Initiative

Der Verein Orient-Netzwerk informiert mit Bierdeckeln auf Alemannisch über den Islam

Johannes Tran

Warum trinken Muslime keinen Alkohol? Was hat es mit dem Kopftuch auf sich? Fragen wie diese beantwortet das Projekt "Islam uf Badisch" Die Antworten gibt's auf Alemannisch.

Zehn Fragen zum Islam und Antworten darauf hat der 30-köpfige Verein Orient-Netzwerk bis jetzt ausgearbeitet. Das Verbreitungsmedium: Bierdeckel, 25 000 an der Zahl. Auf ihnen sind die Fragen – freilich auf Badisch – abgedruckt; die Antworten des fiktiven Freiburger Islamstudenten "Bobbele" findet man wahlweise unter einem angegebenen Internetlink oder durch das Einscannen eines QR-Codes. "Wir zielen nicht aufs Akademische, sondern auf den Normalbürger", sagt die Sprecherin des Vereins, Jasmin Ateia.


Die Bierdeckel sollen sowohl an Gaststätten als auch an Bildungseinrichtungen und Vereine in und um Freiburg verteilt werden. Es bestehe jede Menge Informationsbedarf über den Islam, meint Raban Kluger, Vorsitzender des Orient-Netzwerks. "Wenn man was nicht kennt, dann lehnt man es eher ab."

Das Projekt solle daher niederschwellig und humorvoll über den Islam informieren – ein anspruchsvolles Unterfangen: Nachdem Islamwissenschaftler Antworten auf die zehn Fragen verfasst hatten, mussten Kluger und seine Mitstreiter die anspruchsvollen akademischen Texte zunächst ins allgemeinverständliche Hochdeutsch übersetzen. Der Freiburger Mundart-Künstler Martin Schley übertrug die Antworten schließlich ins Badische.

Dabei wurde den Machern bisweilen vorgeworfen, sie verkauften Menschen mit Dialekt für dumm. Das sei allerdings keineswegs die Intention des Projekts, erzählt Jasmin Ateia.

Mit der Übersetzung ins Badische erhofft sie sich eine größere Aufmerksamkeit für die Aktion, nach dem Motto: "Das ist lustig, das schaue ich mir mal an." Jeder Bierdeckel, der zum Nachdenken und Diskutieren über den Islam anrege, sei ein Gewinn.

Auch auf Facebook wird das Projekt kritisch diskutiert. Eine BZ-Glosse über die außergewöhnlichen Bierdeckel löste Reaktionen aus: "Das nennt man Missionieren und es gehört meines Erachtens verboten. Religion ist Privatsache." Andere schmunzeln über das Verbreitungsmedium: "Schon paradox, dass für den Islam ausgerechnet auf BIERdeckeln geworben wird."

Die Kosten für das Projekt in Höhe von 2 300 Euro wurden komplett von dem Bundesprogramm "Demokratie leben!" übernommen. Doch Jasmin Ateia und Vorstand Kluger sehen in der Projektidee noch einiges an Potential. Zu den zehn Fragen und Antworten sollen weitere hinzukommen, außerdem sollen die Antworten vollständig vertont werden. Wenn die Bierdeckel in Freiburg und Umgebung positiv angenommen würden, dann könne man das Projekt sicherlich auf andere Regionen Deutschlands ausweiten, erzählen sie. Islam auf Schwäbisch, Sächsisch oder Mannheimerisch seien nur einige der angedachten Optionen.

Gaststätten und Einrichtungen können die Bierdeckel kostenlos bestellen: http://www.orient-netzwerk.de/badisch