fudder-Interview

Der Schwarzwälder Musiker Blackwood rappt über Dorftrottel

Julia Stulberg

Der Lenzkircher Philipp Diemand rappt unter dem Namen Blackwood über Themen wie Dorfleben und den Stereotypen des Dorftrottels. Im fudder-Interview spricht er über aktuelle HipHop-Trends und Rentner, die seine Songs feiern.

Philipp, wer ist Blackwood?

Das Rappen ist schon seit zwölf Jahren mein Hobby. Ich hätte es schade gefunden, das im Sand verlaufen zu lassen, deshalb wollte ich nochmal Vollgas geben. Ich bin gelernter KFZ-Mechatroniker und Autohandelskaufmann. Letztes Jahr habe ich meinen Job gekündigt, um mir ein Jahr für Rap zu nehmen. Schauen, ob ich davon leben kann. Ich will den Schwarzwald nicht als Marke missbrauchen, wie viele andere für alle möglichen Dinge. Jeder soll aber wissen, dass guter Sound aus dem Hochschwarzwald kommt. Es gibt im ländlichen Raum kaum sowas.

In deinen Texten verarbeitest du das Leben auf dem Land. In deiner EP Bauernjunge zum Beispiel spielst du mit den Vorurteilen gegenüber Menschen vom Dorf. Was glaubst du, was die Städter tatsächlich von den Kids vom Dorf halten?

Manchmal habe ich das Gefühl, sie denken neue Informationen kommen erst nach Wochen bei uns an. Als wären wir abgeschottet von der Umwelt, vielleicht sogar etwas dumm. Die Dorftrottel halt (lacht). Nein, ich glaube sie sind tatsächlich etwas voreingenommen. Die Menschen, die vom Dorf kommen und mittlerweile in der Stadt wohnen, können meine Texte oft komplett nachvollziehen und feiern sie.

Bauernjunge von Blackwood



Woher kommt der Hang zur Rapmusik?

Ich hab mit 16 Jahren angefangen. Mein älterer Cousin hat damals gerappt und mit seinen Freunden HipHop-Partys veranstaltet. Es war mal was anderes und nicht so langweilig wie die anderen Partys, die es so gab. So haben ein paar Freunde und ich mit Rap angefangen. Rap und HipHop war bei uns in der Gegend fast nicht vertreten. Wir waren nur ein paar wenige. Auf den Partys kam immer nur Kommerzmusik, Techno und Rock. Aber mit Rap war ich eigentlich mit meinen Freunden immer allein. Es hat die breite Masse bei uns nicht wirklich getroffen. Mit Rap war man immer eher so der Spinner.

"Mit Rap war man immer eher so der Spinner"
Blackwood

Wie entstehen deine Songs?

Mal so mal so. Es kann in jeder Situation vorkommen, dass man eine coole Idee hat. Im Grunde höre ich mir meistens Beats an und lasse mich von der Musik lenken. Ich schreibe und nehme meine Songs zu Hause auf. Bei den Videodrehs unterstützen mich mehrere Freunde, aber hauptsächlich mein Kumpel Fabian Eßl von Underburn City Shot. Ich hab das Glück, dass mir eigentlich alle gerade bei meinem Projekt zur Seite stehen.

"Ich würde mich nicht als Gangsterrapper bezeichnen – überhaupt nicht."
Blackwood

Für viele ist die erste Assoziation zu Rappern, dass sie Gangster sind. Was ist dein Kommentar zu Gangsterrap?

Mittlerweile ist vieles nur Show. Ich glaube die Wenigsten sind tatsächlich Gangster und machen wirklich die Dinge, über die sie rappen. Ich würde mich nicht als Gangsterrapper bezeichnen – überhaupt nicht.

Du hast deinen Job für den Rap gekündigt. Das ist vielleicht nicht gangster, aber ziemlich mutig. Wie hat dein Umfeld darauf reagiert?

