Deutsche Rechts-Geschichte

Lorenz Bockisch

Für jeden Juristen, ob im ersten Semester, kurz vor dem Staatsexamen oder schon bei der Verteidigung diverser vermeintlicher Großbetrüger ist er DIE Institution, was bürgerliches Recht betrifft: Der Palandt. Seit den 30er Jahren erscheint dieser BGB-Kommentar in immer neuen Auflagen. Doch die Anfangsgeschichte dieses Wälzers und seines Namensgebers Otto Palandt hat weniger mit Recht, als mit "rechts" zu tun.

Der 1877 geborene Hanseat studierte recht flott die Juristerei und bekam schon im Alter von 25 Jahren einen Doktorhut aufgesetzt. Die nächsten Jahrzehnte macht er eine gleichmäßige Karriere als Richter in verschiedenen Instanzen, bis er 1934 zum Präsidenten des Reichsjustizprüfungsamtes berufen wurde. Diese Behörde war eingerichtet worden, um auch die Justizbehörden im Nationalsozialismus zu „verreichlichen”.


Dazu gehörte – neben der Entlassung aller Juden im Justizdienst – auch die Ausrichtung der Gesetzestexte und -auslegungen nach dem Rasse-,  Blut- und Boden-Gedankengut. Dies musste den jungen Jurastudenten auch beigebracht werden, wozu auch ein neuer Gesetzeskommentar zum BGB von Nöten war – bis dahin gab es nämlich keinen, an dem nicht ein jüdischer Autor beteiligt gewesen wäre.

Also schickte sich der Beck-Verlag an, einen neuen BGB-Kommentar herauszubringen. Noch im Jahre 1933 hatte dieser einem schließenden jüdischen Verlag eine ähnliche Reihe mit Kurzkommentaren „abgekauft”. Als Name für den neuen BGB-Kommentar war der Palandts nicht nur wegen dessen Prominenz geeignet, sondern weil er auch die für die Zeit richtige Meinung vertrat: Neben der Auffassung, dass Frauen rein gar nichts in Rechtsberufen zu suchen hätten, machte Otto Palandt auch unmissverständlich klar, dass ein Prüfling im Staatsexamen neben dem juristischen Wissen auch „die völkischen Grundlagen des neuen Staates” und die Gedanken „von Rasse und Volkstum” verinnerlicht haben müsse.

An den Kommentaren hat Otto Palandt jedoch kein Wort mitgeschrieben, lediglich die Vorworte der ersten Ausgaben stammen von ihm. Der „Palandt” wurde nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend überarbeitet und von den braunen Stellen gesäubert. Seinen braunen Namen hat er jedoch bis heute behalten.