fudder-Interview

Der Schwarzwälder Mario Adrion über seinen Modelalltag und Germany’s Next Topmodel

Julia Stulberg

Der gebürtige Alpirsbacher Mario Adrion ist internationales Model und Youtuber. Durch seinen Auftritt bei Germany’s Next Topmodel hat er auch in Deutschland an Aufmerksamkeit gewonnen. Julia Stulberg hat mit ihm gesprochen.

Mario Adrion, geboren und aufgewachsen in Alpirsbach, ist für ein Studium nach Berlin gezogen. Mit 18 wird er von einem Modelscout über Facebook angesprochen und nach New York eingeladen. Kurzerhand packt er seine Sachen und fliegt in die USA. Der 25-Jährige war schon für viele bekannte Marken das Werbegesicht. Mittlerweile liegt sein Augenmerk auf Social Media und Youtube.

Mario, wie hat deine Modelkarriere begonnen?

Mario: Mit 15 bin ich für ein Jahr alleine nach Peru gegangen. So habe ich früh gelernt, wie viel man erleben kann, wenn man reist und aus der Komfortzone raus kommt. Als ich dann mit 18 für mein Studium nach Berlin gezogen bin, wurde ich auf Facebook von einem Modelscout angeschrieben. Der meinte, ich solle mal nach New York kommen. Das habe ich dann einfach mal gemacht und direkt eine Agentur gefunden. Nach einiger Zeit habe ich zusätzlich Schauspielstunden genommen. Ich habe gemerkt, dass ich mehr möchte als nur modeln und habe mit Youtube begonnen. Der Fokus und auch mein Einkommen hat sich mittlerweile mehr in Richtung Social Media und Youtube gewandt.

Liegt dein Augenmerk dann eher bei Instagram?

Nein, hauptsächlich bei Youtube. Instagram läuft nebenher. Viele wissen nicht, dass die Plattform wahnsinnig wichtig für Models ist. Wenn ich zu einem Casting gehe, gebe ich immer meinen Account an. Instagram hat einen extrem hohen Stellenwert für Models und Schauspieler – eigentlich in allen Bereichen der Branche. Oftmals geht es darum, welche Reichweite man selbst mitbringt und wie man sich auf Instagram präsentiert. Heutzutage geht es nicht mehr darum, wie man aussieht, sondern, welche Marke man mitbringt.

Wie sah ein typischer Tag in deinem Modellleben in New York aus?

Ich stehe immer früh auf, meistens gegen sechs. Gehe trainieren und mache Yoga. Danach bin ich direkt nach Manhattan gefahren, denn ich selbst habe in einem Modelapartment in Brooklyn gewohnt. Täglich hatte ich etwa drei Castings und abends meine Schauspielstunden. Ich war die ganze Zeit unterwegs und bin meistens erst gegen 1 Uhr Zuhause angekommen. Zusätzlich kamen viele Termine oder Events, zu denen man hin sollte. Denn auf diesen Events konnte man wichtige Leute kennenlernen. Es geht viel ums Netzwerken. Jeder Tag in New York hat sich angefühlt wie eine Woche in Deutschland – ein bisschen wie Hundejahre. So viel habe ich in kürzester Zeit erlebt.

"Wenn ich zu einem Casting gehe, gebe ich immer meinen Instagram-Account an."

Du hast in einem Modelapartment in Brooklyn gelebt. Wie war es dort?

Viele Leute stellen sich das total glamourös vor. Von meiner Agentur habe ich ein Modelapartment gestellt bekommen. Dafür habe ich aber trotzdem noch 1.200 Euro im Monat gezahlt. Ich habe ein Zimmer mit drei Leuten geteilt; wir waren zu siebt im Apartment. Eigentlich hat man gar keine Privatsphäre. Jeder von uns hatte einen anderen Schlafrhythmus. Ich gehe relativ früh ins Bett und stehe auch wieder früh auf. Andere sind dann vielleicht gerade erst Zuhause angekommen. Das war eine stressige Zeit. Wenn man stressanfällig ist oder viel Privatsphäre braucht, dann ist das Modeln nicht zu empfehlen.

Bist Du irgendwann an Deine Grenzen gekommen?

Mario: Es gab tatsächlich mal eine Zeit, in der es nicht so gut lief. Es war während der Fashion Week in Mailand. Finanziell war es problematisch: In Mailand habe ich eine Zeit lang nicht gearbeitet. Mein Knie war verletzt, weshalb ich nicht in guter Form war. Damals ist dann auch noch meine Großmutter gestorben. Es kam einfach alles zusammen und ich hatte mich dann entschieden, die Fashionweek abzubrechen, um nach Hause zu fahren. Ich habe das Gefühl, dass man manchmal solche Realitätschecks braucht. Das gehört einfach zum Leben dazu. Mal geht es bergauf, mal bergab.

"Wir hatten damals in unserem Modelapartment Ratten in der Küche."

Auf Deinen Instagrambildern zeigst Du oft Karotten in jeglicher Form und nutzt den Hashtag #carrotkingdom. Du hast sogar einen eigenen Account dafür. Was hat es damit auf sich?

