Der schnellste Sport der Welt: Unsere Autorin hat Damen-Lacrosse getestet

Carla Mangold

Schnell, schneller, Lacrosse: Unsere Autorin Carla Mangold war bei den Pumas Freiburg und hat Damen-Lacrosse getestet. Der Unterschied zu Männer-Lacrosse? Weniger Körperkontakt! Warum das Spiel superschnell und superspaßig ist - und wo es eigentlich herkommt:



"1, 2, 3 Raaaaaaw" schreien wir, wie echte Pumas: Dann geht es los. Die zwei Mannschaften verteilen sich, jede deckt eine Gegenspielerin. Auch ich werde gedeckt: von Marion, meiner Teamkollegin - und jetzt Gegnerin. Wir sind im Angriff und versuchen den Ball ins Tor zu schießen.

Ich laufe mich frei und renne Richtung Tor. "Crash", höre ich Marion rufen. Das Alarmwort dafür, dass ich mich frei in die gefährliche Zone vor dem Tor bewege. Ich? Eine Gefahr für die gegnerische Mannschaft? Ich gucke hoch und tatsächlich: Eine Mitspielerin schaut mich an. Mein Herz schlägt schneller. Sie wirft mir doch jetzt nicht etwa den Ball zu, oder?

Das Unerwartete geschieht: Nun heißt es, den Ball mit dem  "Stick" zu fangen, an dessen "Kopf" ein Netz befestigt ist. Leider schaffe ich es nicht auf Anhieb, aber die Zurufe meiner Mitspielerinnen motivieren mich: "Super Carla, weiter." Ich picke den Ball mit dem Netz auf und schleudere ihn mit Kraft ins Tor. Von wegen. Der Ball prallt am Pfosten ab. Während ich der verpatzten Chance noch nachhänge, haben die anderen schon umgeschaltet. Lisa, die Kapitänin des Teams, hat Recht: Lacrosse ist wirklich der schnellste Ballsport auf zwei Beinen.

Ging euch das gerade zu schnell?

Lacrosse ist kanadischer Nationalsport und stammt von den Ureinwohnern, den Indianern. So geht das Spiel: Zwei Mannschaften treten auf einem Spielfeld gegeneinander an, das in etwa so groß wie ein Fußballplatz ist. Bei den Damen besteht das Team aus zwölf Feldspielerinnen: Drei Angreiferinnen, fünf Mittelfeldspielerinnen, drei Verteidigerinnen und einer Torwartin, "Goalie" genannt. Wie bei vielen Ballsportarten ist auch beim Lacrosse Ziel des Spiels, das Runde ins Eckige zu schießen.

Dafür müssen die Spielerinnen den Ball, der in Größe und Schwere einem Feldhockeyball ähnelt, über das Feld transportieren. Im Gegensatz zum Fußball kicken sie den Ball aber nicht über den Platz, sondern tragen ihn in einem Netz, das an den Kunststoffrahmen des Schlägerkopfs geknüpft ist. Aus diesem Netz schleudern sie den Ball ihren Mitspielerinnen zu, die ihn mit ihren bis zu 110 Zentimeter
langen Schlägern, den "Sticks", fangen. Wer nach den 60 Minuten die meisten Tore erzielt hat, hat gewonnen.



Bevor es ans Spielen geht, weist mich Bea, Psychologiestudentin und Trainerin des Teams, in die Grundtechniken ein. Wir stellen uns fünf Meter voneinander entfernt auf. Bea erklärt, wie ich den Stick halten soll: Die eine Hand weiter oben am Stick, die andere weiter unten. Zum Fangen muss man den Ball präzise im Auge zu behalten. Wenn das gelingt, darf man den Stick nicht gerade halten, sondern muss die Fangbewegung nachfedern, damit der Ball nicht wieder rausplumst.

"Falls der Ball doch runterfällt, darf man ihn nicht mit der Hand aufheben", sagt Bea lachend. "Sondern man muss den Kopf des Sticks unter den Ball schieben und anschließend  mit einer
Hebelbewegung den Ball ins Netz aufgabeln." Bea sieht mein ratloses Gesicht und vereinfacht: "Das ist wie Schneeschippen." Für mich klingt das mehr nach einer Bauanleitung, die ich eh noch nie verstanden habe. Ich folge Beas aufmunterndem Gesicht und probiere mein Glück. Tatsächlich: Nach den ersten Fehlversuchen habe ich meinen ersten Ball gefangen.

Jetzt trudeln die anderen Mädels und Jungs ein. Das Team besteht vorwiegend aus Studenten zwischen 18 und 28. Trainiert wird heute draußen auf dem Gelände des PTSV Jahn. Es geht los mit
gemeinsamem Einlaufen und Aufwärm-Übungen. Endlich etwas, das mir vom Feldhockey bekannt vorkommt, genauso wie das rhythmische Keuchen.

