Traditionslokal

Der Kleine Meyerhof in Freiburg schließt nach 32 Jahren

Holger Schindler

Freiburg wird um ein Traditionslokal ärmer: Der Kleine Meyerhof in der Altstadt schließt zum Jahresende. Das Gastronomenpaar Forsthuber geht in den Ruhestand. Wie es weiter geht, ist noch offen.

Wie es mit dem Kleinen Meyerhof in der Rathausgasse 27 im kommenden Jahr weitergeht, ist immer noch offen. Verpächter Gerhard Kempter sucht seit Monaten nach Gastronomen, die das traditionsreiche Lokal im denkmalgeschützten Haus von 1908 weiterführen wolle. Fest steht laut Kempter nur, dass es keinen nahtlosen Übergang geben wird – und dass die bisherigen Betreiber am 31. Dezember zum letzten Mal geöffnet haben. Uli und Elisabeth Forsthuber gehen nach 32 Jahren als Betreiber der Lokalität mit 180 Sitzplätzen in den Ruhestand. Sie werden sich ganz schön umstellen müssen, denn jahrelang waren sie dort mehr oder weniger durchgängig im Einsatz.


"Ich freue mich jetzt wirklich darauf, dass es ruhiger wird", sagt Uli Forsthuber. Dem 65-Jährigen, der aus Malsburg-Marzell im Kreis Lörrach stammt, merkt man an, dass er müde ist von einem langen Arbeitsleben. Er war der Koch, seine Frau Elisabeth hat den Service organisiert und die Gäste bedient. Das war schon so, als sie noch in Kandern die "Krone" hatten und dort in den frühen 80er-Jahren mit Gourmetküche ziemlichen Erfolg hatten. 1986 kamen sie nach Freiburg und stiegen beim Kleinen Meyerhof, der damals noch der Riegeler Brauerei gehörte. Mit badischer Küche und viel Handarbeit schufen sie sich ein treues Publikum. "Wir haben alles selber gemacht", erinnert sich Uli Forsthuber, "das Brot, das Eis und die Würste."

"Ich habe jahrelang sieben Tage die Woche durchgeschafft." Uli Forsthuber
Zeitweise führten die beiden parallel noch den Brauerei-Biergarten in Riegel mit. Die Folge: Arbeit ohne Ende. "Für meinen Mann ging die Arbeit morgens um 7.30 Uhr los mit dem Einkauf", sagt Elisabeth Forsthuber. Danach kam das Mittagsgeschäft, danach das Abendgeschäft. "Die Küche habe ich um 21 Uhr geschlossen", so Uli Forsthuber. Dann musste aber noch aufgeräumt werden – und erst dann ging es heim nach Hochdorf. Und am nächsten Tag wieder dasselbe. "Wir hatten keinen Ruhetag. Ich habe jahrelang sieben Tage die Woche durchgeschafft", so der Gastronom. Das sei eben damals so üblich gewesen. Man habe immer gut rechnen müssen. "Heute macht das in der Gastronomie keiner mehr so, denke ich", räumt Uli Forsthuber ein.

Von diesem Pensum jetzt runterzuschalten, das könnte schwierig werden. Doch die beiden haben Pläne. "Wir wollen verreisen", sagt Uli Forsthuber, "und mehr Zeit für die Familie haben". Drei Söhne hat das Ehepaar großgezogen. Einer davon hat selbst Koch gelernt, ein anderer das Restaurantfach. "Die Hausaufgaben haben sie oft hier im Meyerhof gemacht", erinnert sich die Mutter – denn die Arbeit ging ja trotzdem weiter.

Zuhause steht übrigens fast immer Elisabeth Forsthuber am Herd. "Meine Frau kocht ganz ausgezeichnet", schwärmt der Gatte. "Nur wenn es zum Beispiel Fisch gibt und man den filetieren muss, dann übergebe ich doch an ihn", ergänzt die Gattin. Den Ruhestand wollen die Wirtsleute allerdings nicht in Freiburg verbringen. "Wir gehen zurück in die alte Heimat", sagt Uli Forsthuber – und man merkt die Vorfreude.
Inventarverkauf

In den ersten beiden Januarwochen wird im Kleinen Meyerhof, Rathausgasse 27, die Einrichtung verkauft. Mehr Infos: Tel.  0761 / 26941.



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