Der Verein Tritta leistet seit 30 Jahren feministische Mädchenarbeit

Anna Lob

Seit mehr als 30 Jahren ist der Verein Tritta in Freiburg aktiv und leistet feministische Mädchenarbeit. Die Mitarbeiterinnen* arbeiten dafür, dass junge Frauen mehr Mitspracherecht haben und Geschlechterstereotypen hinterfragt werden.

"Wir wollen Räume anbieten, in denen Geschlechterrollen und Stereotype hinterfragt und kritisiert werden können", sagt die Diplom-Psychologin Miriam Krell. Die 39-Jährige ist seit 2010 bei dem Verein Tritta e.V.als hauptamtliche Mitarbeiterin tätig. Der Verein macht Jugendarbeit, die sich an alle richtet, die sich aktuell als Mädchen oder junge Frau verstehen. Die Teilnehmerinnen* sind zwischen sechs bis 18 Jahre alt. "Bei feministischer Mädchenarbeit, geht es darum, die gesellschaftlichen Verhältnisse mitzudenken", sagt Miriam Krell. Das ist wichtig, denn wer sich als Mädchen* oder junge Frau* identifiziert, ist noch immer in vielen Bereichen benachteiligt. Dazu kommen gesellschaftliche Vorstellungen, die vorgeben, wie ein "richtiges" Mädchen sein sollte.

Gendersternchen*

Normalweise verzichten wir für bessere Lesbarkeit auf das Gendersternchen*. Weil es unseren Gesprächspartner*innen wichtig war und wir unsere Lesegewohnheiten überdenken wollen, handhaben wir es dieses Mal etwas anders. Die Gendersternchen symbolisieren, dass nicht nur Mädchen im biologischen Sinne gemeint sind, sondern alle Menschen, die sich als Mädchen oder Frauen verstehen.

"Das Geschlecht ist nach wie vor ein sozialer Platzanweiser", sagt Miriam Krell. Deswegen legen die Mitarbeiterinnen bei Tritta viel Wert auf Jugendarbeit, die Geschlechterstereotype und Ungleichheiten aufdeckt und neue Spielräume für junge Menschen ermöglicht. Mit den Aktivitäten des Vereins sollen Mädchen* und junge Frauen* ermutigt werden, für ihre individuellen Interessen einzutreten. Der Name des Vereins kommt aus einem Hägar Comic. Ein Mädchen tritt Hägar gegen das Scheinbein, als der sich über ihren Namen "Tritta" lustig macht.

Mit Tritta mischen sich Mädchen in die Stadtpolitik ein

Jedes Halbjahr stellt der Verein ein vielfältiges Programm auf die Beine. Das reicht von gemeinsamen Kanufahrten, über Trickfilmprojekte bis hin zu Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskursen. Außerdem gibt es Mädchengruppen, die sich wöchentlich treffen. Da bekommen junge Frauen* und Mädchen* die Chance mitzubestimmen, was die Gruppe unternimmt, sich über das auszutauschen, was sie beschäftigt und sich zu vernetzen.

Tritta wird seit mehr als 25 Jahren von der Stadt Freiburg gefördert. Seit kurzem ist der Verein dadurch im Bereich Mädchenpolitik aktiver. Der Verein setzt sich dafür ein, dass die Anliegen und Forderungen von jungen Frauen* und Mädchen*, einen Platz in der Stadtpolitik erhalten. Bei der Aktion "Stand Up – Mädchen zeigen Meinung", wurden die Teilnehmerinnen beispielsweise gefragt, was in Freiburg für junge Frauen* und Mädchen* verbessert werden sollte. Die Wünsche reichen von einem größeren Frauenschwimmbad bis hin zur mehr Akzeptanz und Respekt als Auszubildende in technischen Berufen.

Auch das Geschlechterverständnis des Vereins hat sich geändert

Über die hinweg Jahre hat sich Tritta weiter entwickelt und sich immer wieder neuen Impulsen geöffnet. Dadurch hat sich das Geschlechterverständnis des Vereins selbst auch ausgeweitet. "Wir kritisieren nicht nur die Benachteiligung von jungen Frauen und Mädchen", sagt Miriam Krell. "Wir wollen auch darauf aufmerksam machen, dass es nicht nur zwei Geschlechter, sondern eine Vielfalt an Identitäten und Lebensentwürfen gibt." Das hat sich auch auf die Angebote des Vereins ausgewirkt. Tritta veranstaltet inzwischen auch Selbstverteidigungskurse für junge Trans-, Inter- und genderqueere Jugendliche.

"Pädagoginnen haben eine Verantwortung" Miriam Krell

Deswegen bietet Tritta am 8. und 9. Oktober eine zweitägige Fortbildung für Fachkräfte, Auszubildende und Studierende aus allen pädagogischen Bereichen an. Diese befasst sich mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Dabei soll es um Wissensvermittlung gehen. "Alltagswissen rund um das Thema Geschlecht hilft nicht unbedingt weiter", sagt Miriam Krell. Es sei wichtig, pädagogische Fachkräfte für das Thema zu sensibilisieren. In der Fortbildung gibt es daher Beispiele von Diskriminierung, beispielsweise von lesbischen Mädchen oder Trans-Jugendlichen. Oft haben betroffene junge Menschen, das Gefühl sich verstecken zu müssen, aus Angst vor Ausgrenzung und weil sie keine passenden Ansprechpartnerinnen finden. "Als Pädagoginnen haben wir eine Verantwortung", sagt Miriam Krell. "Wenn wir gut informiert sind, können wir tatsächlich unterstützend wirken."
Info:

Was: Fortbildung für pädagogische Fachkräfte "Sexuelle & geschlechtliche Vielfalt in pädagogischen Kontexten – Sensibilisierung, Handlungsfähigkeit und Antidiskriminierung" vom Verein Tritta
Wann: 8. und 9. Oktober
Anmeldung: info@tritta-freiburg.de oder 0761/2927508
Kosten: 135 Euro inklusive Mittagessen & Pausenverpflegung. Studierende: 70 Euro
Web: Flyer zu Tritta