CSD 2019

Deutlich mehr als 10.000 Besucher tänzeln beim Christopher Street Day in Freiburg

Laura Wolfert

Kein Sonnenschein, und dennoch beste Bedingungen: Am Samstag fand der CSD in Freiburg statt. Das Motto der Veranstaltung in diesem Jahr: "Don’t be quiet – be riot!"

Mit Sternen beklebte Brüste wackeln zu dem Bass, der bis in das Herz eindringt und im Viervierteltakt zum Schlagen bringt. Mund küsst Mund. Zunge liebkost Zunge. Ob Mann oder Frau spielt dabei keine Rolle. Liebe kennt kein Geschlecht – und das wird zelebriert.


15.000 Teilnehmende laut Veranstalter

Es ist der fünfte Christopher Street Day in Freiburg in Folge. Über 16 Wagen und 15 Fußgruppen bringen mit Techno- und Chart-Musik knapp 15 000 Menschen zum Tanzen, die gegen Diskriminierung und Ausgrenzung von Lesben, Schwulen und Bisexuellen demonstrieren. Damit sind es laut Informationen von Ronny Pfreundschuh, einer der Veranstalter des CSD in Freiburg, knapp 5000 Teilnehmer mehr als im Vorjahr. Die Polizei spricht von deutlich mehr als 10.000 Teilnehmenden und einem friedlichen Verlauf. Harry Hochuli, Leiter des Polizeirevier Nord, berichtet von einer guten Organisation der Veranstaltung, aber auch von zwei Festnahmen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Teilweise seien Teilnehmende wegen Alkohol und Dehydration im Krankenhaus handelt worden.

Der erste "CSD" fand am 28. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street statt. Doch selbst nach knapp 50 Jahren scheint noch nicht überall die Akzeptanz erreicht worden zu sein, die doch eigentlich selbstverständlich ist. Teilweise stehen Freiburger verwirrt am Straßenrand und fragen sich, was die bunten, teils halbnackten Menschen auf der Straße treiben. Für sie wirkt der Umzug wie ein Fastnachtsumzug: bunte Kostüme, laute Musik, Pils und Schnaps.

Mehr als nur eine Kulturveranstaltung

Dabei ist der Christopher Street Day mehr als einfach nur eine Kulturveranstaltung. Es soll möglichst auffällig auf das aufmerksam gemacht werden, was wichtig ist: Toleranz – auch in der Politik, wobei die mit ihrem Verständnis für Geschlechter, Sex und Liebe zum Großteil weit hintendran hängt. So ist es erst seit Oktober 2017 möglich, dass auch schwule und lesbische Paare in Deutschland heiraten können. In dem neu gefassten Paragraf 1352 des Bürgerlichen Gesetzbuch heißt es, dass "die Ehe von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen wird".

Parteien wie die FDP, Die Partei, Die Grünen, Die Linke und die SPD sind mit kleinen Bollerwagen als Fußgruppe ebenfalls auf dem Christopher Street Day zu sehen. Ob andere Parteien sich an der Parade beteiligen, bekommt man nicht mit. Sie gehen in den Masse an Menschen unter. "Der Christopher Street Day genehmigt keine großen Wagen von Firmen, oder Parteien.", sagt Ronny Pfreundschuh. Auf Sponsoren wolle man verzichten, Kommerzialisierung wird abgelehnt.

"Der Christopher Street Day genehmigt keine großen Wagen von Firmen, oder Parteien." Ronny Pfreundschuh

Dabei sollte es ihre Aufgabe sein, bei solch einem wichtigen Event klar Stellung zu beziehen. Wie die Crash-Techno-Eventreihe "Youth Life", die als letzter Wagen alle Freiburgerinnen und Freiburger mit bebendem Bass die Bertoldsstraße hinter sich herziehen – und sich so für die Freiburger Clubkultur einsetzen. Oder Schwarzwälder Drag Queen Betty BBQ, die auf einem roten Ford freundlich winkt und Bussis verteilt. Präsent sein, das ist das Minimum.

Der Christopher Street Day zieht sich dabei wie eine bunte Wolke durch Freiburg. Start: 14 Uhr auf dem Platz der alten Synagoge. Wagen mit riesigen Penissen aus Pappe, beschmückt mit Regenbogen-Flaggen und Luftballons tuckern vorbei am Bertoldsbrunnen, durch das Schwabentor, bis hin zum Stühlinger Kirchplatz. Es wird Stellung bezogen und sich gegen Rechtsradikalismus geäußert. Bunt, laut – aber friedlich. Der CSD steht in diesem Jahr unter dem Motto: "Don"t be quiet – be riot". Sei nicht leise und schlage Krawall, heißt das. Laut Aussagen von Pfreundschuh verlief die Veranstaltung trotzdem ohne bösen Krawall und Probleme. "Die Kommunikation mit der Polizei als auch der VAG war hervorragend", so der CSD-Veranstalter. "Hinzu kommt das Wetter. Kein Regen und keine schwüle Hitze. Alles läuft, bisher, perfekt."

"Die Kommunikation mit der Polizei als auch der VAG war hervorragend" Ronny Pfreundschuh

Im Vordergrund der Veranstaltung steht die Liebe. Und alle Freiburger, die in knatschenge Leggings, quietschbunte Shirts und hohe Hacken geschlüpft sind und mit Glitzer im Rauchnebel tänzeln und hüpfen, zeigen, dass sie sich für die Liebe einsetzen. Die Liebe, auf die jeder ein Recht hat. Ein Recht, das selbstverständlich ist. Und bis das jeder verstanden hat, solange wird Freiburg tanzen und der Christopher Street Day stattfinden.

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