Der Leichtfüßige: Max Mutzke im Jazzhaus

Gina Kutkat

Bei Max Mutzke gibt es keinen Stillstand, weder auf der Bühne noch in seinen Songs. Am Dienstagabend spielte der Waldshuter Soulcrooner mit seiner Band Monopunk im Jazzhaus. Gina Kutkat war dabei und weiß, warum er kaum noch Geschichten zu seinen Songs erzählt:



Er läuft von einer Bühnenhälfte zur anderen. Nein, swingt eher. Nimmt das Mikro vom Ständer, steckt es wieder hinein. Tätschelt seinen Gitarristen, springt leichtfüßig an den Bühnenrand und geht dann wieder einen Schritt zur Seite, um seinen Mitmusikern Raum zu geben. Zupft an seinen Hosenträgern, rückt die Mütze zurecht, setzt an zum nächsten Song. Es gibt keinen Stillstand bei Max Mutzke.


Die gleiche Beweglichkeit zeigt sich auch in der Songauswahl: Mutzke, der jetzt im Jazzhaus Freiburg das erste Konzert seiner "Max-Tour" gab, spielt einen bunten Mix aus verschiedenen Schaffensphasen. Denn trotz seiner 34 Jahre hat der gebürtige Schwarzwälder schon viele Jahre im Musikgeschäft auf dem Buckel. Seit er die Castingshow bei Stefan Raab gewann und am ESC teilnahm, sind immerhin elf Jahre vergangen.

Mal euphorisch, mal nachdenklich

Zusammen mit seiner Band Monopunk wechselt Max Mutzke bei seinem Jazzhaus-Konzert regelmäßig die Stile, spielt mal funkige, mal rockige Songs, versprüht dann wieder ein bisschen R’n’B-Feeling. Da wären zum einen die Stücke seiner aktuellsten und sechsten Platte "Max": "Praise the Day" ist nicht nur der Eröffnungssong des Albums, sondern markiert auch live den Anfang. "Unsere Nacht", im Original ein Duett mit Rapper Eko Fresh, ist eine kleine HipHop-Liebeserklärung mit politischem Statement – es geht um die Euphorie, die während des Arabischen Frühlings 2010 aufkam. Nachdenklich und ruhig wird es bei "You are all around me" und "Hier bin ich Sohn" – die beiden Stücke schrieb Mutzke für seine Mutter, die vor anderthalb Jahren an Alkoholismus starb. "Es gibt vieles / was ich kann / ich bin Vater / ich bin Mann / Doch hier bin ich Sohn."



Das Fehlen einer klaren Linie hätte sein aktuelles Album fast verhindert. Max Mutzke arbeitete vier Jahre lang an "Max" und ließ die verschiedensten Stile und Inspirationen einfließen. Live funktioniert dieses Allerlei aus Jazz, Soul und Pop ziemlich solide – weil sich seine Stimme wie ein roter Faden durch alles zieht. Mutzke singt sich von einem Song zum nächsten, sodass man gar nicht merkt, wie viel er mit seiner Stimme arbeitet. Nur in den Momenten, in denen er sich am Mikrofonständer festhält und tief nach unten beugt, um die schwierigen Töne rauszupressen, wirkt der Gesang wie ein Kraftakt. Es muss anstrengend sein, so oft von Kopf- zu Bruststimme zu wechseln und die Stimmbänder jedes Mal aufs Neue zu strapazieren.

Mutzke wirkt stets unangestrengt

Doch das Talent, trotzdem alles unangestrengt aussehen zu lassen, hatte Mutzke schon 2004, als er auf dem Hocker bei Raab saß und sich mit "Can’t wait until tonight" in die Herzen der Zuschauer sang. Im Jazzhaus gibt es eine Uptempo-Version des Nummer-Eins-Hits.

"Im nächsten Song geht es um das Gefühl, jemandem etwas zu schulden", sagt Mutzke und setzt zum nachdenklichen "IOU (I owe you)" an. Kleine Geschichten zu seinen Songs und deren Entstehung gehören bei ihm eigentlich zum Programm, doch dieses Mal hält er sich zurück: "Ein Zuschauer sagte mir, man könne in meiner Musik besser baden, wenn ich nicht so viel erzähle," sagt er. Also werden lieber noch ein paar Songs abgespult, sein Repertoire ist schließlich groß genug. Die 450 Zuschauer im vollen Jazzhaus feiern den Schwarzwälder, der immer noch in seiner Heimat Waldshut-Tiengen lebt. "Der ist ja richtig rockig," oder "So sympathisch" lauten zwei Kommentare aus der Menge.

Mutzke und Band drehen zum Ende noch mal auf, spielen "Charlotte" und als Rausschmeißer zwei Coverversionen, die stilistisch – wie soll es auch anders sein – weit auseinanderliegen: "Creep" von Radiohead und "Empire State of Mind" von Alicia Keys. Dann machen sich die Musiker wieder auf den Weg. Es gibt keinen Stillstand.

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[Fotos: Gina Kutkat]