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Der Sanimo Soulfood Foodtruck verkauft vegane belegte Brötchen

Jennifer Reyes

Vegane belegte Brötchen sind das Hauptprodukt des Foodtrucks "Sanimo Soulfood". Christian Jung verarbeitet ausschließlich Bio- und Fairtradeprodukte und verfolgt mit seinem Projekt eine besondere Philosophie.

Was gibt es denn in Freiburg noch nicht, das vegan ist? Die Antwort: ein veganes Sandwich – äh nein, ein veganes belegtes Brötchen. Christian Jung, 21, ist Rettungssanitäter beim Deutschen Roten Kreuz in Freiburg und setzt mit seinem Foodtruck "Sanimo Soulfood" sein Wunschprojekt um: Vegane Speisen aus Bio- und Fairtrade-Produkten verkaufen. Am kommenden Samstag, 6. Juli, hat er auf dem Sommerfest des Studierendendorfs im Vauban seinen ersten Verkaufstag – und er ist ziemlich aufgeregt.


Die Idee

Der alte Anhänger, zwei Meter breit, fast fünf Meter lang, den Christian vor mehreren Jahren in Bayern für 1.500 Euro erstanden hat, war damals ziemlich heruntergekommen. Jetzt strahlt er in einem fröhlichen Türkisfarbton. Innen war er bis vor kurzem noch komplett leer. Nun ist der Anhänger mit Grill, Vitrine, Kühlung und großen Spülbecken komplett ausgestattet, das neue Logo hat eine Freundin von Christian mit seinem Namenswunsch kreiert: Sanimo Soulfood. Das Wort "Sanimo" ist eine Verbindung aus der französischen Bezeichnung von "sans animaux" (dt. ohne Tiere), mit der man gleich Sonne oder "sunny" (engl. sonnig) assoziiert.

Die Produkte

Bei Christian sind alle Zutaten zu 100 Prozent vegan. Er selbst ist seit sechs Jahren Veganer. Gründe dafür gab es viele. Christian hat sich in seiner Jugend viel mit Umweltschutz befasst und war auf vielen Demos unterwegs. Die Idee, ein veganes Produkt zu kreieren und in einer Imbissbude zu verkaufen, hat er schon lange – nur kam er nicht dazu, das Projekt Foodtruck richtig anzugehen. Das Produkthighlight seines Foodtrucks ist schlicht gesagt ein Brötchen. Das Wort Sandwich mag Christian nicht. "Da denkt jeder gleich an Toastbrot, wie Toast Hawaii", sagt er. Um das eigentliche Highlight seines Foodtrucks herzustellen, ist er permanent auf der Suche nach geeigneten Lieferanten.

Ansprüche

Zur Kreation des veganen belegten Brötchens braucht er einen Bäcker, der ihm die veganen 17 Zentimeterbreiten und fluffigen Weizenbrötchen in Bioqualität backt. Gar kein so leichtes Unterfangen. "Es gibt in Freiburg nur wenige Bäckereien, die ausschließlich biologisch backen", sagt Christian. "Ich möchte eigentlich Firmen unterstützen, die gar keine kommerziellen Waren vertreiben." Er merkt schnell – nicht so einfach. Als Kooperationspartner hat er jetzt die Zusage von Kaisers Backstube bekommen, die ihn auf Bestellung mit Bio-Brötchen versorgt.

Weiter geht es mit dem Rezept der veganen Balls, deren Hauptbestandteile Sojageschnetzeltes und Seitan sind. Die "No-Meatballs" fertigt Christian von Hand. Bei einem Freund kann sich Christian erstmal in einer Großküche einmieten. "Mein Produktionsrekord liegt bei 2.225 Bällchen in 14 Stunden", sagt er grinsend. Für einen Festival- oder Eventtag ist diese Menge das Minimum. Die Bällchen werden vorgebacken, über Nacht kühl gelagert und kommen dann im Foodtruck auf den Grill – on top angemachtes Weißkraut, Röstzwiebeln und eine selbst kreierte vegane Tomatensoße mit rauchigem Geschmack. Für alle, die es scharf mögen, steht noch eine Chilisoße bereit. Fertig ist das Ding und kostet fünf Euro.

Herkunft

"Ich bin richtig glücklich hier", sagt Christian. Freiburgs guter Ruf als Studentenstadt mit grüner Seele brachte ihn im Herbst 2018 hierher – mitsamt Anhänger und Traum vom eigenen Foodtruck. Christian hat Familie in Freiburg und Umgebung. Er wohnt in einer WG in der Wiehre. Der Truck steht gleich vor dem Haus an der Straße und ganz per Zufall lebt er auch Tür an Tür mit seinem Cousin David Jung-Lüdemann (34): Hier haben wir es mit der Familie Jung mit den Bio-Streuobstschorlen zu tun, die Christian auch in seinem Foodtruck verkauft.

Doch ursprünglich kommt Christian aus der Nähe von Göppingen. Er bricht mit 17 Jahren die Schule ab und zieht zu seinem Cousin Jonas Schmidle (32) nach Erlangen bei Nürnberg, der den Großhandel "Bananeira" mit Bio- und Fairtrade-Produkten führt. Christian holt in der Abendschule seine Mittlere Reife nach und jobbt nebenher in veganen Imbissbuden und Restaurants. Für ihn ist es wichtig, etwas zu machen, das hilft und Positives aufzeigt. So kam er zu der Ausbildung zum Rettungssanitäter.

Die Finanzierung

Christian führt den Foodtruck als Einzelunternehmer. Da er sein Gewerbe an keinem festen Standort betreibt, braucht er eine Reisegewerbekarte und je nachdem, wo er steht, viele Sondergenehmigungen plus Hygienebelehrungen. Das kostet alles Geld. Für die Ausstattung des Anhängers ging das Ersparte drauf, jetzt schiebt er häufig Zusatzschichten im Rettungsdienst, um mehr Kohle zu machen. Manchmal bleibt am Monatsende nicht mehr viel für ihn übrig. Doch Christian nimmt es gelassen, macht Schritt für Schritt und freut sich über die Hilfe von Freunden beim Ausbau des Trucks oder beim Verkauf.

Philosophie

Der junge Unternehmer hat seine eigene Ansicht von Wachstum: "Ich habe gesagt, ich fange klein an und wenn es läuft, kann ich mich vergrößern – aber alles in einem sinnvollen und nachhaltigen Rahmen." Die Balance zwischen Einsatz und Gewinn soll gesund bleiben. "Ich will in der Ökonomie etwas Positives bewegen, nicht dieses reine Kapitalismus-Ding machen und überall alles rausholen bis nichts mehr geht", so Christian. Wenn alles gut läuft, möchte er so bald wie möglich auch Aktionen starten um etwas zu unterstützen: Sei es ein Essen für ein Kind in Afrika oder ein Baum pflanzen wie bei der Suchmaschine "Ecosia".

Die Zukunft

Christian möchte den Foodtruck gerne hauptberuflich führen. Ob das hinhaut, wird sich zeigen. Der Startschuss fällt jedenfalls am Samstag. Weitere Events nach dem Sommerfest in Vauban hat er noch keine im Kalender stehen. Für die Zukunft ist er auf der Suche nach festen Standplätzen unter der Woche und möchte sich auch für Standplätze auf Wochenmärkten bewerben.

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