Der Rotteckring wird umgebaut: Ein Nachruf

Martin Jost

Irgendwie dachten wir, dieser Tag würde nie kommen: Heute beginnt der Ausbau des Rotteckring zu einer Straßenbahntrasse und Fußgängerzone. Freiburgs Innenstadt wird sein Gesicht ziemlich verändern. Die Pläne für Straßenbahnlinie und Umbau des Platzes der Alten Synagoge sind umstritten – aber schade ist es um den alten Rotteckring eigentlich nicht, findet fudder-Autor Martin.

Wir nehmen heute Abschied vom Rotteckring, einer Durchgangsstraße im Herzen von Freiburg.

Der Rotteckring war eine ungemütliche Straße. Er war laut und stark befahren; er lud nie zum Flanieren ein; er war gesäumt von Zweckbauten und Grünanlagen, in denen man nie wusste, woran man war – Hundehaufen oder Pisse, Kotze oder Bierlache? Den Rotteckring querten Freiburgs nervigste Fußgängerampeln mit den kürzesten Grünphasen. Wenn ich mal meinen Zug verpasste, dann eigentlich immer wegen der Ampeln am Rotteckring.

Wenn ich recht überlege, weiß ich auch gar nicht so genau, wo der Rotteckring war. Das ist so eine Freiburger Krankheit: Eine Straße hat auf dreihundert Metern Länge vier verschiedene Namen. (Ich übertreibe, aber nur ganz leicht.) Werthmannstraße … Rotteckring … Platz der Universität … Platz der Alten Synagoge … Friedrichstraße – wo beginnt und wo endet eigentlich der wahre Rotteckring?



Egal. Jetzt endet sein bisheriges Leben ein für allemal. Der Durchgangsverkehr ist ausgesperrt, die Umbauarbeiten zu einer Straßenbahntrasse und einer Fortsetzung der Innenstadt mit anderen Mitteln haben begonnen. Der Rotteckring verschwindet nicht wirklich, er wird nur nicht mehr wiederzuerkennen sein. Ein bisschen wie eine Raupe, die sich verpuppt, und als Schmetterling zu uns zurückkehrt.

Als beiger Granitschmetterling, okay. Aber er wird ein Platz im Herzen unserer Stadt sein. Vielleicht ein Platz, auf den sich im Sommer das laute Augustinerpack verlagert, weil er zehn Grad wärmer wird als überall sonst?

Was dürfen wir noch von ihm erwarten? Eine viel größere und weitläufigere „Fußgängerzone“, Modell Freiburg – also eigentlich eine Straßenbahnzone mit Fußgängerduldung. Einen aseptischen Platz wie den neuen Uni-Innenhof oder netten Ort zum Rumsitzen? Eine Promenade zum Flanieren oder eine prekäre Innenstadt-Randzone ohne attraktive Geschäfte? – Auf jeden Fall eine laute, nervige Straße weniger. Und für mich persönlich: Bis zu drei verpasste Züge weniger im Jahr. Machs gut, alter Rotteckring!



Mehr dazu:

Badische Zeitung: Anrainer befürchten Verkehrslawine  

Foto-Galerie: Martin Herceg

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