Der Sau ihre Zitzen

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, warum es im Supermarkt keine Schweinemilch zu kaufen gibt? Von des Deutschen liebsten Nutztier wird eigentlich sonst alles verbraucht und verbraten, vom gesülzten Kopf bis zur gegrillten Haxe. Aber gerade die Milch wird den Sauen nicht abgezapft, was neben der Gewohnheit auch mehrere praktische Gründe hat.

Zunächst ist das Gesäuge der Schweine für das Abzapfen deutlich ungeeigneter als der Kuheuter. Statt vier langer, gut erreichbarer Zitzen hat die Sau 12 bis 14 Milchausgänge, die dahinter keinen wirklich großen "Vorratsbeutel" haben. So müsste man recht umständliche Melkmaschinen konstruieren, die dann auch noch ständig an der Sau dranbleiben müssten.


Genau dagegen hätten sicherlich die Ferkel etwas, denen die Muttermilch eigentlich gehört. Die lassen sich nämlich deutlich schlechter als Kuhkälber mit Milchersatzprodukten großziehen. Das liegt daran, dass die Schweinemilch neben deutlich mehr Milchzucker und -fett auch noch Antikörper enthält. Mit denen gibt Mama Schwein ihren Zöglingen eine Immunsystemverstärkung, womit aber das menschliche Verdauungssystem nicht so gut zurechtkäme.

Noch ungünstiger ist der hohe Milchzuckeranteil, der nicht nur bei Menschen mit Laktoseintoleranz für ein ungutes Bauchgefühl sorgen kann. Zwar würden all diese Zutaten eine hervorragende Basis für die Käseproduktion bilden (bei der Mikroorganismen das Milchzuckerverdauen übernehmen), doch würden dann die armen kleinen Ferkel zugrunde gehen.

Für die reicht die im Vergleich zu einer Kuh etwa zehnmal geringere Milchleistung völlig aus. Durch das viele Fett und den vielen Zucker wachsen die kleinen Schweinchen auch mit mengenmäßig recht wenig Milch schnell heran, auf dass sie bald große Schnitzel werden können..