Der Selbstversuch: Bouldern als Anfängerin

Christina Strobel

Wie man sich als Anfängerin beim Bouldern schlägt und für wen der Sport geeignet ist, hat fudder-Autorin Christina im Selbstversuch getestet. Zunächst sieht es einfach aus, doch unsere Autorin ist überrascht, wie anstrengend bouldern ist.

Als ich die Boulderhalle betrete, bin ich erstmal überrascht, denn das Publikum ist sehr gemischt: Viele Studenten hängen gekonnt an den rund dreieinhalb Meter hohen Kletterwänden, aber ich kann auch einige Eltern mit Kindern und Gruppen von Erwachsenen ausmachen.


An der Anmeldung werde ich freundlich empfangen und die erste Frage lautet: Warst du schonmal bei uns? Da das nicht der Fall ist, muss ich erst einmal einige Sachen ausfüllen und die Benutzerordnung unterschreiben. Als letzter und wichtigster Punkt wird hier genannt: viel Spaß beim Bouldern! Um loslegen zu können, brauche ich noch Kletterschuhe, die kann man sich in der passenden Größe ausleihen. Sie liegen ein bisschen gewöhnungsbedürftig am Fuß an und es ist ungewohnt damit zu laufen.

Wo anfangen?

Gut, da stehe ich nun vor der Wand und weiß nicht genau wo anfangen? Die Wand ist voller verschiedener Griffe in verschiedenen Farben und manche sind besonders gekennzeichnet. Eine Skala verrät, dass die gelben Griffe die leichtesten Routen darstellen – genau richtig für mich als Anfängerin. Die besonders gekennzeichneten Griffe markieren den Punkt, an dem es losgehen soll.

Ich merke schnell, dass die gelben Routen für mich recht machbar sind und ich wage mich an eine etwas schwierigere. Bis zur Hälfte schaffe ich es, dann komme ich nicht mehr weiter. Wie komme ich jetzt wieder runter? Es sieht hoch aus, aber letztendlich muss ich abspringen. Auf dem Boden liegen Matten, auf die man sich von jedem Punkt der Wand aus problemlos fallen lassen kann. Ich lande weich.

Neuer Versuch

Meine Freundin ermutigt mich, es noch einmal zu versuchen. "Manchmal muss man sich die Route von unten etwas genauer anschauen und sich einprägen, wie man am besten nach oben kommt", meint sie. Ich nehme mir ihren Tipp zu Herzen und schaue mir die Route mal etwas genauer an, statt wild drauf loszuklettern. Es klappt tatsächlich etwas besser und es ist auch hilfreich, dass sie unten steht und mir zuruft, wo ich mich als Nächstes hochziehen kann. Von unten sieht das bei den Profis so einfach aus, aber wenn man selbst an der Wand hängt, verliert man schnell den Überblick, welcher Griff in greifbarer Nähe ist und einen weiter zum Griff mit der Anmerkung "Top" bringt. Das Erfolgserlebnis macht süchtig, ich will noch eine Route schaffen und probiere Schwierigere, bis ich zumindest die Hälfte geschafft habe.

Nach gut einer Stunde tun mir meine Finger ziemlich weh, trotz Magnesiumkarbonat, auch Chalk Ball genannt. Einen Chalk Ball beim Bouldern dabeizuhaben oder sich in der Halle auszuleihen, ist ein Muss, denn das weiße Pulver verhindert, dass man beim Klettern an den Händen schwitzt und dadurch leicht abrutscht. Außerdem fühle ich mich etwas mehr wie ein Profi, nachdem ich meine Hände eingepudert habe. Eine weitere halbe Stunde klettern wir weiter, dann melden sich meine Unterarme. Krafttechnisch geht nun nicht mehr viel, selbst die einfachen Strecken schaffe ich nicht mehr. Ich schaue mich in der Halle um und beobachte die anderen. Einige waren schon vor mir in der Halle und klettern immer noch munter weiter, das müssen wohl die Erfahreneren sein. Meine Freundin, die schon öfter bouldern war, meint, dass die Ausdauer mit der Zeit kommt. Auch bildet sich nach mehreren Besuchen Hornhaut an der Handfläche an den Stellen, die besonders an den Griffen reiben.

Mein Fazit

Ich finde, dass man auch als Anfänger auf seine Kosten kommt und viele Routen schaffen kann. Wer erstmal testen will, ob Bouldern etwas für einen ist, muss sich auch nicht gleich eine Ausrüstung wie Kletterschuhe oder einen Chalk Bag anschaffen. Alles, was man fürs erste Mal braucht, kann man sich gegen einen Aufpreis zum Eintritt in der Halle ausleihen. Wer jedoch oft klettern geht, sollte darüber nachdenken sich eigene Schuhe zuzulegen, um diese Kosten zu sparen. Das Publikum ist sehr gemischt, man braucht sich also keine Gedanken zu machen nicht "reinzupassen".

Am besten geht man allerdings nicht allein, das erhöht zum einen den Spaßfaktor und man kann sich auch gegenseitig unterstützen. Ich bin am Nachmittag klettern gewesen, aber als ich mich umhöre, ist allgemeiner Konsens, dass es abends ab 18 Uhr recht voll wird und man manchmal warten muss, bis eine Route frei wird. Das ist aber nicht so schlimm, da man, wenn man Eintritt gezahlt hat, so lange klettern kann, wie man will und damit nicht unter Zeitdruck steht. Ich finde jedoch, dass man als Anfänger nicht länger als zwei Stunden intensiv klettern kann, es sei denn, man bringt schon entsprechende Muskelkraft in den Armen und Fingern mit. Alles in allem hatte ich meinen Spaß und ich werde mich meinen Freunden beim Bouldern sicher öfter anschließen.
In Freiburg gibt es folgende Boulderhallen:

Blockhaus Freiburg

Preise:

Erwachsene: 10 €
Schüler/Studenten: 8 €
Kletterschuhe: 3,5 €
Chalkbag: 1,5 €
Öffnungszeiten: Montag – Sonntag 9-23 Uhr

Boulderkitchen

Preise:

Erwachsene: 10,5 €
Schüler/Studenten: 9 €
Kletterschuhe: 4 €
Öffnungszeiten: Mo. 12-23 Uhr, Di.-Fr. 10-23 Uhr, Sa.+ So. 10-21 Uhr