Der Unu: Mit dem Elektro-Roller durch Freiburg

Konstantin Görlich

Elektro-Mobilität kommt allmählich auch bis nach Freiburg und wird erschwinglich. Das Elektro-Roller-Start-Up Unu will daran Anteil haben. Fudder-Autor Konstantin Görlich hat die Hipster-Karre mit dem Öko-Kick ausprobiert. Wie es war:



Klimawandel, Energiewende, Elektromobilität: Auf unseren Straßen wird sich einiges ändern müssen, wenn diese Herausforderungen gelingen sollen. Bis jetzt fahren aber so gut wie alle Autos und Roller mit der veralteten Verbrennertechnik durch Südbaden.


Ein deutsches Start-Up geht das jetzt an: Sein neuer Elektroroller, der Unu, ist günstiger als die meisten anderen Elektro- und viele Benzin-Roller, weil Händler- und Lagerkosten wegfallen. Ein Unu wird erst produziert, wenn er bestellt wurde. Dann reist er von der Fabrik in China, wo Elektro-Roller längst Alltag sind, direkt vor die Haustür des Käufers - auf Wunsch inklusive Versicherung und Kennzeichen. So gelingt ein Einstiegspreis von 1699 Euro. Geschäftsmodell und Batterietechnologie erinnern an die E-Auto-Revoluzzer von Tesla.

Matthias Wulfert (Bild oben) fungiert seit vier Wochen als Unu-Pionier in Freiburg, sozusagen als Ein-Mann-Autohaus, neben dem Studium. „Seit ich ihn habe, fahre ich ihn jeden Tag“, sagt der 25-Jährige. Sein Unu ist einer von vier in Freiburg und kann übers Internet für Probefahrten gebucht werden.

Der Unu ist anders

Motorroller sind meistens wahnsinnig laute, stinkende Klimakiller. Sie fallen unter keine Feinstaubverordnung und dürfen bis zu zehn Mal so viele Stickoxide ausstoßen wie Autos. Oft schauen sie aggressiv drein, werden durch bunte Aufkleber und gefakte Luftschlitze aber auch nicht schneller.

Der Unu ist anders, versucht erst gar nicht, eine Motocross- und erst recht keine Rennmaschine zu sein. Gleichzeitig sind seine Rundungen und Chrom-Einfassungen selbstbewusst genug, um keine offensichtliche Vespa-Kopie darzustellen. Dabei ist er vollkommen unspektakulär ausgestattet. Die Schalter wirken billig, die Armaturen sind bei Sonnenschein schwer zu erkennen, im Scheinwerfer funzelt eine herkömmliche Halogenlampe. Immerhin, die Blinker sind LEDs.



Trotz seines etwas zu kurzen Radstandes lässt sich der Unu erstaunlich stabil durchs urbane Geläuf pilotieren, die engen Serpentinen der Mercystraße wollen jedoch ausgefahren werden. Seine Paradedisziplin ist der Ampelsprint aus der ersten Reihe, denn wie bei allen Elektro-Fahrzeugen liegt das volle Drehmoment ab der ersten Umdrehung an. Ein beherzter Dreh am Gasgriff der getesteten mittelstarken Version mit 2000 Watt, und der Unu katapultiert sich binnen weniger Meter auf irgendwas zwischen 45 und 50 km/h. Da ist, wie beim Benziner auch, gesetzlich Schluss. Zum Mitschwimmen im städtischen Autoverkehr reicht das knapp nicht – für einen ordentlichen Vorsprung bis zur nächsten Ampel aber schon.

Schnell und leise durch die Stadt

Der Unu flitzt stets fast ohne Motorgeräusch durch die Gassen. Das fällt im Straßenverkehr nicht weiter auf, führt aber zu brenzligen Situationen mit unaufmerksamen Fußgängern. Erstaunlich, gibt es doch schon seit über 100 Jahren lautlose Fahrzeuge: Fahrräder. Die Stille ist jedenfalls angenehm, ebenso wie die fehlende Hitze von Auspuff und dergleichen. So leise er auch ist: an die Lärmschutz-30 nachts an der Dreisam muss man sich mit dem Unu trotzdem halten, teilt Edith Lamersdorf von der Stadt Freiburg, mit. Schade. Ganz so leicht wie ein Fahrrad parken lassen sich Roller, elektrisch oder nicht, hier auch nicht: "Behindernd abgestellt Roller werden grundsätzlich nicht toleriert, ebenso wenig ein Befahren oder Abstellen in der Fußgängerzone."

Bis auf Reifendruck und Bremsflüssigkeit ist der Unu wartungsfrei. „An meinem Benzin-Roller mussten schon viele Teile ersetzt werden und das waren nur solche, die der Unu gar nicht hat“, sagt Matthias Wulfert. Clever: Der Akku ist herausnehmbar und wird an der heimischen Steckdose geladen – in der Wohnung oder im Keller. Das ist zugleich eine Art Diebstahlschutz, deswegen hat Matthias seinen Unu noch: "Jemand hat mir das Lenkradschloß aufgebrochen, übrigens der einzige Ärger, den ich bisher mit dem Unu hatte, aber ohne Akku kamen die Diebe natürlich nicht vom Fleck."

Im Unu ist sogar Platz für eine zweite Batterie, die kostet 700 Euro und verdoppelt die Reichweite. Sie werde allerdings kaum geordert, denn eine Akkuladung reicht mit gut 50 Kilometern für die meisten Anforderungen in der Stadt völlig aus. "Ich lade den Akku etwa alle zwei Tage", sagt Matthias. Viel günstiger als mit Benzin ist man mit Strom sowieso unterwegs, mit  Ökostrom sogar emissionsfrei. Der Lüfter des Ladegerätes ist allerdings so laut wie ein altes Computernetzteil – da muss noch nachgebessert werden.

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[Foto: pr, Video: Konstantin Görlich]