Der Liebesliedgenerator

Christoph Müller-Stoffels

Da begegnet man der Frau seiner Träume und will ihr sofort seine Liebe mitteilen. Doch das geht nicht, weil die Angebetete kein Alemannisch versteht. Nicht einmal Deutsch. Dabei wollte man ihr sogar mit einem Ständchen huldigen, um seine Gefühle zu harmonischen Klängen zum Ausdruck zu bringen. Jetzt gibt's Abhilfe mit dem Liebesliedgeneratoren.



Ein Liebeslied in den verschiedensten Sprachen, angefangen bei Deutsch in diversen Dialekten, über europäische Sprachen bis hin zu Hindi (zweite indische Amtssprache neben Englisch), Indonesisch oder Suaheli, wie es in Somalia und Mosambik gesprochen wird. Der Kabarettist Bodo Wartke schrieb einst "Mein Liebeslied für dich". Gemäß dem Refrain "Wo immer du auch wohnst, welche Sprache du auch sprichst, wenn wir uns begegnen, dann lern' ich sie für dich" sang er es auch in verschiedenen Sprachen.


Am Anfang waren das nur neun. Inzwischen sind es mehr. Viel mehr! Wartke dichtete dazu, sang bei seinen Auftritten mal die tschechische Strophe, ließ dafür aber die isländische weg. Den Fragen aus dem Publikum ("Kannst du nicht mal diese oder jene spielen?") trat er auf seiner Homepage entgegen. Er digitalisierte alle Strophen und stellte sie online. Nun kann jeder selbst entscheiden, ob er lieber die Kombination Altgriechisch-Sächsisch-Ukrainisch möchte, oder doch Assyrisch-Neomelanesisch-Rätoromanisch bevorzugt. Neun Strophen gilt es einzufügen. Auch Esperanto und Quenya (die von Tolkien erfundene Elbensprache) stehen zur Auswahl, um ein persönliches, multilinguales Liebeslied zu bauen.

Wer dabei seine eigene Sprache vermisst, der helfe sich selbst. "61 Sprachen", so heißt es auf der Seite, "ist (sic!) zwar viel, aber noch nicht genug". So kann jeder, der seine Sprache vermisst, unter Beachtung bestimmter Regeln selbst eine Strophe hinzufügen, die Wartke irgendwann vertont und dazustellt. Einen kleinen Affront bietet die Seite aber. Denn, so schreibt Wartke, "schickt bitte keine Dialekte! Ich habe bereits viele Dialekte im Repertoire, und die feinen Unterschiede, die es noch zwischen der einen oder anderen Mundart geben mag, lassen sich nur noch schwer herausarbeiten." Nun ist festzuhalten, dass Schwäbisch Aufnahme ins Programm gefunden hat, Alemannisch aber nicht. Sagen Sie das mal lieber nicht bei Ihrem nächsten Freiburger Auftritt, Herr Wartke!

Hier geht es zum Liebesliedgeneratoren.