Der vergessene Staat

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass es auch der größten Nation der Welt passiert, dass sie sich mal vergisst? So geschehen, jedenfalls teilweise, fast 150 Jahre lang im Nordwesten der USA. Durch ein neues Gesetz wurde kurz nach der Unabhängigkeiterklärung die Besiedelung der Gebiete zwischen den großen Seen, dem Mississippi und dem Ohio River geregelt.

Wenn sich dort auf einem Gebiet mehr als 60.000 Menschen angesiedelt hatten, durfte ein neuer Bundesstaat gegründet werden. Und obwohl in dem Gebiet des heutigen Ohio im Jahre 1801 erst 45.000 Leute lebten, konnte wegen des raschen Bevölkerungswachstums das offizielle Verfahren zur Erlangung des Staatsstatus beginnen.


Schon 1803 unterzeichnete der damalige Präsident Thomas Jefferson ein Gesetz, das die Verfassung und die Grenzen des neuen und damit 17. Bundesstaates Ohio festlegte. Dummerweise wurde dieses Gesetz damals nicht durch den Kongress bestätigt, der eigentlich jedes US-amerikanische Gesetz bestätigen muss. Somit war Ohio kein wirklicher Bundesstaat.

Nachdem 150 Jahre vergangen waren, wurde dieser Fauxpas bemerkt. Und die Amerikaner wären keine Amerikaner, wenn sie im Jahr dieses runden Jubiläums keine Show daraus gemacht hätten: Das Parlament von Ohio traf sich 1953 in der alten Hauptstadt Chillichote und setzte einen neuen Antrag zur Aufnahme als Bundesstaat auf. Dieser wurde dann mit einem Pferd nach Washington, D.C. gebracht. Und Präsident Dwight D. Eisenhower unterschrieb ein Gesetz, das Ohio das offizielle Gründungsdatum 1. März 1803 zugestand. Diesmal stimmte auch der Kongress zu.