Der WLAN-Sozialismus hat Freiburg erreicht

Anselm Müller

Schon wieder so ein neues Ding, das etablierten Medienkonzernen in den Arsch treten Kummer bereiten könnte: Fon. Dahinter verbirgt sich die Vision, Millionen Menschen einen kostenlosen (oder sehr preiswerten) Zugang zum mobilen Internet (WLAN) zu ermöglichen. Auch in Freiburg gibt es bereits die ersten Foneros, wie sich diese "WLAN-Sozialisten" (Spiegel Online) nennen. Anselm erklärt euch, wie diese neue Technik funktioniert - und welche Schwächen sie hat.



Freiburg ist seit jeher recht fortschrittlich gewesen, was mobile Netze betrifft. Man denke an das WLAN der Uni oder die (registrierungspflichtigen) Gratis-Hotspots von fr-wlan, über die man zum Beispiel am Rathausplatz oder beim Bahnhof kostenlos surfen kann. Allerdings ist das WLAN-Netz in Freiburg doch sehr löchrig, wie die Badische Zeitung gestern berichtete (nur für Abonnenten). Fon könnte diese Löcher stopfen.


Die Idee

Es gibt viele Menschen, die einen eigenen WLAN-Internetzugang haben. Theoretisch kann dieser Zugang nicht nur in der eigenen Wohnung, sondern auch in der Nachbarschaft genutzt werden. In der Praxis ist dies aber selten der Fall - weil jeder sein eigenes Netz für sich behält. Würden alle privaten WLAN-Netzwerke vereint werden, so entstünde das größte, offene WLAN der Welt.

Als der in Spanien lebende Argentinier Martin Varsavsky, der Gründer der spanischen Firma Fon, im Jahr 2005 in Paris in einem Café sein Notebook anschaltete und insgesamt 19 WLAN-Hotspots ortete, hatte er die Idee, solch ein WLAN-Netz aufzubauen. Das Netz sollte sowohl kostenfreie als auch kostenpflichtige Accounts besitzen. Das Neue an dieser Idee ist, dass der Fon-Gründer keine eigenen Hotspots (Sendemasten) aufstellt, sondern die Nutzer einfach den Radius ihrer WLAN-Zugänge für Fremde freigeben. Somit ist das Aufstellen von eigenen Sendemasten hinfällig.

Linus, Alien und Bill

Die Idee von Fon ist äußerst simpel. Jeder, der einen eigenen Internetzugang, einen Router der Firma Fon (LaFonera: fünf Euro) oder einen WLAN-fähigen Computer oder Laptop besitzt, kann Fonero werden. Den Router LaFonero könnt ihr online im deutschen Fonshop erwerben. Die Mitglieder dieser Fon-Community werden Foneros genannt.

Es gibt drei verschiedene Typen von Foneros:

1) Linus,(nach dem Linuxerfinder Linus Torvalds)
2) Bill (Bill Gates) und
3) Alien


Die Linuse unter den Foneros stellen einen eigenen Hotspot, dass heißt, sie haben einen Fon-Router und eine Internetleitung. Bei ihnen kann jeder surfen. Hierfür treten sie die Hälfte ihrer Bandbreite ? die Hälfte der maximalen Kapazität der DSL Leitung ? an die Gemeinschaft ab. Im Gegenzug können sie weltweit kostenlos das Fon-Netz nutzen.

Aliens besitzen entweder keinen Internetzugang oder sharen (=teilen) ihn nicht. Sie müssen drei Euro pro Tag für die Benutzung des Fon-Netzes bezahlen.

Die Bills der Fonero-Community sharen genauso wie die Linuse die Hälfte ihrer Bandbreite. Sie erhalten aber 50 Prozent der Gebühren, wenn Aliens bei ihnen ins Netz gehen. Sie selber müssen allerdings ebenfalls bezahlen, sobald sie einen fremden Fon-Hotspot benutzen.

88.000 Foneros weltweit

Ende vergangenen Jahres startete Varsavsky sein Geschäftsmodel. Bis Februar hatte die Community 3000 Mitglieder. Dann beteiligten sich die Internetgiganten Google und Skype (wurde von Ebay gekauft) an der Firma mit 21,5 Millionen Dollar. Innerhalb kürzester Zeit wurde Fon durch Beiträge von CNN und BBC bekannt. Die Community wuchs auf 17.000 Mitglieder an. Am 17. September waren es 88.000 weltweit. Am 14. September wurde der 7000ste Fonero in Deutschland gezählt.

