Der Wandelgarten im Vauban: Vom Parkplatz zum Gemüsebeet für alle

Felicia Herr & Lena Trogus

Eigentlich sollte das Stück Land am westlichen Ende des Vauban irgendwann einmal ein Parkplatz werden. Doch dann setzte sich die Bürgerinitiative Transition Town dafür ein, hier einen urbanen Gemeinschaftsgarten zu schaffen. Drei Monate nach dem Start wachsen im Wandelgarten schon Kartoffeln. Ein Ortsbesuch:



Eigentlich wollte ich mir den Wandelgarten im Vauban nur angucken - aber nur Zuschauen, dass lassen mich die vier Hobbygärtner an diesem Nachmittag nicht. Bald schleppe ich Paletten auf dem idyllischen grasbewachsenen Grundstück hin und her. Zwischen Sträuchern und frisch eingepflanzten Rosen werden heute die ersten Hochbeete gebaut. Daneben steht der beeindruckende Weidenpalast, eine begehbare Halbkugel ganz aus Ranken und hinten am Bach entdecke ich eine kleine Sitzgruppe.

Mit der Gartenarbeit, kleinen Unterhaltungen nebenher und einer Führung über das noch sehr naturbelassene Grundstück bekomme ich schon einmal einen ersten Eindruck von dem, was hier entstehen soll: Ein urbaner Gemeinschaftsgarten, der Wandelgarten.

Das Grundstück gegenüber der Endhaltestelle der Linie 3am Ende der Vaubanalle, auf dem schon in diesem Sommer viel wächst und gedeiht, gehört dem Verein für autofreies Wohnen e.V. Als mögliche Parkplatzfläche wurde es bisher frei gehalten. "Wir rechnen aber nicht damit, dass die Zahl der Autos im Vauban steigen wird", sagt Vereinsvorsitzende Hannes Linck. "Deswegen haben wir zugestimmt, dass der Platz in einen Garten verwandelt werden kann."

Der Vorschlag zum Gemeinschaftsgarten kam von der Bürgerbewegung Transition Town Freiburg. Die hat sich zum Ziel gesezt, die Nachhaltigkeit der Handelns in Wirtschaft und Gesellschaft voranzutreiben. Dazu gehören nicht nur der verantwortungsvolle Umgang mit Rohstoff- und Energiereserven, sondern auch der aktive Klimaschutz und Naturnähe im Alltag - und das Engagement für und mit der Gemeinschaft. Wandelgarten - das soll auch für den Wandel in der Gesellschaft stehen. 

Eröffnet wurde der Garten am 1. Mai 2013. Das pflanzten die Gartenfreunde symbolisch schon das erste Wandelröschen auf die ansonsten ungemähte Wiese. Jetzt, knapp drei Monates später, ist die Wiese nicht mehr leer, und die Wandelröschen blühen eifrig.

Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht, der Garten ist einen Gemeinschaftssache. Wichtig ist nur: Das Engagement soll ohne kommerzielle Interessen erfolgen. Man kann eins der Beete bepflanzen und pflegen, sein Gartenwissen mit anderen teilen oder einfach nur mitanpacken. Was gepflanzt wird, darf jeder selbst entscheiden uns so gibt es nun schon einen kleinen Kartoffelacker, eine frisch angelegte Reihe von Stauden und Sträuchern, einige Blumenstöcke und den Plan für eine Kräuterschnecke. Und damit die neu gesetzten Pflanzen auch gleich gut anwachsen, gibt es online sogar eine Doodle-Umfrage, wer wann zum Gießen kommen kann.

„Wir machen hier außerdem alles selbst und versuchen, so wenig schwere Gerätschaften wie möglich und sowieso keine Chemie zu benutzen“, sagt Hartmut Wagner, Hauptkoordinator und einer der aktiven Wandelgärtner, der gerade aus den neuen Paletten und Draht ein Hochbeet baut. Statt Rasenmäher werden - den Insekten zu Liebe - Sensen verwendet. Statt Dünger werden Blättertinkturen verwendet.

Die Möglichkeit, hier zu Entspannen und den Berufsalltag beiseite zu lassen, nehmen vor allem die Naturliebhaber aus dem Vauban in Anspruch, unabhängig von Beruf, Geschlecht oder botanischen Vorkenntnissen. Jedoch fehlt es, so erzählt Clemens Wulf, vor allem an jüngeren Interessierten, denn er ist bisher der einziger aktive Student. „Ich verstehe mich hier ein bisschen als Sprachrohr, um auch noch ein paar Mitgärtner aus der jüngeren Generation zu motivieren.“ Für ihn ist die Mitarbeit im Wandelgarten nebenbei auch noch eine wunderbare Ergänzung zu seinem Umweltnaturwissenschaft-Studium. Er wird hier zum Beispiel Bodenproben des ehemaligen Militärgebiets entnehmen und dann im Labor auf Schwer-Öl untersuchen.

Eins ist mir klar nach meinem ersten Nachmittag im Wandelgarten: Den Beteiligten geht es möglichst ertragreiches, arbeitsarmes Gärtnern - sondern um das Gärtnern in Gemeinschaft. Schön.

Karte: Wandelgarten im Vauban


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Foto-Galerie: Lena Trogus

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