Der Polizist, der heißt wie Harald Schmidts neuer Tatort-Charakter, sagt, dass der Tatort oft stümperhaft ist

Carolin Buchheim

Im neuen Schwarzwald-Tatort wird Harald Schmidt Kriminaloberrat Gernot Schöllhammer spielen. Seit Mittwoch bekommt der stellvertretende Leiter der Kriminalpolizei Aalen viele Anrufe – denn er heißt Thomas Schöllhammer.



Herr Schöllhammer, haben Sie eigentlich gute Kontakte zu Tatort-Autorinnen und -Autoren?

Schöllhammer: (lacht) Nein, nein, das mit dem Namen muss ein Zufall zu sein! Ich habe 1983 mal in einem Tatort in Stuttgart mitgespielt, als Statist. Aber das hat mit dem aktuellen Tatort sicher nichts zu tun.

Sie waren schon mal im Tatort? Was haben Sie damals gemacht?

Ich war damals Oberwachtmeister. Mit zwei Kollegen wurden wir bei der Einsatzhundertschaft als Komparsen abgestellt. Wir mussten in Stuttgart eine Festnahme an einem Gartenhäuschen durchführen.

Jetzt wird Harald Schmidt einen Polizisten mit ihrem Namen spielen. Wie hat ihr Umfeld bisher reagiert?

Die erste Nachricht habe ich gestern per Mail bekommen, da hat mir jemand eine Pressemitteilung von der dpa weitergeleitet und aus dem "Gernot" auch gleich mal einen "Thomas" gemacht. Ich hab dann zurückgeschrieben, was das soll. Aber dann wurde mir bestätigt, dass ein "Schöllhammer" der neue Tatort-Kommisar wird, auch wenn er Gernot heißt. Seitdem kriege ich regelmäßig Whatsapp, in denen ich beglückwünscht werde zu der neuen Rolle.

Diesen Schöllhammer wird Harald Schmidt spielen. Wie gespannt sind Sie auf diesen Namensvetter?

Ich werde mir den Tatort auf jeden Fall anschauen und sicher das ein oder andere Mal schmunzeln, wenn ich meinen Namen höre. Harald Schmidt selber mag ich sehr gerne. Ob er in der Rolle erfolgreich sein wird, darauf bin ich sehr gespannt. Einen Polizisten zu spielen, das traue ich ihm zu.

Schauen Sie sonst auch den Tatort?

Ich differenziere da – mir gefällt nicht jeder Schauspieler im Tatort. Die Stuttgarter Tatorte schaue ich mir aber regelmäßig an.

Wie schätzen Sie als Polizist den Tatort ein? Läuft’s bei Ihnen auch so?

Grundsätzlich wünschte ich mir so vom Schreibtisch aus, dass unsere Ermittlungen auch so zügig ablaufen wie im Tatort. Das sieht in der Realität natürlich anders aus. Zur Fortbildung sind die Tatorte nicht geeignet, auch wenn manche Dinge ganz gut rübergebracht werden. Die taktische Vorgehensweise der Polizei wird manchmal so stümperhaft dargestellt, dass ich froh bin, dass wir so nicht arbeiten, wie es im Tatort dargestellt wird. Sonst würden wir den ein oder anderen Täter wahrscheinlich nicht ermitteln.

Gibt es Sachen am Tatort, die sie stören?

Ja, manchmal habe ich richtig ein Problem damit. Wenn zum Beispiel die Polizei auf Zeugen einwirkt oder Beamte korrupt sind, wie das letztens im Tatort vorgekommen ist. Sowas kann ich nicht akzeptieren, das hat definitiv nichts mit unserem Auftrag zu tun hat. Wenn ich solche Folgen mit meiner Familie anschaue, habe ich immer das Bedürfnis, klarzustellen, dass es in der Realität so nicht abläuft.

Sie sind Schwabe. Wenn Sie einen Schwarzwald-Tatort schreiben würden, wo würde er spielen?

Ich habe eine enge Verbindung zum Schwarzwald, ich war früher regelmäßig in Freiburg, wo sich unsere Akademie der Polizei noch befindet. In Rahmen von Übungen habe ich den Schwarzwald von Nord nach Süd durchfahren; landschaftliche finde ich ihn sehr reizvoll. Speziell könnte ich mir einen Tatort am Schluchsee sehr gut vorstellen, so mittendrin im Schwarzwald. Da gäbe es sicher Szenen, die spannend rüberkommen könnten.

Wie säh's denn aus – hätten Sie Lust, bei einem Schwarzwald-Tatort noch mal als Statist einzuspringen?

Das wäre natürlich ein Riesen-Spaß!

Zur Person

Thomas Schöllhammer, Jahrgang 1961, ist seit 1981 Polizist und heute stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei im Polizeipräsidium Aalen.

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[Foto: Privat/dpa]