.

Ortung auf wenige Zentimeter genau

Das Gehäuse des alten "Starenkastens" ist gerade breit genug, um das mit einer eigens entwickelten Software ausgerüstete Gerät, das einem WLAN-Router ähnelt, aufzunehmen. Mit seinen drei Antennen, die oben aus dem Gehäuse ragen – im Dreieck angeordnet und etwa 30 Zentimeter voneinander entfernt – können Mobilfunkgeräte auf wenige Zentimeter genau geortet werden.

Gleichzeitig analysiert ein Computer das Livebild der 3D-Kamera in Echtzeit und gleicht seine Erkenntnisse mit den Ortungsdaten ab. Befindet sich ein Handy nicht einfach nur in der Tasche des Fahrers, sondern in Benutzung – das kann anhand der Intensität des Datenverkehrs bestimmt werden – und wird es im Fahrerbereich des Autos lokalisiert, blitzt es.

Die Bußgelder sind echt

Um den Realtest der Anlage mitzufinanzieren, hat das Freiburger Ordnungsamt eine Sondergenehmigung des Verkehrsministeriums in Stuttgart erhalten, dank der auch mit der vollautomatischen Anlage registrierte Verstöße geahndet werden können. Eigentlich ist dafür nämlich die Polizei zuständig, die die Handynutzung mit eigenen Augen beobachtet haben muss.

Video: Das sagt die Polizei zum WhatsApp-Blitzer



Der Feldversuch ist auf zwei Monate befristet, bis Ende Mai. Die Ergebnisse wollen die Forscher dann zum Verkehrssicherheitstag am 15. Juni vorstellen. Der deutsche Städtetag habe bereits Interesse signalisiert, heißt es, und auch aus dem Bundesverkehrsministerium von Andreas Scheuer sei zu hören, dass man einer Gesetzesänderung gegenüber aufgeschlossen sei.

Bedenken von Datenschützern

Ein Hacker des Freiburger Chaos-Computer-Clubs – der anonym bleiben will – äußert Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit, schließlich zeichnet die Anlage zu Beweiszwecken die Messwerte mit und nimmt, zusätzlich zum Foto, eine kleine Videosequenz auf, um die Ortung zu dokumentieren. Was genau das Gerät speichert, konnte der Hacker nicht herausfinden – und auch alle Versuche, die Messung mit Störsignalen zu manipulieren, seien fehlgeschlagen.

Mit dem Vorwurf konfrontiert, wiegeln die Karlsruher Forscher ab: Es werde nur die Feldstärke für die Ortung gemessen sowie die Intensität des Datenstroms um festzustellen, ob das Handy benutzt wird. Inhalte würden keine aufgezeichnet. Das sei weder möglich noch nötig, denn es sei für das Bußgeld schließlich egal, ob der Fahrer WhatsApp, PornHub oder BZ-Smart nutze.

Elektro-Fahrer im Vorteil

Hoffnung können sich hingegen die Fahrer von Elektroautos machen, das geben sogar die Karlsruher Forscher zu: Die starken Ströme, die aus den Batterien in die Motoren fließen, verzerren die Ortung so sehr, dass ein Handysignal nicht mehr zweifelsfrei einem Sitzplatz im Auto zugeordnet werden kann. Und die Forscher sind skeptisch, ob dieses Problem jemals gelöst werden können wird. Spätestens wenn der letzte Benziner verschrottet und der letzte Diesel verboten ist, müssen sie sich also etwas neues einfallen lassen.
Dies war unser Aprilscherz 2019. Vielen Dank an alle, die so unterhaltsam darauf reingefallen sind. Hier kommt die Auflösung: Es gibt keinen WhatsApp-Blitzer – auch nicht in Freiburg.

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