Der Weltmeister ist einer von uns

Daniel Laufer

Freiburg hat Jogi Löw empfangen, erst im Rathaus, dann auf dem Balkon. fudder-Redakteur Daniel Laufer mitgefeiert. Was er gesehen hat und was nicht:



Plötzlich ist der da, der Macher, Jogi Löw, irgendwo da vorne, aber hinter einem Berg aus Fotografen und Kameramännern. Ich bin, wo die Öffentlichkeit nicht hin darf: im Rathaus, alles ganz exklusiv. Aber ich sehe nichts, höre nur, die Stimme des Nivea-Manns, der "st" wie "sch" ausspricht und an dessen Lippen trotzdem ganz Deutschland klebt – ja, das ist er, das Original – Jogi ist wirklich da. Weltmeister-Aura umhüllt den Raum.

Sie sind alle im Saal: Landtagsabgeordnete, Gemeinderäte, Bürgermeister und die Ringer-Legende Adolf Seger. Und alle finden sie's klasse: Der Jogi-Empfang ist nicht weniger als ein Kindergeburtstag für erwachsene Menschen. Inklusive Topfschlagen, wenn man's genau nimmt – denn da sieht man ja auch erst mal nix.

Jogi ist unsterblich

Der Neuweltmeister trägt sich ins goldene Buch der Stadt ein. "Du bist unsterblich geworden", sagt Oberbürgermeister Dieter Salomon zu ihm. "Das sage ich jetzt ohne Pathos." Der OB plaudert, erzählt, wie er Jogi überredet hat, zum Empfang zu kommen, auf dem ZMF war das, Backstage, ja ja, beim Dieter Thomas Kuhn-Konzert, Jogi nickt, es stimmt wohl.

Dann schmunzelt Salomon. Der Jogi, der habe Freiburg was mitgebracht, und die beiden Schränke neben ihnen seien Security-Leute – aber nicht wegen Weltmeister Löw hier, sondern... Der Aha-Effekt wirkt: Auf einmal steht da der WM-Pokal auf dem Tisch. Mitten im Rathaus. Mund zu, es zieht, liebe Prominenz.

SC-Vorstand Fritz Keller nutzt die Chance, um die Gemeinderäte noch mal an die Debatte ums SC-Stadion zu erinnern. Ein Stadion sei wichtig, urteilt auch der Bundestrainer. "Hast du gehört, Wolf-Dieter?" Johannes Gröger von den Freien Wählern dreht sich zum Kollegen Winkler von Freiburg Lebenswert um und grinst ihm ins Gesicht.



Freiburg ist Heimat

Ich gehe nach draußen, mische mich unters Volk. Rund 3000 Jogi-Fans warten schon auf dem Rathausplatz, selbst im Bächle stehen welche. Freiburg ist heute Breaking News-Zone. Neben mir lauert ein N-TV-Reporter in Denkerpose, nebenan stehen drei Übertragungswagen mit großen Satellitenschüsseln auf dem Dach. Heute taucht Freiburg auf der Deutschlandkarte auf, heute ist Freiburg mehr als "südlich von Stuttgart."

"Schwarz und weiß", jault Oliver Pocher aus den Boxen, "wir stehen auf eurer Seite!" Die Zuschauer sind trotzdem ganz begeistert, schwenken Deutschland-Fahnen im Takt. Dann kommt Jogi selbst auf den Balkon, reißt die Arme nach oben wie der Papst und erteilt der Stadt den Weltmeistersegen. "Freiburg ist für mich Heimat", verkündet er. "Ich bin einer von euch und das macht mich sehr glücklich!" Chapeau – Treffer versenkt.

Jogi erzählt, wie ihn die Gespräche mit den Freiburgern wieder aufgebaut haben, als es nicht so gut lief, zum Beispiel dann, als die BILD statt über Fußball über seinen Führerschein schrieb.

Über den wichtigsten Programmpunkt muss man am allerwenigsten sagen, denn den haben alle gesehen und gehört: Der Weltmeistertrainer reißt die wichtigste Reliquie der Neuzeit in die Luft: Da ist er, der Pott. Freiburg kann nicht anders, Freiburg schreit.



Als der Redeanteil durch ist, legt jemand Helene Fischer auf. Ein Kumpel von Jogi, erzählt man sich, habe eine SMS auf den Balkon geschickt und sich das gewünscht. Jetzt tanzt ein Kameramann um sein Stativ herum und der ganze Rathausplatz mit. "Atemlos" – der Bundestrainer selbst ist natürlich textsicher; nach einigen Weltmeister-Partys kommt das ja von ganz alleine.

"Mal gucken, was der Kicker darüber schreibt", sagt ein Teenager zu seinem Kumpel, als die Feier vorbei ist. Er kramt sein Handy raus und scrollt durch die App. Warum, will man fragen – warum spielt es jetzt eine Rolle, was der Kicker schreibt? Der Junge war doch selbst da und hat Jogi gesehen, mit seinen eigenen Augen. Aber vielleicht war das dann doch einfach zu echt. "Löw lässt sich in der Heimat feiern", schreibt der Kicker übrigens. Verdammt richtig.



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  [Fotos: Daniel Laufer, Videos: Falko Wehr, Florian Kech, Alexandra Sillitt]

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