Der Karzer der Uni Freiburg: Fünfmal den Prof beleidigen, drei Tage Haft

Wolfgang Weismann

Im Uniturm des Kollegiengebäude I gibt es einen Raum, der tatsächlich lange Jahre vergessen war: Der Karzer. Hier mussten Studenten einst von der Uni verhängte Strafen absitzen - und das war für manche damals eine Art Ritterschlag.



Es war nicht leicht, in Karzerhaft zu gelangen: Für drei Tage Karzer musste ein Student einen Professor ganze fünf Mal beleidigen. Oder aber sich duellieren. Oder die Kleiderordnung missachten.

Allgemein durften Studenten weder Karten spielen, noch Liebesdienste anheuern oder Waffen tragen. Um Verbrechen wie diese zu ahnden, hatte die Universität eine eigene Rechtskörperschaft, der Rektor war der oberste Richter. Und sie bestrafte hart: mit Geldbußen, Relegation -dem endgültigen Ausschluss vom Hochschulstudium- oder eben mit Karzerhaft.



Dabei muss der Karzer eine nicht wirklich gefürchtete Art der Bestrafung gewesen sein: Manche Studenten brachten es auf fünf Karzerinhaftierungen. Die Studenten des Kaiserreiches betrachteten es fast als einen Sport, in den Karzer zu kommen. Einmal einzusitzen, das glich einem Ritterschlag.

Die größte Hürde für die Studenten, sich im universitätseigenen Gefängnis in Haft zu begeben, waren wohl die fälligen Gebühren. So musste jeden Tag eine Haftgebühr entrichtet werden. Wer trotz Haft an den Vorlesungen teilnehmen wollte, musste sich vom Hausmeister zum entsprechenden Vorlesungssaal führen lassen und ihm dafür auch eine Gebühr bezahlen. So wie fürs Essen bringen auch.

Am kuriosesten ist vielleicht, dass es keinen Abort im Karzer gab, und wer musste, der bekam eine Schüssel – für deren Säuberung wiederum der Hausmeister zuständig war und erneut eine Gebühr erhoben wurde. Wer nicht zahlen konnte, wurde exmatrikuliert.



Mit der Zeit wurde das Karzerwesen regelrecht zum Witz: Da kein Alkoholverbot herrschte, feierten die Delinquenten hier manchmal mit ihren Kommilitonen weiter. 1911 weihte die Uni den neuen Karzer im Kollegiengebäude 1 ein. Damit die Studenten es im Sommer schön kühl und im Winter warm hatten, wurde ein beheizbarer Winterkarzer und ein gut lüftbarer Sommerkarzer gebaut. Der erste Student, der einsaß, war der legendäre Walter Stegmüller. Gefeiert als 3000ster Student gab er im Suff einem Polizisten einen Schlag. Die Strafe: vier Tage Karzer.

Mit der Weimarer Verfassung wurde das Karzerwesen abgeschafft. Die Studenten mochten ihren Karzer aber dermaßen, dass sie lautstark gegen die Schließung des Karzers protestierten. Wie ernst beziehungsweise unernst der Karzer noch heute genommen wird, beweist die Studentenverbindung Hercynia. Sie feiert jedes Jahr ihr Stiftungsfest im Karzer – durchaus feuchtfröhlich.

Mehr dazu:

Karzer der Uni Freiburg
Führungen nach Absprache mit dem Uniseum
Pauschale: 45 Euro
  • fudder: http://fudder.de titel="">Couleurdamen: Warum Mädels mit Verbindungsstudenten
   

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