Der SC-Fansong-TÜV (Teil 2)

Markus Hofmann

Die Halbfinalisten beim SC-Fansong-Cup stehen fest. Doch wer wird gewinnen? Gestern haben sich vier leidenschaftliche SC-Fans auf fudder mit den vier Halbfinalteilehmern beschäftigt und die Songs bewertet. Heute folgt Teil 2 unseres TÜVs: Vier Freiburger Musikjournalisten haben das Wort.



Rudi Raschke

Rudi Raschke, 36, gebürtiger Freiburger, arbeitet in München als Redakteur beim ”Playboy". Er sah sein erstes SC-Spiel im Jahr 1979 und kommt seitdem nicht mehr von diesem Club los. Steht ansonsten auf die englische Nationalmannschaft.



Freiburg Allstars: Der Sound erinnert etwas an die holländischen Stimmungskracher von der ”Herpes House Band? oder wie die heißen, ist aber natürlich eine etwas akademischere Ausgabe davon, logisch, wir sind ja in Freiburg. Weniger akademisch sind die Verse, in denen sich ”Team" auf ”Dick und Dünn" reimt. Sehr fantasieloseTreueschwüre, finde ich.

Rolling Goals: Beginnt sehr gut mit einem authentischen Nordtribünen-Sample, erweist sich aber ebenfalls als recht unterwürfig: ”Freundschaft statt Kohle" müffelt ein wenig nach Herberger und Wiederaufbau, die Musik ist irgendwie Schlager-Rock, der sich Bollenhut-kompatibel gibt - die Zeile mit der ”Schwarzwaldmetropole? könnte auch den ”Rothaus"-Werbesong schmücken, wenn es ihn gäbe.

Oli Schmidt & Schulze Meier Lehmann: Ist das erlaubt, den alten schmockigen Stadion-Song einfach neu aufzugreifen? Wenn das nicht zur Disqualifikation führt, dann ist es das Klischeedreschen: ”Verstand statt Geld? ist wieder so eine Dreisamphrase. Schon mal davon gehört, dass man auch mit Verstand zu Geld kommen kann? Da fällt mir nur Francoise Sagan ein: ”Ich weine lieber in einem Rolls-Royce als in einer Straßenbahn." Oli Schmidt weint leider auf dem Tretroller.

Blister: Mein Favorit, nicht weil ich den Ska-Sound so zeitgemäß fände. Aber sie thematisieren immerhin ein wenig das Fanleid, die Zeile ”es tut auch manchmal weh? kann ich als leidgeprüfter Dreifach-Absteiger gut nachvollziehen. Minuspunkte gibt’s dann wieder für ”den Strom vom Dach?. Hallo? Hat einer von Euch da draußen je einen Popsong gehört, der es mit dem Lobpreis der Energieversorgung zum Welthit gebracht hätte? Singt Robbie Williams von der nordenglischen Müllabfuhr?

Mein Tipp: Unter diesen Vollblinden besitzen Blister wenigstens noch 20 Prozent Sehkraft. ”Einäugig? möchte ich sie nicht nennen. Zum Abschluss noch einen Tipp: Vielleicht können sich die Teilnehmer dieses Dreisamstadls ja mal ”Three Lions? von den Lightning Seeds oder ”World in Motion? von New Order zu Gehör bringen - so muss ein Fußballsong klingen. Nicht nach Kuckucksuhr, Tannezäpfle und Tofu-Burger.



Peter Disch

Peter Disch, 39, früherer BZ-Redakteur, lebt und arbeitete heute als freier Journalist in Berlin. SC-Dauerkartenbesitzer von 1992 bis 2002, erst Stehplatz Gegengerade, dann Nordtribüne, letztmals im Dreisamstadion am 16.2.2002 beim 0-2 gegen Bayern, einen Tag vor dem Umzug in die Haupstadt.



Freiburg Allstars: Der Song passt zur Zielgruppe. Den Refrain "Nana nana, ole ole, super, super" kann auch der schlichteste Fan nach dem fünften Ganter-Pils mitsingen. Schnittige Bläser, Melodie ziemlich dünn, aber stadionkompatibel.

Blister: Musikalisch gesehen die beste Nummer. Passt zum Dreisamstadion wie die Sonnenkollektoren auf dem Dach. Politisch korrekte Gras- und Rasenfreunde vereint im schunkelnden Skabeat. So klingt es, wenn Freiburger Gemütlichkeit unter Ökostrom steht. Potentieller Sponsor: Windpark Schauinsland.

Oli Schmidt & Schulze Meier Lehmann: Eine 80er-Jahre-Fata-Morgana. Klaus Lage trifft Police. Gemeinsam covern sie die alte Stadionhymne. Da ist der Plagiatsprozess vorprogrammiert. Aber Anwälte gibt es in Freiburg ja genug.

