Deutschland sucht den Superfriseur

Nadina Thelen

"Deutschland sucht den Superfriseur" ist das Motto von 'Top Cut', der TV-Casting-Show für Friseure auf Vox. 15 ausgebildete Haar-Facharbeiter treten hier im Kampf um einen eigenen Salon an. Vergangenen Sonntag lief die erste Folge. Friseurin Nadina Thelen aus Freiburg hat sie für fudder angeguckt und erklärt, ob es sich lohnt, dieses Wochenende zur zweiten Folge einzuschalten.



Gleich in der ersten Folge mussten die 15 ausgebildete Friseure ihr Können in zwei "Challenges" unter Beweis stellen. Den Kanditaten wurden die Augen verbunden, damit sie ihre anderen Sinne bewusster einsetzen, so Jurymitglied Carine Bartholomé. Danach wurden die Haarschnitte beurteilt und nach dieser Aufgabe mussten auch drei Kandidaten gehen, die die Jury mit dem Ergebnis nicht überzeugen konnten. Sie seien zu planlos und ohne Technik an die Sache rangegangen, hieß es.


Bitte? Wie soll man mit verbundenen Augen einen Haarschnitt erstellen, der mit Plan und vor allem typgerecht ist? Ein Haarschnitt hat mit mehr zu tun als nur mit den Haaren. Bei einem Haarschnitt geht es um die ganze Person, um das Gesicht, die Kleidung, den Lebensstil. Nun gut, aber es sollte ja eine 'spannende Erfahrung' sein.



Wenn es nach der Veränderung geht, hat die 54-jährige Ute (Bild oben) noch das beste Ergebnis gezeigt. Sie schnitt ihrem Modell blind einen Bob. Ob dieser technisch perfekt war, sei mal dahingestellt, aber sie hatte Mut und es war innovativ.

Die zweite Augabe bestand darin, in zehn Minuten ein Glamour-Styling zaubern. Zaubern ist dafür der richtige Ausdruck, da die Kandidaten dafür Accessoires zur Verfügung gestellt bekommen haben, die das letzte Mal Ende der Achtziger modern waren.

Nun versuchten die restlichen zwölf ihr Glück an den zuvor blind geschnittenen Modellen. Das Ergebnis war wirklich erschreckend. Ich hätte vielleicht eine, höchstens zwei Frisuren durchgehen lassen. Man lernt in der Ausbildung ein paar klassische Hochsteckfrisuren, die schnell gehen, und keiner der Kandidaten kam auf die Idee: 'Hey, ich mache etwas klassisches, was wenigstens edel aussieht und zu Glamour passt!' Nein. Stattdessen werden die Haare wild antoupiert, so dass die meisten Modelle aussahen, als hätten sie in die Steckdose gefasst.

Vielleicht setze ich die Ansprüche an die Kandidaten zu hoch, aber was ich bisher gesehen habe, ist für mich als Friseurin eher gruselig als beeindruckend.

Die nächste Folgen werde ich trotzdem angucken. Denn irgendwie interessiert es mich schon, wie sich die Kandidaten entwickeln, immerhin wurden ja aus 800 Bewerbern die 15 Besten ausgewählt.



Nadina Thelen
ist seit acht Jahren Friseurin und lebt seit eineinhalb Jahren in Freiburg. Seit sechs Monaten arbeitet sie bei Szenario Friseur Freiburg in der Gartenstraße, davor war sie selbständig als Hair- and Make-up-Artist in Paris, Barcelona und Mailand für Fashionmagazine, Werbung und Modeschauen unterwegs. In ihrer Freizeit macht sie Sport und singt in einer Punkrock-Band.