Der Video-Grand-Slam-Gewinner

Meike Riebau

Aljoscha Hofmann heißt der Sieger des großen Video-Grand-Slams in der Mensabar. In dem Dokufilm "Mehr im Nichts sehen", den Aljoscha mit Severine Guthier und Martin Rehfuss gedreht hat, geht es um Martin, einen blinden Geographiestudenten, der an der Uni Freiburg studiert. fudder-Autorin Meike hat sich mit Aljoscha über den Film unterhalten. Und exklusiv auf fudder zeigen wir Euch den Film "Mehr im Nichts sehen" in voller Länge im Internet!



Meike hat Aljoscha "Josch" (26) zufällig bei einer Mitfahrgelegenheit von Köln nach Freiburg vor zwei Jahren kennengelernt: Damals hat er ihr schon auf dem Laptop im Auto seine ersten Filme gezeigt. Diese beiden Filme waren nur der Anfang. Mittlerweile ist Josch hauptamtliches Mitglied von Uni TV, studiert Europäische Ethnologie, Philosophie und Geschichte und produziert ganz nebenbei noch so wunderbare Kurzfilme wie "Mehr im Nichts sehen".


Wie bist du auf die Idee zu diesem Film gekommen?

  Aljoscha: Das ist eine ganz witzige Geschichte: Ich hörte von einem blinden Studenten, der auf eine Party in der StuSie wollte. Er klingelte, wurde nicht gehört und kletterte deshalb außen an den Balkonen hoch - bis in den sechsten Stock. Da dachte ich schon "Aha, interessant". Dann stellte sich heraus, dass eine Bekannte ihn kennt, wir trafen uns zu dritt und nach einem fünfminütigen Minuten Gespräch war eigentlich für mich schon alles klar. Später stellte sich übrigens heraus, dass Martin gar nicht zu der Party wollte, sondern die Gäste nur bitten, etwas leiser zu sein. (Anmerkung: Die Szene findet ihr auch im Film)

Ein Film über einen Blinden - ist das nicht irgendwo ein Widersrpuch in sich selbst?

  Aljoscha: Findest du? Ich wollte einen Blinden im Alltag zeigen. Und Martin ist nicht nur ungemein selbstbewusst. Er ist auch ein wahnsinnig interessanter Mensch: Er hat dieses ungewöhnliche Hobby - Klettern - und er studiert Geographie. Es war gar nicht so leicht, all diese Facetten in einem 12-Minuten-Film unterzubringen. Ich habe mich damals sowieso mit dem Thema "Wahrnehmung" beschäftigt, auch in philosophischer Hinsicht, und fand dieses Projekt deshalb extrem spannend.

Wie hat Martin auf deinen Vorschlag, einen Film mit ihm zu machen, reagiert?

  Aljoscha: Er hat sofort zugestimmt. Martin hat vorher schon einmal in einer Fernseh-Doku mitgewirkt. Außerdem hat er Lust auf Kamera, er genießt es, davor zu stehen. Es gab überhaupt keine Berührungsängste, was mich auch ein bißchen überrascht hat.

Gab es ungewöhnliche Situationen?

  Aljoscha: Ja, zum Beispiel, als wir in der Kletterhalle gefilmt haben: Martin hing oben an der Wand, und ich habe mit einem Kran gefilmt, um nah an ihn heranzukommen. Plötzlich hat er sich abgeseilt, und ist ein paar Zentimeter an der Kamera vorbei in die Tiefe gerast. Es ist, im Nachhinein, die beste Einstellung, aber wenn er ein paar Zentimeter weiter links geflogen wäre, hätte er sich unheimlich verletzen können. In solchen Situationen wurde mir noch einmal richtig die Verantwortung bewußt, die man trägt.

Was hat dich im Nachhinein am meisten überrascht?

  Aljoscha: Mich hat überrascht, was er alles wahrnehmen kann; zum Beispiel Licht. Es gibt Einstellungen, da sitzt er auf einem Sofa und neben ihm brennt eine Lampe - er wußte immer, ob die an oder aus ist. Für diese Szenen mussten wir ihn übrigens auch ganz leicht pudern. Das ist irgendwie schon paradox, einen Blinden zu schminken.

Sehende Menschen verhalten sich häufig unsicher und verkrampft, sobald eine Kamera auf sie gerichtet ist. War das in diesem Fall anders?

  Aljoscha: Martin war zwar sehr entspannt, sehr unbefangen. Aber ein kleiner Unterschied war trotzdem zu bemerken.

Zu Dir: Was reizt dich am Filme machen?

  Aljoscha: Es ist das einzige, was ich kann und es macht mir wahnsinnigen Spaß, diese Mischung aus so vielen Komponenten, technisch, künsterlich, visuell, dann die Filmmusik. Das ist übrigens etwas, was mich in vielen Mainstream-Filmen ärgert: Wenn die falsche Musik verwendet wird.

Mehr dazu:

Aljoscha Hofmanns Film "Mehr im Nichts sehen" wird im Herbst auch als Vorfilm in den Kinos "Kandelhof" und "Friedrichsbau" laufen.

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