Desolate SC-Vorstellung beim HSV: Wir feiern trotzdem!

David Weigend

Was der SC Freiburg beim Hamburger SV abgeliefert hat, war peinlich, entwürdigend, nicht erstligareif. Eine dreckige 0:2-Niederlage im Volksparkstadion nach kampflosem Auftritt. Die Fans im Gästeblock feierten trotzdem.



Es hat alles nichts geholfen. Nicht die 75-minütige Verspätung der mit dem IC 5 angereisten Fans (Entschädigungsangebot: Ein 0,3 l Tafelwasser auf Kosten der Bahn), nicht die Tatsache, dass mehrere Fans trotz Minustemperaturen blankzogen; nicht die Einwechslung von Ömer Toprak (dennoch: Respekt!); nicht (jedenfalls noch nicht) das viele Geld für den Neuzugang Papiss Cissé, der genauso wie Stefan Reisinger auf ganzer Linie versagte beziehungsweise im Strafraum herumschlitterte wie auf dem zugefrorenen Waldsee.


Der Boden ist weich und glitschig, die Einstellung des SCF über weite Strecken schwach und charakterlos. Die schätzungsweise 600 angereisten Fans feiern trotzdem, auch ohne Megafon (der WJF-Vorsänger konnte nicht mitreisen). Man macht den Oberkörper frei, geht mal aufs Klo, mal zum Bierstand und lässt den Fußballgott einen schlechten Mann sein.



BWL-Mädels, die in Freiburg in den 1990er Jahren Abi machten und inzwischen in Eimsbüttel wohnen, grölen sich die Stimmbänder wund; Glottertäler mit dem Motto „Neues Jahr, neues Glück“ raunen, das Endergebnis vor Augen: „Ich geh heut' Abend auf Après-Ski-Party in die Heide. Die sind da noch viel offener.“ Nebenmann: „Cool, aber da musch aufhören zu saufen. Sonst kannsch die nimma anlabern.“ Antwort: „Ich will doch net labern, ich will bumsen.“

Wir hätten uns noch mehr gewüscht, dass es im HSV-Tor gebumst hätte. So richtig. Ein flotter Dreier. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Mit anderen Worten: Der SCF so unerfahren wie Dompfarrer Stoffl vor der Erstkommunion. Die Einstellung „Wir wollen es krachen lassen“ war heute beim SCF nicht erkennbar. Da hilft auch keine Holsten-Palette. Wie gesagt: Wir feiern trotzdem. Aber, liebe Mannschaft, gebt uns was zurück. Nicht das schwächliche Klatschen nach Abpfiff. Sondern wenigstens ein Zweikampfverhalten, für das man sich bei der Rückfahrt in der S-Bahn nicht schämen muss.

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