Foneros in Freiburg

In Freiburg gibt es gegenwärtig 28 Fon-Hotspots. Wo sie sind könnt ihr aktuell hier sehen:
  • Rohrgraben 7
  • Ziegelweg 19
  • Gescheidstr. 2
  • Am Dreisamgarten 14 (Lehen)
  • Am Mettweg 36
  • Max-Josef-Metzger Str. 8 (Rieselfeld)
  • Markgrafen Str. 57
  • Draisstr. 19
  • Colombistr. 15
  • Habsburger Str. 8
  • Sternwaldstr. 25 Wiehre
  • Zasiusstr. 78 Wiehre
  • Hildastr. 63
  • Schwaighofstr. 2
  • Langemarckstr. 96
  • Boelckstr. 14
  • Merzhauser Str. 4, 150
  • Escholzstr. 108 (Stühlinger)
  • Belfortstr. 23
  • Schwarzwaldstr. 16 (Littenweiler)
  • Talstr. 49
  • Albertstr. 32
  • Breisacherstr. 6
  • Habsburgerstr. 61 Herdern
  • Neulindenstr. 30
  • Runzmattenweg 1

Startseiten, Sicherheit und Netzabdeckung

Ein Punkt, der störend oder zu Problemen führen kann, ist, dass jeder Linus und Bill seine Startseite selber gestalten kann. Alle Foneros, die sich über seinen Hotspot anmelden, sehen diese. Varsavsky gab selber in einem Interview zu, dass jeder nach Belieben Bilder seines Hundes, seiner Freunde oder seine politische Meinung auf dieser Seite veröffentlichen kann. Hört sich nicht allzu tragisch an? Man überlege sich aber nur einmal die Situation, dass User mit radikalen politischen Einstellungen die Fon-Seiten für Propagandazwecke nutzen.

Ein weiteres Problem ist die Sicherheit. Das Fonero-Netz ist leider nicht sicher. Die WLAN-Verbindung zu einem FON Hotspot ist unverschlüsselt und kann mit dem entsprechenden KnowHow von jedem abgehört werden. Zudem kann jeder Linus oder Bill die ein- und ausgehenden Datenpakete an seinem Hotspot relativ einfach mitschneiden. Leider gibt es weder VPN Zugänge noch WPA- oder WEP-Verschlüsselung. “Dies ist sicherlich ein großes Manko von Fon”, sagt Patrik Schaub, Geschäftsführer der fr-wlan GmbH.

Anwendungen wie P2P oder illegale Seiten können jedoch vom Router ausgesperrt werden. Ein weiteres Problem ist zurzeit noch die Netzabdeckung sowie die Stabilität des Netzes. In Freiburg ist das Netz noch ziemlich löchrig. Dies könnte sich mit der Zeit ändern. Die Stabilität des Netzes ist jedoch nicht gewährt, sobald Bill oder Linus seine Leitung kappt, fliegt der Alien raus. Im Freiburger Stadtgebiet ist deshalb das kostenlose WLAN-Netz der fr-wlan GmbH eine alternative zu Fon, da hier die Stabilität durch lokale Hotspots gewährleistet wird.

Im Gegensatz zur Freiburger Fon-Community, die ihren Senderadius verändert sobald ein Linus oder Bill seinen Standort wechselt, ist das Netz der fr-wlan GmbH auf lokalen Sendemasten aufgebaut, dies bedeutet, die aufgestellten Hotspots decken einen festgelegten Radius ab, vor allem im Stadtgebiet ist dieser sehr dicht. Auch ist der Senderadius der fr-wlan Hotspote um ein Vielfaches größer als die, der Foneros. Für Email und Surfen im Web zahlt man keinen Cent. Dies ist im Fonero-Netz nur den Linusen vorbehalten.

Ein letzter kritischer Punkt betrifft die Verträge, die Linus- und Bill-Foneros mit ihren Providern abgeschlossen haben. Derzeit ist das Sharen der Bandbreite mit Dritten, die nicht im eigenen Haushalt wohnen, bei manchen WLAN-Providern illegal.

Fazit

Auf jeden Fall ist Idee sowie die technische Realisierung von Fon erstklassig, dies bestätigt auch Patrik Schaub. Im Oktober bringt Fon gemeinsam mit Skype einen Communityrouter mit Skype-Handy heraus. Dieser kann auch im Online-Shop bestellt werden. Die Benutzer können sich an allen Fon-Hotspots einwählen und mit anderen Skypebenutzern weltweit kommunizieren. Ferner ist für die Zukunft ein neuer Router geplant, der den Signalradius der Linuse und Bills vergrößert.

Es bleibt abzuwarten, wohin sich Fons Geschäftsmodel entwickelt. Derzeit macht Fon monatlich 500.000 Euro Verlust - was bei potenten Investoren wie Google verschmerzbar ist. Irgendwann jedoch erwarten Google, Ebay und die anderen Investoren Profite. Hierfür müsste Fon aber erst Mal schwarze Zahlen schreiben. Dies will Varsavsky schaffen, in dem bis Ende 2007 weltweit eine Millionen Hotspots entstehen und diese pro Tag einen Euro abwerfen. Eine kleine Herkulesaufgabe, da hierzu eine Versechsfachung der Mitgliederzahl innerhalb eines Jahres nötig ist. Es wird sich zeigen, ob dies möglich ist und die Idee des weltweit größten WLAN-Netzes Wirklichkeit wird.

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