Der Satz "Ist Luisa hier?" soll Clubs in Freiburg für Frauen sicherer machen

Felix Klingel

Blöde Sprüche oder aufdringliches Antanzen: Wer sich künftig mit den Worten "Ist Luisa hier?" an Club-Personal wendet, soll schnelle Hilfe bei Belästigung bekommen. fudder hat mit dem Verein Frauenhorizonte über das Projekt gesprochen.

Wie funktioniert das mit dem Satz "Ist Luisa hier?"

Claudia Winker: Hinter der Frage versteckt sich eigentlich der Satz: "Ich brauche gerade in irgendeiner Form Unterstützung." Gerade im Nachtleben gibt es ja einen Graubereich zwischen einvernehmlichem Kennenlernen und Belästigung. Es geht bei dem Satz darum, sich an Club-Personal zu wenden, ohne gleich alles zu erzählen oder erklären zu müssen, was denn überhaupt passiert ist.

Wie soll das Personal dann helfen?

Winker: Erst einmal geht es darum, die Person aus dem Geschehen rauszunehmen. Also etwa hinter die Theke oder in einen separaten Raum. Von dort kann weiter überlegt werden: Was für Hilfe will die Frau? Denn es soll nur das getan werden, was die Frau auch möchte . Also etwa eine Freundin anrufen, ein Taxi bestellen, eben nach Bedarf.

"Das ist wie ein Gütesiegel: ’Sichere Clubs in Freiburg haben Luisa." Pia Kuchenmüller

Reicht es nicht, einfach zu sagen: "Ich fühle mich belästigt"?

Pia Kuchenmüller: Darauf kommt dann meistens die Frage, was überhaupt passiert ist. Bei "Ist Luisa hier?" wird das Personal dagegen sofort aktiv und nimmt die Frau aus der Situation raus. Das nimmt vielen Frauen die Last, sich erklären zu müssen und senkt so die Schwelle, sich zu melden.
Winker: Es ist außerdem eine Einverständniserklärung der Clubs: Wir machen bei dem Projekt mit und akzeptieren ein grenzenüberschreitendes Verhalten bei uns nicht.
Kuchenmüller: Das ist ja wie ein Gütesiegel: "Sichere Clubs in Freiburg haben Luisa." So wollen wir das auch propagieren. Momentan werden alle Freiburger Clubs von der Stadt angeschrieben und können sich dann melden, um mitzumachen.

Das Ganze wirkt auch als Signal für die Männer.

Winker: Ja, die Männer wissen dann, dass in diesem Club eine Kultur herrscht, die Grenzüberschreitung nicht akzeptiert.

"Es gab im Nachtleben schon immer Gruppen, die besonders auffallen." Claudia Winker

In der Freiburger Kriminalitätsstatistik 2016 sind die Fälle von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung um 22,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 577 Fälle gestiegen. Ist das Nachtleben unsicherer geworden?

Winker: Nein, wir können das in der Form nicht bestätigen. Es gab im Nachtleben schon immer Gruppen, die besonders auffallen. Das ist aber kein neues Phänomen, das ist schon immer da. Man muss da eben ein Auge drauf haben. Darum ist es wichtig, dass die Clubs immer wieder ein Zeichen dagegen setzen. Es gibt Zeiten, da ist das hochaktuell und dann ist es mal weniger in der Öffentlichkeit. Das läuft in Wellen ab. Und momentan ist die Aufmerksamkeit sehr hoch.
Kuchenmüller: Es gibt gerade auf jeden Fall einen Wunsch nach klaren Grenzen.
Winker: Gerade nach dem Dreisam-Mord, das haben wir natürlich schon gemerkt. Da gab es dann schon eine richtig tiefe Verunsicherung. Es ging aber eher um den Heimweg vom Club.

Die Stadt will darum bald wieder das Frauennachttaxi einführen.

Winker: Ja, das ist super, das begrüße ich sehr. Es ist total wichtig, dass es das wieder gibt.

Ab wann beginnt beim Feiern eine sexuelle Belästigung?

Winker: Die Frau selbst bestimmt ihre Grenzen. Und sobald sie Zeichen setzt, dass sie etwas nicht möchte, also sich wegdreht, oder Nein sagt, ist eine Grenze überschritten. Darum geht es ja auch beim Luisa-Projekt: Da reicht es, wenn eine Frau das Gefühl hat, ihre Grenze ist überschritten. Sie muss sich dazu nicht erklären oder die Situation von einem Außenstehenden beurteilen lassen.

"Sich nicht isolieren, sondern den Kontakt zu anderen suchen." Claudia Winker

Was gibt es noch für Tipps für Frauen, die sich belästigt fühlen?

Winker: Auf jeden Fall schauen, dass man sich vernetzt, also jemanden ansprechen und Kontakt zu anderen aufbauen. Das gibt dem Täter das Signal: Oh, die ist nicht alleine. Und die traut sich auch, jemanden anzusprechen. Also sich nicht isolieren, sondern den Kontakt zu anderen suchen.

Was kann man als Außenstehender tun, wenn man etwas bemerkt?

Winker: Immer ansprechen! Lieber einmal mehr fragen. Am besten ganz offen: "Brauchst du gerade was? Kann ich dich unterstützen?" Dann kann sich die Person dazu äußern. Damit macht man ein Angebot, ohne übergriffig zu werden.
Claudia Winker leitet den Verein Frauenhorizonte in Freiburg, Pia Kuchenmüller ist für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising zuständig. Frauenhorizonte ist eine Anlauf- und Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt. Der Verein unterstützt Frauen, die sexuelle Belästigung oder Nötigung erlebt haben. Mehr Informationen über Frauenhorizonte gibt es hier.

"Ist Luisa hier?" zählt zu den Maßnahmen, die aus dem Runden Tisch Sicherheit im Freiburger Nachtleben hervorgegangen sind. Das Projekt kommt ursprünglich aus Münster und wird momentan in Freiburg etabliert. Die Stadt hat Clubs angeschrieben und sie eingeladen, mitzumachen. Die Clubs bekommen dafür eine kostenlose Schulung vom Frauenhorizonte-Team. Auf dieser Website sollen die teilnehmenden Clubs bald aufgelistet werden.

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