Der Net-Jetset

Meike Riebau

Elitäre Netzwerke sind im Internet auf dem Vormarsch: Die Mitglieder von schwarzekarte.de, asmallworld.net, oder beautifulpeople.de, pflegen ihre Exklusivität - und der Pöbel darf draußen bleiben. Meike hat sich die sozialen Netzwerke näher angesehen.



Das Internet - eine demokratische Welt? Das war mal: Elitäre Netzwerke versuchen, durch unterschiedliche Zugangskriterien den Pöbel auszuschließen und einen exklusiven Mitgliederkreis aufzubauen.


Im Gegensatz zu offenen Netzwerken wie OpenBC, MySpace und Friendster gibt es Aufnahmekriterien. Diese sind sehr unterschiedlich: Bei BeautifulPeople.de zählt einzig und allein das Aussehen der Kandidaten ? drei Tage lang müssen sich die Bewerber einem Casting unterziehen, sämtliche andere Mitglieder können abstimmen: Ja, Sabrina XY ist schön genug, um in unserem erlauchten Kreis Mitglied zu werden.



Oder eben: Nein, dieser unansehnliche Mensch hat keine Chance. Unser fudder-Mitarbeiter Lucas hat diese Woche einen Selbstversuch bei Beautiful People gestartet. Ob er aufgenommen wurde, und was er bei dem Casting erlebt hat, verraten wir euch in Kürze auf fudder.

Bei anderen Netzwerken, sogenannten “lifestyle communities” wie schwarzekarte.de oder asmallworld.net gibt es gar kein offizielles Aufnahmeverfahren - man muss eingeladen werden. Und auch dies dürfen nur ausgewählte Mitglieder tun.

Durch dieses Verfahren soll der “familiäre Charakter” zu bewahrt werden. Die Mitgliedschaft an sich ist kostenlos bei beiden Netzwerken. Bei Schwarzekarte bekommen die Skler, wie sich die Mitglieder selbst nennen, Gästelistenplätze bei diversen (mehr oder weniger heiß begehrten) Clubs und können sich unglaublich auserwählt fühlen.



Die Profildaten, die das Netzwerk von jedem Mitglied verlangt, reichen von lächerlich bis zu völlig absurd: Statt der Lieblingsfarbe und Lieblingslehrerin wie früher im Freundschaftsbuch wird hier nach der Lieblingschampagnermarke und dem Lieblingwodka gefragt - und das bei einem Netzwerk, wo ein großer Teil der Mitglieder noch nicht einmal volljährig ist. Eines der am häufigsten genannten Lebensmottos: Niveau sieht von unten betrachtet häufig wie Arroganz aus.” Und wer als Lieblingsmodelabel H&M angibt, ist ganz schnell out. Auch schön ist die Kategorie "Häufig anzutreffen in": Die am häufigsten genannten Städte sind Sylt, St. Moritz und natürlich New York.

Asmallworld.net (ASW) gibt sich noch wesentlich exklusiver als schwarzekarte. Laut New York Times sind Naomi Campbell, Eros Ramazotti und Paris Hilton auch Teil der ASW-Familie - natürlich unter falschen Namen. Im Gegensatz zu schwarzekarte ist ASW international ausgerichtet, die Mitglieder unterhalten sich nur auf Englisch und sind im Schnitt etwas älter. Hier kann man sich Tipps holen, wo in diesem Sommer die besten Partys in St. Tropez und Monaco stattfinden, und auch, welche Privat-Airline die günstigsten Tarife hat, wenn der Lieblingshund für zwei Wochen eingeflogen werden soll.

Eva Müller-Hermelink, eine 22-jährige Auszubildende, ist Mitglied bei beiden Netzwerken. “Anfangs wusste ich gar nicht, um was es genau geht, als ich von einem Bekannten eingeladen wurde.” Die anfängliche Skepsis hat sie jedoch schnell überwunden. “Gerade durch ASW habe einige sehr nette Leute kennengelernt, als ich neu in eine fremde Stadt gezogen bin”.

Die Mitglieder von ASW seien “unglaublich hilfsbereit”. “Häufig sieht man im Forum Posts, von jemandem, der nur für eine kurze Zeit in einer fremden Stadt ist und fragt, was man dort unternehmen kann - und meistens wird er dann eingeladen, mit Mitgliedern aus der jeweiligen Stadt etwas zu unternehmen.” Das könne man auch bedenkenlos tun, “die sind wirklich ausnahmslos nett”, so die Erfahrung der Auszubildenden. Der exklusive Charakter stört sie nicht. Aber schließlich - wer einmal drin ist, der genießt eben auch nur noch die Vorteile. Also gilt eben doch wie eh und je die Devise: In ist, wer drin ist.