Mario: Ich wurde schon ganz oft auf Instagram gefragt, was mein Ernährungstipp wäre. Darauf antworte ich immer, dass es Karotten sind. Denn am Anfang hatte ich in New York nicht viel Geld und gesundes Essen ist dort wahnsinnig teuer. Deshalb hatte ich einfach immer eine Karotte dabei und das hat sich mittlerweile zu einem Running Gag entwickelt.



In einem Deiner Youtubevideos sprichst Du über deine jugendlichen Selbstzweifel und dass Du diese überwunden hast. Hast Du Tipps für Menschen, die in einer ähnlichen Situation stecken?

Mario: Als Jugendlicher hatte ich einiges an mir selbst auszusetzen: meine helle Stimme, die Zahnlücke und vieles mehr. Mein Tipp ist es, dass man aus der eigenen Komfortzone so oft wie möglich austreten soll. Als ich damals nach Peru gegangen bin, hatte ich riesige Angst davor. Genauso ging es mir in New York. Ich habe dann angefangen, täglich eine Aufgabe zu suchen, die mich aus meiner Komfortzone rausbringt. Zum Beispiel einfach einen Fremden nach der Nummer fragen. Die Nummer ist in dem Moment egal, es geht einfach nur darum, dass man sich etwas getraut hat.



Du warst als Malemodel bei der diesjährigen Staffel von Germany’s Next Topmodel dabei. Wie kam es dazu?

Mario: Ein Ausruf wurde auf Instagram gestellt, dass für diese Sendung noch ein deutschsprachiges Malemodel in LA gesucht wird. Ich habe mich dann mit dem Team in Verbindung gesetzt, stellte mich über ein Video vor und so kam ich in die Show. Ich war schon an vielen Sets, auch für Werbespots, aber GNTM ist ein ganz anderes Level. Ich dachte immer, dass bei dieser Show alles gestellt ist. Muss aber ehrlich sagen, dass es nicht so war. Das Team filmt einfach alles, was passiert. Sie schneiden es dann so, dass eine Geschichte entsteht. Zu keinem Zeitpunkt wurde mir irgendwas vorgeschrieben.

Was hältst Du als Model von dem Castingkonzept bei GNTM?

GNTM ist als Showkonzept sehr unterhaltsam. Aber das war’s dann auch. Ich will niemandem zu Nahe treten. Wenn man es nüchtern und ehrlich betrachtet, würden die Mädchen, die bei GNTM dabei sind, im echten Modelalltag keine Models werden. Vielleicht im kommerziellen Bereich in Deutschland, aber nicht weltweit. Ich glaube nicht, dass die Sendung die Mädchen auf die Modelkarriere vorbereitet. Es entspricht nicht dem Alltag: Die Shootings sind viel unspektakulärer und das Leben ist nicht so glamourös. Die Mädels haben in einer 25 Millionen Dollar Villa in Bel Air gelebt. Wir hatten damals in unserem Modelapartment Ratten in der Küche.

"Wenn ich in den Schwarzwald komme, genieße ich am meisten die Stille."

In den Medien wird oft über eine mögliche Beziehung mit deiner Shooting-Partnerin Tatjana diskutiert. Wie stehst du dazu?

So eine Lovestory wird gerne in den Medien ausgeschlachtet. Mich stört es nicht, denn es wurde nie eine Grenze überschritten. Wenn man tatsächlich eine Beziehung hätte, würde ich das lieber privat halten. Ich geh da einfach mit dem Flow. Momentan kann ich mir in meinem Leben einfach keine Beziehung vorstellen. Jeden Monat bin ich in einem anderen Land.

Jeden Monat ein anderes Land. Wie fühlt es sich für Dich an, mal wieder Zuhause zu sein?

Super! Das hilft mir extrem. Ich liebe zwar New York, aber wenn ich in den Schwarzwald komme, genieße ich am meisten die Stille. Das fällt einem erst auf, wenn man eine Zeit lang in großen Städten ist. Im Hintergrund ist dort immer eine Grundlautstärke – ein Brummen. Im Schwarzwald gehe ich gerne laufen. Oft bleibe ich dann einfach stehen. Es ist acht Uhr abends und man hört nichts. Kein Auto, keine Klimaanlage. Nur absolute Stille und die tut mir wahnsinnig gut. Deshalb versuche ich alle zwei bis drei Monate nach Hause zu kommen.

Was kann man als nächstes von Dir erwarten?

Youtube ist und bleibt die Priorität. Ich werde sicherlich noch weiter als Model arbeiten. Wahrscheinlich werde ich nach Australien oder auf die Philippinen fliegen. Ich kann mir auch gut vorstellen, mehr im TV-Bereich zu machen, denn es hat mir sehr viel Spaß gemacht bei GNTM. Ich stehe gerade mit einigen deutschen Shows in Kontakt. Da muss ich aber ehrlich sagen, viele sind mir einfach zu trashig.
Mario Adrion im Web:

Mehr zum Thema: