Fall Hassan Yahya

Der Lebensretter aus Freiburg ist abgeschoben worden

Joachim Röderer

Im November 2014 rettete Hassan Yahya einer Frau am Freiburger Lindenwäldle das Leben, als diese von ihrem Ex-Partner niedergestochen wird. Doch Yahya hat auch ein langes Strafregister. Jetzt ist der 28-Jährige nach Tunesien abgeschoben worden.

Mehr als 13 Jahre lang hat Hassan Yahya in Deutschland gelebt, die meiste Zeit davon in Freiburg. Er kam als Jugendlicher ohne Pass, als angeblich staatenloser Palästinenser stellte er sich den Behörden vor. Eine Aufenthaltstitel erhielt er nie.


Im November 2014 rettete er einer Frau an einer Haltestelle in Weingarten das Leben. Wegen diverser Straftaten saß er mehrmals im Gefängnis. Am Mittwoch ist der 28-Jährige nach Tunesien abgeschoben worden, sein tatsächliches Heimatland. Zuvor hatte das Verwaltungsgericht einen letzten Eilantrag abgelehnt.

"Alle anderen sind weggelaufen, nur er hat eingegriffen." Frau, der Hassan Yahya das Leben gerettet hat
Die vergangenen Tage hat Hassan Yahya in der Abschiebehaft in Pforzheim verbracht. Am Mittwochnachmittag startete von Leipzig aus das Flugzeug mit Ziel Tunesien. Yahya war schon unterwegs nach Sachsen, als das Verwaltungsgericht in Freiburg über seinen letzten Eilantrag verhandelte. Der Tunesier hatte gegen die Stadt Freiburg geklagt, weil diese seinen Antrag auf Aufenthaltserlaubnis abgelehnt hatte. Das Gericht habe alle Fakten noch einmal bewertet: die lange Zeit des Aufenthalts in Deutschland, auch die Rettungstat, mit der er im November 2014 an der Haltestelle "Lindenwäldele" einen Messerstecher stoppte und dem Opfer das Leben rettete.

Aber da war auch die "große Zahl an Straftaten", so Klaus Döll, der Pressesprecher des Verwaltungsgerichts. Bis zuletzt seien Ermittlungsverfahren geführt worden. Es habe keine wirtschaftliche Integration gegeben. Die Richter sahen keinen Grund, warum der 28-Jährige in Tunesien nicht wieder Fuß fassen sollte.

Das Strafregister des 28-Jährigen ist lang

Bis zuletzt hatte sein Anwalt Christian Fischer für Hassan Yahya gekämpft, ebenso dessen Freundin. Und auch das Opfer der Messerattacke in Weingarten hat sich für ihren Retter eingesetzt: "Alle anderen sind weggelaufen, nur er hat eingegriffen", sagte die Frau dem Südwestrundfunk. Yahya hatte lang gehofft, dass seine Heldentat vom November 2014 ihm zu einem Aufenthaltsrecht und vor allem auch zu einer Arbeitserlaubnis verhelfen könnte. Er wollte sein eigenes Geld verdienen. Dazu ist es nie gekommen. Yahyas Anwalt hat immer wieder darauf hingewiesen, dass bei den Behörden in diesen 13 Jahren vieles schief gelaufen sei.

Hassan Yahya 2014 im BZ-Interview



Das gilt auch für Hassan Yahya selbst. Sein Strafregister ist lang, bis zuletzt gab es Einträge. Es finden sich Diebstähle, auch Körperverletzungsdelikte. "Er ist ein smarter Typ, der sich aber nie von den falschen Freunden löste", sagt ein Bekannter. Viele wussten, dass er nicht Hassan Yahya heißt und auch kein Palästinenser ist. Viele kannten auch seinen richtigen Namen und wussten, woher er kam. Genau diese Informationen landeten bei den Ämtern. "Er ist verpfiffen worden", weiß der Bekannte. Offiziell spricht man von einem "anonymen Hinweis".

Das Verfahren habe sich vor allem deshalb über Jahre gezogen, weil der Flüchtling seine Identität verschleiert hatte, sagt Uwe Herzel, Pressesprecher des für die Abschiebung zuständigen Regierungspräsidiums Karlsruhe. Es kam bisher nicht zur Abschiebung, weil die Behörden nicht wussten, wohin. Doch nun haben die tunesischen Behörden die in Freiburg vorliegenden Informationen zu Namen und Herkunft bestätigt – durch einen einfachen Abgleich von Fingerabdrücken, die daheim in Tunesien noch gespeichert waren.

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