Der Oberkrainer-Fan

Christian Heigel

Das ist Robert. Robert ist 21 Jahre alt und studiert an der Uni Freiburg Sport und Französisch auf Lehramt. House, Hip Hop oder Reggae – das sind die Musikstile, die ein Durchschnitts-Student hört. Oberkrainer, traditionelle Polka- und Walzermusik aus Österreich und Slowenien, gehört wohl eher nicht dazu. Für Robert, der aus Leutkirch im Allgäu stammt, schon. Er findet: "Die Polka geht voll ab."



Wenn man Robert Fink zum ersten Mal  trifft, ist man schon erstaunt: Alle Klischees, die man gegenüber Volksmusikhörern so im Hinterkopf hatte, treffen auf ihn nicht zu.


Er ist mit seinem Kapuzenpulli alles andere als volkstümlich angezogen und wenn er erzählt, wirkt er keinesfalls unzeitgemäß. Vor allem, wenn er von der Oberkrainer-Musik schwärmt: „Das ist ein richtig geiler Sound, der einfach nur gute Laune macht.“ Schnell macht er einem klar, dass man sich von seinen Vorurteilen verabschieden sollte: „Oberkrainer, das ist nicht Alpenglühen und Edelweiß. Mit Hansi Hinterseer oder Florian Silbereisen hat das nichts zu tun.“

Oberkrainer ist keine Volksmusik im gängigen Sinne. Für Robert ist es einfach Partymusik, bei der es „voll abgeht“. Vor allem die traditionelle Polka aus Österreich und Slowenien eignet sich zum Abtanzen.

Von anderer Partymucke unterscheidet Oberkrainer natürlich die Besetzung: Trompete und Gitarre gibt es zwar auch, dazu kommen dann aber noch Akkordeon und Bariton (eine Mischung aus Tuba und Posaune). In dieser Besetzung ist Robert auch zusammen mit seinem Vater, seinem Bruder und Freunden selbst musikalisch unterwegs: Sie nennen sich Franz & Friends und heizen dem Allgäu mit Polka und Walzer, aber auch mit Blues und Partymusik à la DJ Ötzi und „Holzmichl“ ein. Tragen sie denn dabei wenigstens Trachten? „Nein, das würde zu unserer Mischung nicht passen.“

Wieder nichts mit den Klischees.



Das Festzelt, die Location vieler Oberkrainer-Bands, klingt dann aber doch nach Klischee. Robert ist das egal. Für ihn zählt nur, dass da eine „absolut geile Stimmung“ herrscht. „Da wird auf den Tischen getanzt.“ Und er sieht sogar Vorteile gegenüber Clubs und Diskotheken: „Im Festzelt wird nicht gepost und es geht nicht nur um gutes Aussehen.“ Vor allem in Österreich sei das so. „Die Österreicher gehen voll ab.“ Dort habe Oberkrainer einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland. Was man schon daran sieht, das mindestens drei Mal so viele Leute zwischen 20 und 30 kommen als bei vergleichbaren Veranstaltungen hierzulande.

Bei seinen Freiburger Kommilitonen steht Robert mit seinem Musikgeschmack hingegen ziemlich alleine da. Und auch von seinen alten Kumpels aus Leutkirch teilt nur eine handvoll seinen Musikgeschmack. Aber immerhin wehren sie sich nicht mehr, wenn Robert Oberkrainer auf einer Party laufen lässt. „Das sollte man einfach mal erleben, wie das abgeht“, findet Robert. Und zieht zum Schluss noch eine erstaunliche Parallele: „Oberkrainer hat vom Rhythmus her Ähnlichkeit mit Ska“. Deshalb macht Robert auch nicht nur zu den Oberkrainern Party, sondern zum Beispiel auch beim Busters-Konzert im Jazzhaus. Und auch die Red Hot Chili Peppers verachtet er nicht. Oberkrainer ist für Robert eben nur ein Teil seines Musikgeschmacks.

In Freiburg halt nur der Auffälligste.

 



Roberts Top 5 der Oberkrainer-Musik

Die Grazer Spatzen Klostertaler Quintett Alpin Oberkrainer Power Die Mooskirchner

Mehr dazu:

Oberkrainermusik.de: Website

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