The Rolling Goals: Hurra, hurra, Wolfgang Petrys extrabreite Freundschaftsbänder brennen! Das fehlende Glied zwischen Neuer Deutscher Welle, "So ein Wahnsinn" und dem "Badnerlied". Hoher Gröhlfaktor.

Mein Tipp: Blister hat musikalisch am meisten drauf. Geheimfavorit sind die Rolling Goals.



Thomas Steiner

Thomas Steiner, 44, Popredakteur der Badischen Zeitung. Früher jahrelanger Dauerkartenbesitzer. Inzwischen als Familienvater Gelegenheitsbesucher im Stadion.



Freiburg Allstars:
Schon der Mitklatschrhythmus ist toll, der Bläsersatz schallt schön. Die Melodie ist gerade richtig zwischen nicht zu schwer, aber ein wenig mit Schlenker. Doch echt unschlagbar ist das Ohoohoohooo, das so wunderbar nach oben steigt, und dann das Nananaloéoléolé. Klingt bestimmt toll aus zwanzigtausend Kehlen.

Blister: Klar, Ska mögen alle gern. Das ist wie Schunkeln, nur schneller. Aber eine Stadionhymne wird das mit dem Rhythmus nie und nimmer. Eher ein Partysong.

Rolling Goals: Ein simples Rockriff, das geht gut rein. Der Gesang genau auf den Beat, den kann beim Mitsingen keiner verfehlen. Aber der Text! Freiburg wird mal wieder fälschlich Metropole genannt, und "gemeinsam" wird gereimt auf "Dreisam", alles eitel Freundschaft und Sonnenschein. Hier wird zuwenig gelitten.

SchulzeMeierLehmann & Olli Schmidt: Fette Gitarre, echter Stadionrock. Das Problem: Der Sänger ist zu gut, der phrasiert so geschickt, dass man es unmöglich mitsingen kann.

Tipp: Mein Favorit sind die Allstars. Auch, weil sie eben Allstars sind, ein echtes Team. Vorbildlich.



Caro Buchheim

Caro Buchheim, 27, fudder Musik-Fachfrau Verbindung zum SC: Durch frühkindliche Prägung (MSV Duisburg) mit Herz für Auf- und Absteigende Fussballvereine:



Freiburg Allstars: Kalkuliertes klatschen, Synthiebläser und Akustikgitarre lassen zunächst an das denken, was musikalisch in diesen Fernsehsendungen von und mit Florian Silbereiesen stattfindet, aber mit ihrem erstklassige Refrain zeigen die Freiburg Allstars dann doch, wass sie hier machen wollen: einen auch nach längerem Bierkonsum gröhlbaren, gut durchdachten Fansong. Man kann die LaOla im Stadion praktisch hören. Mit Nanananaoleole gewinnt man zwar keine Lyrikpreise, aber darum geht es hier ja auch nicht.

Oli Schmidt & SchulzeMeierLehmann: Auch hier wird zu Beginn auf Nonsens-Lyrics zum Mitsingen gesetz. 'ey-o'. Yo! Zum Glück nicht für allzu lang, der Rest der Lyrics ist realistisch menschelnd. Hier werden die Leiden der SC-Fans beschrieben, wie auch der Stolz auf den Verein, der auf Verstand setzt, statt aufs Geld. Aber: Ist es nicht ein bisschen Schade, kein Geld zu haben? Insgesamt gesehen mischt man hier eine gute Dosis Pathos, eine rumröhrende Gitarre und wannabe aggressive Drums, und erhält am Ende einen sich ans Herz des im Stadion stehenden SC Fans ranrockenden Song. Nur: Hat da Hartmut Engler mitgeholfen?

The Rolling Goals: Stark mit gutem Gröhl & Klatschfaktor anfangen ('We will rock you' meets 'The Final Countdown'), und dann mit zu komplizierter Songstruktur, fehlendem Chorus und zu wirren Lyrics stark nachlassen.

Blister: Ska! Passend zu Freiburgs Subtropischem Wetter reggaet dieser Fansong so beschwingt und leichtfüssig daher, wie die SC-Jungs Fussball spielen sollten. Wunderbare lyrics, ja zum Glück braucht es nicht viel, und schunkelbarer Rythmus. Der Chorus hat nicht nur eine wunderbarer Keyboard-Unterfütterung und umfasst mit drei Sätzen das ganze Freud und Leid des SC Fans, sondern ist auch angemessen pathetisch und gröhlbar.

Tipp: Blister. Mit diesem Song scheint bei jedem Spiel die Sonne. Das Spiel könnten allerdings leider SchulzeMeierLehmann machen, denn ihr Song hat wohl den größten Appeal über alle Alters- und Musikgeschmackgrenzen der Fans hinweg.