Bevor das erste Video online ging, wurde ich sehr belächelt. "Jaja, mach du mal". Das hat jetzt 22.000 Klicks, was nicht viel ist, aber ein Anfang. Mit dem ersten Video sind die negativen Kommentare verstummt. Ich wurde auch immer sehr gut unterstützt. Wenn ich zum Beispiel spontan massig Leute für ein Videodreh brauche, sind sie sofort da.

Du hast also schon etwas an Reichweite gewonnen?

SWR-Fernsehen und auch das Radio sind vorbei gekommen. Meine Lieder wurden dort gespielt – aber nur bei SWR1 und SWR4. Das ist ja eher in Richtung Schlager, oder vielleicht sogar für die etwas älteren. Aber dafür muss ich sagen, bei uns oben kennt mich jeder Rentner. Mein Opa sagt oft, dass seine Bekannten mich wieder im Radio gehört haben. Leider die falsche Zielgruppe, aber das war immer nett und lustig. Die Alten verstehen meine Dorfwitze und den Humor dahinter und finden es tatsächlich cool. Den meisten ist der Text zu schnell. Aber sie haben mich schon oft darum gebeten, ihnen die Texte auszudrucken, weil sie genau nachlesen wollen, was ich rappe.

Hast du musikalische Vorbilder? Oder gibt es Jemanden, an dem du dich orientierst?

Früher habe ich viel Ami-Rap gehört. Sowas wie Redman, Method Man fand ich zum Beispiel immer cool. Mittlerweile gibt es eigentlich in Deutschland kaum etwas Neues, das ich feiere. Es ist alles in die Richtung Trap und mit Autotune.

Stimmt, du benutzt das überhaupt nicht. Autotune, ein Effekt aus der Musikindustrie, erhöht den Ton der Stimme. Das ist seit einiger Zeit ein Trend. Was hältst du von der deutschen Rapszene?

Da feiere ich eher die Alten: Samy Deluxe, Kool Savas und Olli Banjo. Das ist mittlerweile die ältere Generation, aber ich finde sie immer noch gut. Alles was mit Autotune zu tun hat, ist nicht so meins. Ich benutze es nicht und höre es auch nicht gerne. Es hört sich alles gleich an.

Einheitsbrei?

Ja genau! Ich finde, wer Rap macht, sollte auch etwas zu sagen haben. Man sollte wenigstens eine Meinung vertreten. Es gibt natürlich ein paar Einzelne, die ich abfeiere. Wie Straßenbande 187, die machen im realen Leben tatsächlich das, was man in dem Video sieht. Es ist keine Show und viel Wahres dran.

"Mehr wie ich brauch’" von Blackwood



Wenn der Einheitsbrei nichts für dich ist, was ist dein Brei? Hast du eine Message?

Es kommt auf die Lebenslage an, in der ich mich befinde. Ich schreibe mir viel von der Seele. Es tut mir gut und macht Spaß. Ich hab nicht die eine Message, die ich auf die Masse loslassen möchte. Mir ist wichtig, das man die Wahrheit erzählt. Es darf lustig sein, aber man kann auch Ernstes ansprechen, wenn sich die Möglichkeit bietet. Rap lebt von der Vielseitigkeit.

Du sagst, du schreibst dir alles von der Seele runter. Wirkt es vielleicht therapeutisch auf dich?

Vielleicht ein Stück weit, ja. Ich nutze es nicht aktiv, aber es ist ein schöner Nebeneffekt.

Blackwood

Philipp Diemand alias Blackwood, 1987 in Neustadt geboren. Der in Lenzkirch-Saig aufgewachsene Philipp ist gelernten KFZ-Mechatroniker und Automobilkaufmann. Er hat seinen Job an den Nagel gehängt und möchte seiner Rapkarriere eine Chance geben. In seinen Songs behandelt er die Traditionen und das Leben im Schwarzwald. Mit einem humorvollen Unterton und Ironie möchte er beweisen, dass guter Hiphop nicht nur in der Stadt entstehen kann. Direkt aus dem Wald möchte er die Rapszene im Schwarzwald wieder antreiben.