Für die weiteren Übungen trennen sich die Geschlechter, worüber ich auch ganz froh bin, denn Männer- und Damenlacrosse unterscheiden sich sehr: Die Männer, ausgestattet mit Helm und Rüstung, spielen mit vollem Körpereinsatz. Bei den Frauen ist nur Mundschutz Pflicht, denn um den Ball aus dem Netz zu klauen darf man zwar auf den Stick der Gegnerin schlagen, den Körper aber nicht treffen.

Der Aufnahmetest

Bevor ich mit den anderen Spielerinnen trainieren darf, muss ich Beas "Aufnahmetest" bestehen. Wir stellen uns ein Stück auseinander. Ich muss es schaffen, den Ball mit Bea fünf Mal hin und her zu passen. "Eins, zwei, drei vier" zähle ich mit und freue mich schon, doch dann fällt der Ball aus dem Netz. Nochmals von vorn. Schließlich habe ich es geschafft und durch Beas aufmunternde Worte: "Das klappt sonst nicht so schnell", traue ich mich ins Team einzusteigen. Ein lila Trikot auf dem vorne "Puma" und die Ziffer 12 steht wird mir übergestreift und ich fühle mich richtig integriert.

Auf den ersten Erfolgen kann ich mich nicht lange ausruhen. Das Training geht in die nächste Phase. Lacrosse-Bälle surren mir rechts und links um den Kopf, das Tempo hat sich deutlich erhöht. Wir werfen uns die Bälle von allen Seiten zu, schießen auf das Tor, tricksen die Verteidigerin aus und dabei heißt es immer "Bewegung, Bewegung, Bewegung". 



Endlich: Trinkpause. Ich nutze die Zeit um mit den Mädchen über ihren Lieblingssport zu quatschen. Viele kennen Lacrosse aus Auslandsaufenthalten. Andere sind über den Freundeskreis dazu gekommen. So höre ich am Ende Lacrossespieler Markus Lisa locker zurufen, eine Freundin von ihm würde nächstes Training auch mal mitkommen.

So einfach ist das. Lisa erzählt: "Jeder, der Lust auf Lacrosse hat, kann vorbeikommen. Wir freuen uns immer über Verstärkung. Besser ist natürlich, sich vorher anzumelden per Facebook oder E-Mail, dann können wir uns darauf einstellen." Die andere Variante ist den Sport beim „Rookie Day“, auf Deutsch Schnuppertag, mit anderen Interessierten kennen zu lernen.

"Viele fragen, ob sie Erfahrung brauchen oder ein Auswahltraining absolvieren müssen, das ist aber nicht der Fall", sagt Lisa. Für das erste Training sollte man nur Sportklamotten und gute Laune mitbringen. Das Tolle an Lacrosse, das mich auch so begeistert, ist, dass jeder schnell einsteigen kann", sagt Lisa strahlend. Sie selbst ist erst seit eineinhalb Jahren dabei und hat eine Führungsrolle als Kapitänin inne.

Es fällt auf wie sehr ihr der Sport am Herzen liegt: "Jeder, der Lacrosse spielt, macht es aus Leidenschaft. Wer einmal anfängt, hört nicht mehr so schnell auf", sagt sie lachend. "Man steckt einfach viel Energie und Herzensblut rein. Die Mädchen und das Team liegen mir sehr am Herzen und sind zu guten Freunden geworden."

"Klar ist das auch anstrengend, aber es zahlt sich aus", so Lisa über ihren Einsatz. Im vergangenen Jahr haben die Mädchen um den Einzug in die erste Bundesliga gespielt und seit Januar 2015 haben die Pumas eine eigene Abteilung beim PTSV Sportverein. Von dem Verein fühlen sich die Lacrossespieler gut unterstützt und sind dafür sehr dankbar.

Zwar spielen die Damen im Moment noch in einer Spielgemeinschaft mit Konstanz und Mannheim, da sie noch nicht genug Spieler haben. Doch wer weiß wie das in ein paar Jahren aussieht? Mein Fazit: Lacrosse ist ein toller Sport, die Mädchen sind nett und locker drauf und das Team heißt einen herzlich willkommen. Zum Schluss darf ich dann auch das Abschlussritual rufen: "1,2,3 PUMAAAA."



Fakten Lacrosse Puma Freiburg


Wer?


• insgesamt ca. 50 Mitglieder
• eigene Abteilung im PTSV Jahn Freiburg
• Damen- und Herrenmannschaft nehmen am Ligabetrieb des DLaxV teil.
• Die Damen spielen in einer Spielgemeinschaft mit Mannheim und Konstanz in der 2.
Bundesliga Süd.
• Die Herren spielen in der Landesliga Baden-Württemberg.

Wie kann ich mitmachen?


Nachricht bei Facebook: Lacrosse Freiburg
E-Mail: info@freiburglacrosse.de
Aktuelle Informationen und Trainingszeiten auf der Website: FreiburgLacrosse

Mehr dazu:

  • fudder: http://fudder.de titel="">Parkour im Selbstversuch


Foto-Galerie: Thomas Kunz

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